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Aktuell Afrika

Hunderte Tote bei Boko Haram-Massaker

Der Boko Haram-Großangriff auf das nordnigerianische Baga war laut Amnesty International der bislang blutigste Anschlag der Terroristen. Hunderte Menschen wurden grausam getötet, tausende Gebäude zerstört.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) veröffentlichte hochauflösende Satellitenbilder von Baga und umliegenden Ortschaften vor und nach den Attacken (Artikelbild). Laut Amnesty zeigen die Bilder der Region, dass ganze Ortschaften vollständig zerstört wurden. "Häuser, Schulen und Krankenhäuser wurden niedergebrannt", sagte Daniel Eyre, Nigeria-Experte von Amnesty.

Von Amnesty veröffentlichtes Satellitenbild zur Zerstörung durch Boko Haram in Nigeria

... derselbe Bildausschnitt vor der Zerstörung - mit Infrarot eingefärbt, die noch nicht niedergebrannte Vegetation

Nach Schätzungen von AI wurden bei dem Großangriff, den die Terrorgruppe am 3. Januar im Norden Nigerias startete, mehr als 3700 Gebäude komplett zerstört oder beschädigt. Eyre sprach von dem bisher größten und zerstörerischsten Angriff von Boko Haram. Die Stadt Baga hätten die Terroristen in eine einzige Trümmerwüste verwandelt.

Unvorstellbare Brutalität

Bei dem Boko Haram-Angriff sind nach neuen Analysen von Amnesty International "Hunderte" Menschen von den Dschihadisten massakriert worden. Der AI-Experte Eyre sagte dem britischen Sender BBC, er rechne damit, dass die Zahl der Opfer in Baga und Umgebung die des bislang größten Massakers der Terrormiliz mit 600 Toten noch übertreffe. Die Einschätzungen von Amnesty fußten auf Aussagen von Überlebenden in Nigeria und im benachbarten Tschad sowie auf der Auswertung der Satellitenaufnahmen. Die nigerianische Regierung sprach hingegen von rund 150 Getöteten.

Beobachter gehen davon aus, dass die wahre Opferzahl wohl nie ermittelt wird, da Baga abgeschottet ist und seit vergangenem Samstag komplett unter der Kontrolle der Extremisten steht.

Inzwischen wurden grauenhafte Details des mehrtägigen Angriffs bekannt. Die Boko-Haram-Kämpfer hätten unter anderem eine Schwangere während der Entbindung erschossen, erklärte die Menschenrechtsorganisation unter Berufung auf einen Augenzeugen. Auch seien viele Kinder von den Kämpfern getötet worden. Nach Berichten von Überlebenden hätten Boko Haram-Kämpfer Fliehenden aufgelauert, um sie gezielt zu erschießen.

Kriegsverbrechen

Die vorsätzlichen Tötungen von Zivilisten und die Zerstörung ihres Eigentums seien "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und verlangen eine Untersuchung", erklärte Amnesty.

Am Dienstag hatte der Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen die Angriffe verurteilt. Auch wenn Einzelheiten noch unklar seien, habe sich in Baga ohne Zweifel ein Massaker und eine Massenvertreibung ereignet, erklärte eine Sprecherin von UN-Hochkommissar Prinz Said Raad al-Hussein in Genf. Es handle sich um "heimtückische, skrupellose Attacken gegen Zivilisten" in Widerspruch zu internationalem Recht.

Die sektenartige islamistische Terrorgruppe Boko Haram kämpft seit Jahren im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias für einen islamischen Staat. Der Großangriff auf Baga galt offenbar zivilen Selbstverteidigungsmilizen, die das Militär im Kampf gegen die Gruppe unterstützen.

qu/gmf (afp, dpa, kna, APE)