Afghanistan prangert Pakistan als Terrorhelfer an | Asien | DW | 01.02.2018
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Asien

Afghanistan prangert Pakistan als Terrorhelfer an

Afghanistan will Beweise besitzen, nach denen die jüngste Anschlagswelle in Kabul maßgeblich von Pakistan aus gesteuert worden sein soll. In Kabul demonstrierten Afghanen gegen das Nachbarland.

„Nieder mit Pakistan", „Nieder mit den Taliban", „Nieder mit dem IS". Immer wieder ertönten diese Rufe aus der Menge von Menschen, die sich am Donnerstag (01.02.) in Kabul der Demonstration gegen die pakistanische Regierung anschlossen. Dutzende Menschen versammelten sich vor der pakistanischen Botschaft und hielten afghanische Flaggen und Protestbanner hoch. Ihre Wut richtete sich auf das Nachbarland, das sie für die jüngste Gewalt in Afghanistan verantwortlich machen.

„Ich als afghanische Bürgerin bin heute hierher gekommen, um meine Stimme des Hasses gegen unseren Nachbarn Pakistan zu erheben", sagt eine der Demonstrantinnen laut. Ihren Namen will sie nicht nennen. Sie ist sichtlich aufgeregt. "Wir sind müde davon, dass in ganz Afghanistan jeden Tag Menschen getötet werden. Wir sind müde von der täglich steigenden Zahl unserer gefallenen Soldaten im Krieg. Wir sagen ‚Nieder mit Pakistan‘, das die Taliban und die Terroristen beherbergt", sagt die junge Frau aufgebracht.

Die Zahl der Demonstranten war niedriger als erwartet. Aus Angst vor Selbstmordanschlägen blieben viele Menschen zu Hause. Roshan Ghaznawi, eine weitere Demonstrantin, erinnert an die Zeiten des Bürgerkriegs und die Rolle Pakistans. Während des Bürgerkriegs standen viele der beteiligen Parteien auf der Gehaltsliste Islamabads und hatten ihre Basen in Pakistan. „Die ganze Welt kennt die wahren Absichten Pakistans", so Ghaznawi gegenüber der DW. „Sie wollen die Zeiten des Bürgerkriegs wieder heraufbeschwören, als sie es geschafft hatten, uns Afghanen gegeneinander aufzuwiegeln. Aber sie sollen wissen, dass diese Zeiten vorbei sind. Wir lassen uns nicht von unserer Regierung isolieren und wir stehen gemeinsam für den Frieden", sagt sie aufgeregt.

Afghanische Delegation reist nach Islamabad

Tag der Trauer nach Taliban-Anschlag in Kabul Afghanistan (picture-alliance/dpa/R. Gul)

Afghanen trauern um die Opfer eines Anschlags im Januar 2018, bei dem mindestens 95 Menschen ums Leben kamen

Auslöser für die Demonstrationen sind die jüngsten Anschläge in Kabul und in weiteren Provinzen in Afghanistan. Ihren Höhepunkt nahm die Gewalt Ende Januar, als die Taliban einen Anschlag vor dem afghanischen Innenministerium ausübten. Mindestens 103 Menschen starben. Hunderte Menschen wurden verletzt. Die afghanische Regierung macht Pakistan für die verheerenden Anschläge verantwortlich. Mit angeblichen Beweisdokumenten im Gepäck reiste deshalb am Mittwoch (31.01) eine afghanische Delegation nach Islamabad, um die pakistanische Regierung aufzufordern, Terrorstützpunkte in Pakistan aufzuspüren und unschädlich zu machen. „Wir haben den pakistanischen Kollegen unsere Dokumente übergeben, die belegen, wo die Attentäter trainiert wurden und woher die Planung der Angriffe kam", so der afghanische Innenminister Wais Ahmad Barmak. In den nächsten Wochen soll eine pakistanische Delegation nach Kabul kommen, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.

Aufgeheizte Stimmung gegen Pakistan

Innenminister Barmak und sein Geheimdienstchef hätten jedoch wenig überzeugend gewirkt, meint Yunus Fakoor, afghanischer Sicherheitsexperte aus Kabul. Er ist der Ansicht, dass die Reise nach Pakistan keine weiteren Konsequenzen nach sich ziehen werde. Es sei nicht das erste Mal, dass Afghanistan mit derartigen Forderungen und Informationen nach Pakistan gereist ist. „Solche Forderungen haben in der Vergangenheit keine Lösung gebracht und werden auch in der Zukunft keine bringen", so Fakoor. „Die afghanische Regierung steht unter starkem Druck zu handeln. Die Bevölkerung ist wütend und erwartet eine Reaktion. Aus diesem Grund hat die Regierung eine Delegation nach Pakistan geschickt". Laut Fakoor ein unnützes Unterfangen. Er sieht keine guten Aussichten auf eine baldige Verbesserung der afghanisch-pakistanischen Beziehungen. „Seit dem Sturz der Taliban 2001 waren die Beziehungen zwischen beiden Ländern noch nie so schlecht wie heute", betont er.

Für die Afghanen ist das Fass übergelaufen. Die Mehrheit ist wütend auf die Unfähigkeit der eigenen Regierung und die fehlende Kooperation des Nachbarlands. „Jahrelang hat Kabul versucht, mit Islamabad und den Taliban Frieden zu schließen", sagt Ahmad Shah Stanekzai, der als Aktivist in Kabul arbeitet. „Aber diese Bemühungen haben zu nichts geführt. Nun müssen jegliche Beziehungen mit Pakistan abgebrochen werden. Jeden Tag sehen wir, wie Männer, Frauen und Kinder in unseren Moscheen, Schulen und auf der Straße getötet werden. Es reicht!"

Unter Mitarbeit von DW-Korrespondent Hussain Sirat aus Kabul.

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