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Aktuell Afrika

Afrikanische Einsatztruppe gegen Boko Haram

Der Tschad sendet Soldaten in seine Nachbarländer Nigeria und Kamerun, um deren Kampf gegen Boko Haram zu unterstützen. Auch andere westafrikanische Staaten wollen nun offenbar ein Bündnis gegen die Islamisten schmieden.

Soldaten aus Kamerun (Foto: AFP)

Kameruns Militär bekommt Hilfe gegen Boko Haram aus dem Nachbarland Tschad

Die Entscheidung in der Nationalversammlung des Tschad fiel einstimmig. Alle Abgeordneten stimmten für den Vorschlag von Präsident Idriss Déby, Soldaten nach Nigeria und Kamerun zu schicken, um dort die Islamistengruppe Boko Haram zu bekämpfen. Präsident Déby kündigte an, die Stadt Baga, die auf der nigerianischen Seite des Tschad-Sees liegt, aus der Hand der Islamisten zurückerobern zu wollen.

Zusammenarbeit von Kamerun und Tschad

Kamerun begrüßte die Pläne seines Nachbarlandes. In einer Mitteilung des Kommunikationsministerium hieß es: "Der Präsident des Tschad hat beschlossen, ein starkes Kontingent an Streitkräften zu entsenden, das die kamerunische Armee unterstützen soll."

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten hatte sich intensiviert, nachdem nigerianische Boko Haram-Kämpfer zuletzt immer häufiger den Tschadsee als Ausgangspunkt für ihre Angriffe auf Dörfer in Kamerun benutzt hatten. Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet, sind bereits Militärfahrzeuge aus dem Tschad in Richtung Kamerun unterwegs.

Multinationale Truppe gegen Boko Haram

Und nicht nur der Tschad, sondern auch andere Staaten Westafrikas scheinen den Kampf gegen den Terror der Boko Haram nun zur Chefsache zu erklären. So kündigte Ghanas Präsident John Mahama für kommende Woche ein Treffen mehrerer westafrikanischer Staatschefs an. Man überlege, eine multinationale Kampftruppe zu gründen, um die Islamisten zu bekämpfen. "

Wir können den Terrorismus nicht alleine besiegen", so Mahama auf einer Pressekonferenz. Man müsse gemeinsam vorgehen, Informationen und Strategien austauschen und Kräfte bündeln, um Afrika vom Terror zu befreien, sagte der ghanaische Präsident, der auch der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS vorsteht.

Boko Haram kämpft seit rund sechs Jahren für die Errichtung eines islamischen Gottesstaats im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Zuletzt hatte die Miliz ihre Angriffe auch auf den äußerten Norden Kameruns ausgeweitet. Der Tschad blieb bislang verschont. Seine Hauptstadt N'Djamena ist jedoch nur durch einen schmalen Landstreifen, der zu Kamerun gehört, vom Norden Nigerias getrennt.

Augenzeugin: Hunderte Frauen und Kinder als Geiseln

Mittlerweile wurde bekannt, dass die Boko Haram-Kämpfer bei ihrem brutalen Angriff auf die nordnigerianische Stadt Baga Anfang Januar offenbar Hunderte Frauen und Kinder in ihre Gewalt brachten. Eine Augenzeugin sagte der Nachrichtenagentur AFP, in einer Schule in Baga würden mehr als 500 Frauen und Hunderte Kinder festgehalten.

Karte Nigerias Nachbarn (Foto: DW)

Nigeria leidet am meisten unter dem Terror der Boko Haram. Aber auch die Nachbarländer sind betroffen.

Bereits am Donnerstag hatte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International Amnesty unter Berufung auf eine Augenzeugin von etwa 300 gefangenen Frauen berichtet. Außerdem veröffentlichte die Organisation einen Bericht und Satellitenbilder, die die Boko-Haram-Attacke auf Baga und umliegende Ortschaften am 3. Januar dokumentieren. Amnesty sprach von der bislang "größten und zerstörerischsten Attacke" der Islamisten. US-Außenminister John Kerry und der französische Präsident François Hollande warfen Boko Haram "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" vor. Durch den Terror der Islamistengruppe wurden bereits mehr als 13.000 Menschen getötet und 1,5 Millionen weitere vertrieben.

cw/haz (afp, rtr, dpa)