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Hintergrund

Ahrwein ist nicht nur zum Trinken da

Das gewundene Ahrtal mit seinen Steilhängen ist besonders im Herbst Anziehungspunkt. Wenn sich das Laub nach der Weinlese bunt färbt kommen viele Touristen, um zu wandern und den Wein zu genießen.

In den Weinbergen an der Ahr, oberhalb von Walporzheim mit Blick auf Bad Neuenahr (Foto: DW)

In den Weinbergen an der Ahr

Die Wanderer auf dem Rotweinwanderweg sind besonders gut gelaunt und beschwingten Schrittes unterwegs. Denn mitten in den Weinbergen schenken die Winzer an provisorischen Ständen alte Bestände des Rebensaftes und frischen, spritzigen Traubenmost aus. Und wer kann daran schon vorbei gehen, ohne ein Glas zu trinken?

Irma Kreuzberg, Winzergattin, in der Wohn- und Gaststube der Straußwirtschaft Im Burggarten in Dernau an der Ahr (Foto: DW)

Irma Kreuzberg in der Wohn- und Gaststube "Im Burggarten"

Unten im Tal hat Irma Kreuzberg alle Hände voll zu tun. Die Winzergattin hat die eigenen Möbel des Erdgeschosses ihres 400 Jahre alten Hauses in Dernau ausgeräumt und Tische, Bänke und Stühle aufgestellt. Sie schält kiloweise Kartoffeln und rührt Kuchenteig an. Irma Kreuzberg ist Gastwirtin auf Zeit. Sie und ihr Mann Jupp betreiben eine Straußwirtschaft. Für vier Monate im Jahr haben sie eine Konzession, den eigenen Wein und kleine Speisen anzubieten.

Willkommen im Wohnzimmer der Winzer

Früher hießen solche saisonalen Gasthäuser "Kranzwirtschaft", die immer geöffnet hatten, wenn ein Kranz aus Reben am Eingang hing. In dem Innenhof fühlen sich die Gäste zwischen Olivenbäumen und Bananenstauden ans Mittelmeer versetzt. Um einen Platz in den gemütlichen Innenräumen zu bekommen, muss man vorher reservieren. Die Wände wurden aus Naturstein aufgeschichtet, der Fußboden wurde aus Schiefergestein gefertigt und der Kachelofen verströmt eine wohlige Wärme. Hier wohnt Irma Kreuzberg mit ihrer Familie acht Monate im Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jetzt lachen hier die Fremden, prosten sich zu und schauen der Gastgeberin beim Zubereiten der Speisen in der stilvoll eingerichteten blau-weißen Küche zu.

Die Kraft der Weinfarben erstrahlt auf Bildern

Christa Nelles, Künstlerin aus Heimersheim/ Ahr, malt mit Weintinte (Foto: DW)

Weinfarben-Künstlerin Christa Nelles

Ein paar Kilometer weiter, den Fluss Ahr abwärts, lebt und arbeitet Christa Nelles. Auch sie ist mit einem Winzer verheiratet. Auch sie erhält in diesem Herbst regelmäßig Besuch. Heute begutachtet sie einmal nicht Weinaromen oder den Abgang des Weines. Sie schwärmt von den Farbtönen, den unterschiedlichen Rot- und Grüntönen in den 2-Liter Flaschen, die sie am Fenster aufgestellt hat.

Grauburger und grüner Veltliner , Grundstoffe, die Christa Nelles zum Malen ihrer Bilder verwendet (Foto: DW)

Aus der Flasche fürs Bild: Grauburger und grüner Veltliner

Christa Nelles malt mit Wein. Überwiegend rote Sorten wie Grauburgunder verwendet die Künstlerin. "Ich habe meinen Mann letztes Jahr gefragt: hast du nicht einen ganz alten weißen Wein? Ich brauche auch Gold", lacht sie. Zwei Flaschen habe sie von ihrem Mann erhalten, dreißig Jahre gelagert. Mit denen lässt sich Gold aufs Bild zaubern. Vor sechs Jahren begann Christa Nelles, mit Weinfarben und unterschiedlichen Untergründen wie Holz, Pappe und Leinen zu experimentieren. Rotwein verhalte sich wie Blut, er werde mit der Zeit braun. Das sei ein Problem gewesen. Irgendwann habe sie ein Unbekannter angesprochen und ihr Weintinte angeboten. Wie eine Dokumententinte sei diese lichtfest und resistent gegen Sonneneinstrahlung.

Mit Rotweintinte und Blattgold gemaltes Bild von Christa Nelles, vom Weingut Nelles in Heimersheim an der Ahr (Foto: DW)

Rotweintinte und Blattgold auf Weinfilterstoff

Christa Nelles verwendet noch andere Materialien, die vom Weingut ihres Mannes stammen wie Filterschichten. Das sind eigentlich Abfallprodukte, die nicht erwünschte trübende Stoffe und Hefen aufnehmen, bei der Abfüllung des Weines vom Fass in Flaschen. Die Bilder stellt Christa Nelles in den Räumen des Gutes aus, dass 1479 gegründet wurde. Das Leben auf dem Weingut habe sie beflügelt, sich auf ihre Art mit dem Wein auseinanderzusetzen. "So können wir uns ergänzen, mein Mann und ich", freut sich die Weinliebhaberin.

Vom Gesundheitswert der Vinotherapie

Auch Erika Siegmund nutzt den Ahrwein - als Wellnessgrundstoff. Die Leiterin der Physikalischen Therapie-Abteilung ist als anerkannte Wein- und Wohlfühlexpertin in der Therme "Ahr-Resort" in Bad Neuenahr von der Wirkung des Weines für Haut, Organe und Seele überzeugt.

Erika Siegmund, Leiterin der Physiotherapie im Ahr-Resort in Bad Neuenahr, bei der Massage (Foto: DW)

Erika Siegmund empfiehlt Rotwein für Haut und Seele

Mit leichtem Druck und kreisenden Bewegungen trägt sie Traubenkernöl bei einer Massage auf die Haut auf. "Das regt die Durchblutung an und wirkt straffend", verrät die Expertin. Beim Vinobad werden dem Thermalwasser Rotwein und Sahne als Emulgator zugesetzt.

Zum krönenden Abschluss kann sich der Gast noch mit warmem Rotweintrester einreiben lassen, Fruchtresten, die beim Pressen der Trauben übrig bleiben. Den Extrakten des Weines sagen Experten gesundheitsfördernde Wirkung nach. Sie sollen Krebs entgegen wirken, den Blutdruck senken und Gefäßverkrampfungen und Stress vorbeugen.

"Alle Substanzen, die wir verwenden, außer den ätherischen Ölen, kommen aus der Ahrregion", erklärt Erika Siegmund sichtlich stolz. Die Aromamassagen wirkten sich nachhaltig auf das körperliche Wohlbefinden aus. Die Duftöle gelangen über die Haut auf die Blut- und Lymphbahnen. Es gibt also viele Arten, den Wein von der Ahr zu genießen.

Autorin: Karin Jäger
Redaktion: Nils Naumann

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