Taliban-Terror als Reaktion auf US-Strategie | Asien | DW | 29.01.2018
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Afghanistan

Taliban-Terror als Reaktion auf US-Strategie

Wie ist die jüngste blutige Anschlagsserie in Kabul zu erklären? Beobachter sehen darin eine Reaktion auf die härtere US-Gangart in Afghanistan. 130 Menschen kamen allein in der letzten Woche ums Leben.

Drei Anschläge islamistischer Extremisten haben Kabul in den vergangenen acht Tagen getroffen, mit mehr als 130 Toten und über 200 Verletzten. Es handelte sich um den Angriff auf das Intercontinental Hotel am 21.01.2018, einen Selbstmordanschlag vor dem Innenministerium genau eine Woche später und einen Anschlag nahe einer Militärakademie zwei Tage danach. Weitere Anschläge wurden am Mittwoch in Dschalalabad auf die Hilfsorganisation "Save the Children" und im südlichen Kandahar am Freitag verübt. Laut offiziellen Angaben starben dabei sieben Menschen.

Der afghanische Sicherheitsexperte Ex-Brigadegeneral Mohammad sieht die Terrorwelle als Antwort auf die militärische Offensive der USA unter anderem in den Provinzen Helmand, Nangarhar und Kundus. Arif sagte der DW: "Normalerweise beginnen die Taliban ihre Offensive immer nach dem Winter (als Frühjahrsoffensive), aber nun haben sie offensichtlich ihre Angriffe als Antwort auf die neue Afghanistan-Strategie der USA vorverlegt. Damit wollen sie zeigen, dass sie noch lange nicht besiegt sind."

Afghanistan Anschlag in Jalalabad (Reuters/Parwiz)

Anschlag auf die humanitäre NGO Save the Children in der Provinz Nangarhar

US-Druck auf Pakistan wirkungslos?

Anders als in den vergangenen Jahren haben die USA zusammen mit den afghanischen Sicherheitskräften ihre Offensive bereits im Winter begonnen. Dies als Teil der neuen US-Strategie in Afghanistan, die US-Präsident Donald Trump im August 2017 vorgestellt hatte. Darin bekräftigte er, dass er die Zahl der US-Soldaten steigern würde, die die afghanischen Sicherheitskräfte unterstützen, und die so lange im Land präsent bleiben würden, bis sie nicht mehr benötigt würden. Gleichzeitig machte er Pakistan als Hauptgrund für den fehlenden Fortschritt im Krieg in Afghanistan verantwortlich. Um seinen Worten Gewicht zu verleihen, fror Trump zudem die finanzielle Unterstützung für Pakistan ein. Sein erklärtes Ziel ist es, Druck auf Pakistan auszuüben, bis es die Rückzugsorte für die Taliban und andere aufständische Gruppen schließt.

In einer Pressekonferenz am Montag wies allerdings der afghanische Präsident Ashraf Ghani indirekt Pakistan die Verantwortung für die jüngste Anschlagsserie zu. "(Die Taliban) haben auf Wunsch ihrer Meister ohne Zögern die Verantwortung übernommen, womit diese Meister klar gemacht haben, dass sie sich dem Druck von außen nicht beugen werden", so Ghani.

Afghanistan Besuch Joko Widodo, Präsident Indonesien (Bey Machmudin)

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Hoffnung auf Frieden schwindet

Auch Afghanistan-Expertin Nicole Birtsch hält es nicht für ausgeschlossen, dass die Angriffe der letzten Tage auch eine Reaktion auf die Luftschläge und Operationen sind, die das US-Militär zusammen mit den afghanischen Sicherheitskräften gegen die Taliban durchführt. Sie hält im übrigen die US-Strategie der Druckausübung auf Pakistan für fragwürdig. Eine Gesprächssituation auf Augenhöhe zwischen den USA, Afghanistan und Pakistan werde dadurch nicht erzeugt.

Für die nahe Zukunft sieht Nicole Birtsch vorerst keine guten Aussichten. Sie vermutet, dass die nächsten Wochen weiterhin von steigender Gewalt geprägt sein werden: "Ich befürchte, dass die Menschen vor allem in Kabul aufgrund der Gewalt mehr und mehr die Hoffnung auf eine stabilere Zukunft verlieren und eher überleben als leben."

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