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Meinung

Kommentar: Air Berlin-Crash mit Ansage

Nach Jahren des Siechtums ist die zweitgrößte deutsche Airline nun am Ende. Für ein paar Wochen hilft noch Vater Staat. Dann wird das Fell verteilt. Henrik Böhme hofft auf kluge Entscheidungen im Sinne der Mitarbeiter.

Als am zurückliegenden Freitag die vereinbarte Kredittranche von 50 Millionen Euro von Großaktionär Etihad nicht auf dem Konto von Air Berlin einging, schrillten in der Firmenzentrale von Deutschlands zweitgrößter Airline die Alarmglocken. Da spätestens war den Beteiligten klar, dass die Scheichs von Etihad Airways den Geldhahn Richtung Berlin abgedreht hatten. Das ist jetzt nicht wirklich überraschend, denn Etihad - gemeinsam mit Emirates und Qatar gehörten sie zu den Überfliegern vom Persischen Golf - hat selbst genug Probleme. Etihads Strategie, sich an Konkurrenten zu beteiligen, die in finanziellen Schwierigkeiten stecken, ist krachend gescheitert.

Gigantischer Schuldenberg

Boehme Henrik Kommentarbild App

Henrik Böhme, DW-Wirtschaftsredaktion

Vielleicht war das Kalkül dahinter, die Konkurrenten auf diese Weise in Sicherheit zu wiegen und dann am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Und schließlich die Reste einzusammeln und die Strecken zu übernehmen. Aber mit Air Berlin und Alitalia, bei denen nun in beiden Fällen die Steuerzahler einspringen müssen, hatte man sich zwei wirkliche Geldverbrennungsmaschinen einverleibt. Allein Air Berlin schiebt einen Schuldenberg von 1,2 Milliarden Euro vor sich her. Etihad hat seit 2011 - solange ist man an den Berlinern beteiligt - bis zu zwei Milliarden Euro in seine marode Tochter investiert. Ohne greifbaren Erfolg, wie nun zu sehen ist. Dabei hatten die Scheichs noch im Frühjahr versprochen, schriftlich sogar, wenigstens noch anderthalb Jahre an Bord zu bleiben. Wurde nichts draus. 

Jeder Passagier, der in den vergangenen Monaten mit Air Berlin geflogen ist, konnte selbst erleben, wie schlecht es um Air Berlin schon länger stand: Flugausfälle, massive Verspätungen, Flüge mit angemieteten, teils skurrilen Airlines, waren an der Tagesordnung. Es dürften auch Schadensersatz-Forderungen in Millionenhöhe auf dem Tisch liegen.

"Alles im Griff"? Pustekuchen!

Auf der Aktionärsversammlung von Air Berlin Mitte Juni in London machte das Management noch auf gut Wetter. Im Vorfeld hatten schon heftige Spekulationen die Runde gemacht über die prekäre Lage der Airline, von Bürgschaften der öffentlichen Hand war die Rede. Alles halb so wild, wir haben die Sache im Griff, so verteilte die Chefetage Beruhigungspillen an die Aktionäre. Eine Pleite? "Kein Thema für uns!". Und nun, keine zwei Monate später, der Offenbarungseid. K.O-Tropfen statt Beruhigungspillen. Wie blind ist das Management gewesen, um nicht zu sehen, wie schlecht es dem Mutterunternehmen Etihad auch damals schon ging?

Nun also muss mal wieder der Steuerzahler ran. 150 Millionen Euro Bürgschaft, sonst hätte Air Berlin sofort seinen Flugbetrieb einstellen müssen. Mitten in der Urlaubssaison! Dieses Chaos den Reisenden zu ersparen, dürfte zumindest ein plausibler Grund sein, warum der Bund der Bürgschaft zugestimmt hat. Bei Air Berlin rächen sich nun die viele strategischen Fehler, die im Laufe der Jahre gemacht wurden. Mit jeder Entscheidung, jedem Chefwechsel (und davon gab es reichlich), wurde es schlimmer. Wurde irgendwo ein Loch gestopft, wurden mindestens zwei neue Probleme geschaffen. 

Jetzt wird das Fell des Bären verteilt. Die Lufthansa, die schon 38 Maschinen samt Besatzungen von Air Berlin gemietet hat, wird nun schauen, was noch brauchbar ist und die verwertbaren Reste vermutlich dem eigenen Billigflieger Eurowings zuschlagen. Bleibt zu hoffen, dass von den 8500 Mitarbeitern, von denen die allermeisten am allerwenigsten an diesem unternehmerischen Desaster Schuld haben, möglichst viele in Lohn und Brot bleiben können. Dann hätten auch die 150 Millionen Staatsbürgschaft einen Sinn.                   

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