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Wissen & Umwelt

AIDS-Forschung verliert renommierte Wissenschaftler

An Bord des abgeschossenen Flugzeugs MH17 waren mehrere Wissenschaftler und AIDS-Aktivisten. Sie waren auf dem Weg nach Melbourne, zur 20. Internationalen AIDS-Konferenz. Dort herrscht jetzt Entsetzen und Trauer.

Mehrere AIDS-Wissenschaftler und Aktivisten sind beim Absturz des Malaysia Airlines Flugzeugs ums Leben gekommen. Unter ihnen einer der renommiertesten HIV-Forscher, Professor Joep Lange aus den Niederlanden, Lucie van Mens und Martin de Schutter von AIDS Action Europe oder Glenn Thomas, einer der Sprecher der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Trotzdem findet die AIDS-Konferenz weitgehend wie geplant statt. Das gab die Internationale AIDS-Gesellschaft auf ihrer

Homepage

bekannt. Es soll die Möglichkeit geben, sich auszutauschen, um die Tragödie gemeinsam zu verarbeiten. Der Chef des UNAIDS-Programms, Michel Sidibé, schrieb auf Twitter, dass seine Gedanken und Gebete bei den Familien der Insassen von Flug MH17 seien, die tragischerweise ums Leben kamen.

Dass aber der Tod von Kollegen und Freunden die Konferenz überschatten wird und Vorträge, Arbeitsgruppen und Workshops in den Hintergrund treten werden, ist sicher. "Wir stehen hier alle unter Schock", sagt der Bonner AIDS-Forscher Jürgen Rockstroh, der schon in Melbourne ist und Joep Lange aus Amsterdam persönlich sehr gut kannte. Der weltweit bekannte Virus-Forscher war mit seiner Partnerin und Kollegin Jacqueline van Tongeren an Bord der abgestürzten Maschine. In Melbourne hätte der Vater von fünf Töchtern mehrere Vorträge halten sollen - unter anderem über HIV-Tests, die innerhalb weniger Minuten anzeigen können, ob ein Mensch positiv ist oder nicht.

Lange war vor allem im Bereich der medikamentösen AIDS-Therapie eine Koryphäe. Er setzte sich intensiv für Patienten in Afrika ein, die keinen Zugang zu wirksamen Medikamenten haben. So forderte er während des AIDS-Gipfels in Barcelona, 2002: "Wenn wir kalte Coca-Cola und Bier in die entlegensten Regionen Afrikas bringen können, sollte es nicht unmöglich sein, dasselbe mit Medikamenten zu tun." Dafür gründete Lange 2001 die Stiftung PharmAccess, die Patienten einen leichteren Zugang zu AIDS-Medikamenten verschafft.

Jenifer Watt, eine Delegierte in Melbourne, die eng mit Lange zusammengearbeitet hat, beschreibt ihn deswegen als "Vater der AIDS-Forschung in den Entwicklungsländern." Kurz nachdem Langes Tod bestätigt wurde, richteten Trauernde eine Kondolenz-Seite auf Facebook ein.

Die Präsidentin der Internationalen AIDS-Gesellschaft und Nobelpreisträgerin Françoise Barré-Sinoussi zeigte sich erschüttert. Ihre Stimme zitterte deutlich als sie Joep Lange als wundervollen Menschen beschrieb und klar machte, welch großer Verlust sein Tod für die AIDS-Community ist.

Der Tod der Kolleginnen und Kollegen wird die Konferenz in Melbourne verändern, meint auch der Bochumer HIV-Forscher Prof. Norbert Brockmeyer. Normalerweise gibt es bei AIDS-Konferenzen immer eine "fröhliche Grundstimmung", die jetzt ausbleiben wird. Trotzdem vermutet er, dass "nach einer Zeit der Lähmung" alle Konferenz-Teilnehmer im "Sinne und Geist der Verstorbenen" noch aktiver und stärker auf ihr gemeinsames Ziel hinarbeiten - nämlich bis 2030 HIV/AIDS weitestgehend eingedämmt zu haben.

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