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Nahost

Ahmadinedschads "Geschenk an das britische Volk"

Der Iran hat überraschend und ohne Vorbedingungen die Freilassung der seit knapp zwei Wochen festgehaltenen britischen Soldaten angekündigt. Sie werden am Donnerstag (5.4.) das Land verlassen.

Die britischen Soldaten winken nach ihrem Treffen mit Präsident Ahmadinedschad in die Kamera

Die britischen Soldaten nach ihrem Treffen mit Präsident Ahmadinedschad

Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad auf einer Pressekonferenz in Teheran

Gut gelaunt: Ahmadinedschad verkündet 'Ostergeschenk'

Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte am Mittwoch, er habe die Soldaten begnadigt, dies sei "ein Geschenk an das britische Volk" aus Anlass des Geburtstags von Prophet Mohammed und aufgrund des Osterfestes. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens sollten die Briten das Land am Donnerstag verlassen. Die Regierung in London reagierte erleichtert auf die Ankündigung. "Wir begrüßen, was der Präsident über die Freilassung unserer 15-köpfigen Besatzung gesagt hat", sagte eine Sprecherin von Premierminister Tony Blair.

Auch die USA begrüßten den iranischen Schritt. Für die EU-Ratspräsidentschaft äußerte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Hoffnung, dass der Ankündigung schnellstmöglich Folge geleistet werde. "Ich freue mich in erster Linie mit den Seeleuten", sagte er in Berlin.

Ahmadinedschad warf der Regierung in London auf einer Pressekonferenz zwar vor, für das Eingeständnis ihres Fehlers nicht mutig genug gewesen zu sein. Er verlangte aber keine Gegenleistung für den iranischen Schritt und schloss einen Zusammenhang mit anderen Konflikten aus. "Sie wurden begnadigt", erklärte Ahmadinedschad.

Feier im Präsidentenpalast

HMS Cornwall

Auf der HMS Cornwall waren die 15 britische Soldaten stationiert

Im Anschluss an die Pressekonferenz fand eine kleine Zeremonie im Präsidentenpalast statt. Bei der Feier im Präsidentenpalast begrüßte Ahmadinedschad die Briten persönlich und führte in offensichtlich gelockerter Atmosphäre Gespräche mit ihnen. Er wünschte ihnen viel Glück und scherzte über einen Zwangsurlaub der Soldaten. Die Marineangehörigen trugen zivile Anzüge. Die einzige Frau in der Gruppe, Faye Turney, erschien mit einem blauen Kopftuch.

Die Regierung in Teheran wirft den Briten vor, auf einer Patrouillenfahrt am 23. März irakisches Gewässer verlassen und in iranisches Hoheitsgebiet eingedrungen zu sein. Großbritannien hat dies bestritten. Seit Anfang der Woche bemühten sich allerdings beide Seiten darum, einen gemäßigten Ton anzuschlagen und damit den Weg zu einer Lösung zu ebnen.

Die internationale Erleichterung über den glimpflichen Ausgang der Krise war als erstes an den Finanzmärkten abzulesen: Öl- und Goldpreis gaben deutlich nach. Iran ist der viertgrößte Ölexporteur, so dass politische Spannungen mit dem Golfstaat immer Angst vor Versorgungsengpässen auslösen.

Positive Signale und Drohungen

Ahmadinedschad verteilt Orden an die Revolutionsgarden

Ahmadinedschad verteilt Orden an die Revolutionsgarden

Zuvor hatte Ahmadinedschad die Offiziere der Revolutionsgarden mit einem Orden ausgezeichnet, die die Briten festgenommen hatten. Sie hätten die Grenzen des Landes verteidigt und der Nation damit einen großen Dienst erwiesen, erklärte der konservative Präsidenten, der seit seiner Wahl vor eineinhalb Jahren eine harte Haltung gegenüber dem Westen einnimmt.

Mit Blick auf die Lösung der Soldaten-Krise forderte Ahmadinedschad US-Präsident George W. Bush und seine Regierung auf, ihrerseits ihr Verhalten zu ändern. Wenn dies geschehe, werde der Iran seine Beziehungen zu der Großmacht überdenken, sagte er. Denkbar sei eine Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu den USA. Ahmadinedschad nutzte seine mehr als einstündige Pressekonferenz zudem erneut für Drohungen im Atomkonflikt: Wenn die internationale Gemeinschaft mit ihren Sanktionen "Teile unserer Wirtschaft stören, wie die Banken, dann werden wir dort oder an anderen Stellen zurückschlagen", erklärte er.

Der UN-Sicherheitsrat hatte seine Strafmaßnahmen gegen die Regierung in Teheran am Tag nach der Festnahme der britischen Soldaten verschärft. Wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs hatte der Schlag der Revolutionsgarden nicht zuletzt als Signal des Irans gegolten, sich im Atomstreit nicht unter Druck setzen zu lassen. Die Islamische Republik steht im Verdacht, unter dem Deckmantel ihres zivilen Atomprogramms an Atomwaffen zu arbeiten. Die Regierung in Teheran hat dies mehrfach zurückgewiesen. (wga)

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