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Bildung

Afrikas Geschichte soll neu erzählt werden

Afrikanische Schüler und Studenten lernen oft kaum etwas über die Geschichte ihres eigenen Heimatlandes. Experten wollen, dass sich das ändert - und fordern neue Konzepte zur Geschichtsvermittlung in Afrika.

Simbabwische Touristen gehen zwischen den Mauern von Groß-Simbabwe spazieren.

Die Ruinenstadt Groß-Simbabwe gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe

Das Königreich Mali, die Haussa-Staaten in Nigeria, alte Festungsanlagen in Simbabwe: Über frühe Epochen der afrikanischen Geschichte gäbe es viel zu erzählen. Doch auf den Lehrplänen afrikanischer Schulen komme die Geschichte des Kontinents meist zu kurz, sagt Edward Kirumira. Einen Grund dafür sieht der Ugander, der die humanwissenschaftliche Fakultät an der renommierten Makerere-Universität leitet, in der höheren Bildung. "Sehen Sie sich afrikanische Universitäten heute an: Die Geschichtsinstitute sind dort oft am schlechtesten aufgestellt." Daher lernen dann angehende Lehrer die Geschichte ihres Heimatlandes mitunter gar nicht erst richtig kennen.

Frustration auch bei dem kamerunischen Autor und Historiker Enoh Meyomesse: Geschichte sei ein perfektes Mittel der staatlichen Propaganda, sagt er. Doch wenn der Geschichtsunterricht nur der Festigung der alternden Eliten diene, senke das die Motivation der jungen Generation, sich mit geschichtlichen Themen auseinanderzusetzen. Genug Diskussionsstoff gab es also bei der Podiumsdiskussion, die die Deutsche Welle und die Gerda Henkel Stiftung im Rahmen des Global Media Forums in Bonn veranstalteten. Das Ziel: Neue Perspektiven zu ergründen, wie die Geschichte des afrikanischen Kontinents erforscht und vermittelt werden kann.

Kaum Zugriff auf Kolonial-Archive

Das Erbe der Kolonialzeit ist für afrikanische Historiker noch immer deutlich spürbar: Viele der Berichte und Dokumente, auf die sie zurückgreifen können, haben einst die Kolonialmächte und Missionsgesellschaften angelegt. Sie reflektieren - mal mehr, mal weniger deutlich - die Meinung der einstigen Machthaber. Und: Sie lagern in Archiven in Europa und Nordamerika. Für Afrikaner sind sie kaum zugänglich.

Edward Kirumira und Ndinda Kioko bei einer Podiumsdiskussion der DW (DW/P. Böll)

Edward Kirumira und Ndinda Kioko machen sich für Afrikas Geschichte stark.

"Kein Wunder, dass viele der besten Bücher über Afrika im Westen geschrieben werden", sagt Meyomesse. Wer diese Quellen einsehen wolle, müsse sich zunächst mit Reisekosten und Visaanfragen herumschlagen - und stehe dann vor neuen Hindernissen: Viele Dokumente seien als geheim gekennzeichnet. Wenn überhaupt Einsicht gewährt werde, dann erst nach Jahren des Wartens und Verhandelns.

Neue Quellen einbeziehen

Wie also können afrikanische Wissenschaftler neue Wege finden, um Geschichte zu erforschen? Für die kenianische Bloggerin und Filmemacherin Ndinda Kioko ist die Sache klar: Den Bibliotheken und Datenbanken im Westen gelte es andere Arten von Archiven entgegenzusetzen. Archive, die meist verkannt würden. So könne eine Erforschung der Musik afrikanischer Länder ganz neue Perspektiven auf die Geschichte eröffnen. Und auch die Betrachtung traditioneller Stoffe wie der Khangas in Kenia und Tansania sei bisweilen aufschlussreich.

Für Ndinda Kioko geht es nicht nur darum, der kolonialen Geschichtsschreibung etwas entgegenzustellen. Es geht auch darum, den männlich dominierten Blick auf Geschichte aufzubrechen: Die Khanga-Stoffe der Suaheli-Region an der ostafrikanischen Küste sind mit Versen bedruckt. Die Wahl des richtigen Stoffes war für Frauen in einer männlich dominierten Kultur ein Mittel, sich auszudrücken, was ihnen im politischen Diskurs sonst weitgehend verwehrt blieb. Ähnliches galt für die Taarab-Musik, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Küstenregion verbreitete.

Bild eines afrikanischen Khangas,

Ndinda Kioko will, dass auch Khangas in die Erforschung der afrikanischen Geschichte aufgenommen werden.

Junge Menschen ansprechen

Das sind neue Ansätze, die Edward Kirumira von der Universität Makerere begrüßt. Geschichte müsse aber nicht nur anders erforscht, sondern auch anders vermittelt werden: "Historiker mögen in der Lage sein, Aspekte der Geschichte einzuordnen. Doch was hilft es, wenn sie es nicht schaffen, diese interessant rüberzubringen?" Der Akademiker forderte, auch Künstler müssten eine Chance bekommen, zur Vermittlung von Geschichte beizutragen.

Ein Ansatz, den sich die Deutsche Welle zu Herzen nimmt: Das Podium auf dem Global Media Forum bildete den Auftakt für das Projekt "African Roots", das sich mit der Vermittlung afrikanischer Geschichte befasst. Kern des Projekts ist eine Reihe von Porträts historischer Figuren im Radio - und als Webvideos im Comic-Stil. Mit dabei ist auch ein Team nigerianischer Comiczeichner.

Die Resonanz war groß. Viele Teilnehmer im Saal und auf Facebook schalteten sich in die Debatte ein. Der Dialog mit Wissenschaftlern soll im Rahmen des Projektes fortgeführt werden.

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