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Wirtschaft

Air Berlin: Eine Geschichte des Scheiterns

Die für einige Jahre nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluglinie Air Berlin ist insolvent. Seit Jahren macht das Unternehmen hauptsächlich negative Schlagzeilen - eine Chronik des Scheiterns.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin wird zerschlagen - knapp 40 Jahre nach ihrer Gründung. Dabei könnte die Lufthansa den Löwenanteil von Air Berlin bekommen. Mitte August hatte die Airline Insolvenz anmelden müssen, weil der Großaktionär Etihad den Geldhahn zugedreht hatte. Seitdem geht der Flugbetrieb nur dank eines Staatskredits weiter.

1978

Juli - Der US-Pilot Kim Lundgren gründet die Air Berlin Inc. als Charterfluggesellschaft.

1979

28. April - Erstflug von Berlin nach Palma de Mallorca

1991

Joachim Hunold und Kim Lundgren gründen die Air Berlin GmbH. Hunold kauft 82,5 Prozent der Geschäftsanteile. Die Airline startet mit zwei Flugzeugen und 150 Mitarbeitern.

1998

Air Berlin führt den Einzelplatzverkauf ein und startet den "Mallorca-Shuttle", der Einstieg in das Linienfluggeschäft.

2003

Air Berlin steigt zur zweitgrößten Fluggesellschaft in Deutschland nach Lufthansa auf, gemessen an der Passagierzahl.

2004

Air Berlin steigt bei der österreichischen Fluggesellschaft Niki ein.

2005

Die GmbH wird in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC) umgewandelt - in die Air Berlin PLC.

2006

11. Mai - Börsengang in Frankfurt

Air Berlin übernimmt die deutsche Fluggesellschaft dba.

2007

Air Berlin kauft die Fluggesellschaft LTU und übernimmt 49,9 Prozent an der Schweizer Fluggesellschaft Belair Airlines. Die Übernahme von Condor wird angekündigt, der Plan scheitert aber.

2008

Das erste von vielen Sparprogrammen wird aufgelegt. Ziel ist, die Flotte zu reduzieren und dba zu integrieren.

2011

Air Berlin kündigt ein weiteres Sparpaket an und reduziert die Flotte weiter.

1. September - Gründer und Chef Joachim Hunold übergibt seinen Posten an Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn.

19. Dezember - Etihad Airways kündigt an, ihren Anteil auf 29,2 Prozent zu erhöhen und wird damit größter Aktionär.

2013

7. Januar - Wolfgang Prock-Schauer wird neuer Konzernchef. Air Berlin legt erneut ein Spar- und Sanierungsprogramm vor.

2015

1. Februar - Stefan Pichler wird neuer Konzernchef.

2016

27. April - Air Berlin gibt für 2015 den Rekordverlust von 447 Millionen Euro bekannt.

Juli - Air Berlin besitzt keine eigenen Flugzeuge mehr, stattdessen werden diese komplett geleast

28. September - Air Berlin kündigt eine Radikalkur an: Die Flotte soll halbiert werden und 1200 der 8600 Arbeitsplätze wegfallen. Kernstück ist ein Deal mit der Lufthansa über die Vermietung von 38 Flugzeugen samt Crews. Gleichzeitig will sich Air Berlin künftig auf Geschäftskunden- und Langstreckenverbindung, etwa nach Nordamerika, konzentrieren.

5. Oktober - Air Berlin gibt bekannt, mit TUI über ein Bündnis im Touristikgeschäft zu verhandeln. Ziel der Gespräche sei die Einbringung des touristischen Flugbetriebs von Air Berlin und der in Hannover ansässigen Tuifly in einen neuen Airline-Verbund.

5. Dezember - Air Berlin gibt den Verkauf seiner Tochter Niki an Etihad Airways bekannt

2017

Februar - Der ehemalige Germanwings-Chef und Lufthansa-Manager Thomas Winkelmann löst Stefan Pichler an der Konzernspitze ab.

28. April - Air Berlin gibt für 2016 einen Rekordverlust von 782 Millionen Euro bekannt. Das Unternehmen betont aber, es habe genug Liquidität, um seine Restrukturierung fortzusetzen. Laut Geschäftsbericht stellt Etihad einen neuen Kredit von 350 Millionen Euro zur Verfügung und will den Berlinern in den nächsten 18 Monaten finanziell zur Seite stehen.

Frühjahr - Die Fluglinie kämpft mit operativen Problemen. Vor allem der Flugverkehr vom Flughafen Berlin-Tegel gerät aus dem Takt, die Folge sind Verspätungen und Flugausfälle.

8. Juni - Air Berlin stellt eine Anfrage auf Prüfung eines Bürgschaftsantrags  - der erste Schritt für Unterstützung vom Staat.

Die Gespräche mit TUI über die Bildung einer gemeinsamen Ferienfluggesellschaft aus Niki und TUIfly werden ergebnislos abgebrochen.

13. Juni - Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries nennt die Lage von Air Berlin prekär.

14. Juni - Air Berlin verspricht für 2018 auf operativer Ebene schwarze Zahlen. In den vergangenen neun Jahren flog Air Berlin nur einmal einen Konzernüberschuss ein.

20. Juni - Air Berlin will vorerst doch keine Staatsbürgschaften beantragen. Eine Absicherung von Krediten durch die öffentliche Hand sei nicht mehr nötig, erklärt Vorstandschef Winkelmann. Man habe zuletzt Fortschritte bei der Neuaufstellung des Unternehmens gemacht und etwa die Leasing-Kosten für gut ein Dutzend Flugzeuge gedrückt.

27. Juli - Etihad gibt wegen Abschreibungen auf Flugzeuge und Problemen bei seinen Partnern den ersten Verlust seit Anfang des Jahrzehnts bekannt.

15. August - Insolvenzantrag von Air Berlin. Der Flugbetrieb soll mit Hilfe eines Überbrückungskredits der Bundesregierung von über 150 Millionen Euro weitergeführt werden. Die Fluglinie soll in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter, saniert werden.

15. September - Interessenten geben Angebote für die ganze Air Berlin oder Teile davon ab.

21. September - Der Gläubigerausschuss entscheidet sich, exklusiv mit der Lufthansa und Easyjet bis zum 12. Oktober zu verhandeln. Den größten Teil soll Insidern zufolge die Lufthansa bekommen, darunter auch die österreichische Air Berlin-Tochter Niki.

 

dk/zdh (rtr)

 

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