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Wirtschaft

Abschied vom Millionenziel

Eine Million Elektroautos sollen in sieben Jahren auf deutschen Straßen fahren, so der Plan der Bundesregierung. Doch schon jetzt gilt es als fast sicher, dass das Ziel verfehlt wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, mehrere Bundesminister und Top-Manager der Autoindustrie sind Gäste eines zweitägigen Elektroauto-Gipfels am Montag (27.05.2013) und Dienstag in Berlin. Sie wollen sich über den aktuellen Stand der Zukunftstechnologie informieren. Bislang halten sich die Kunden stark zurück: Von rund 43 Millionen Personenkraftwagen auf deutschen Straßen sind gerade einmal 7000 Elektroautos.

Den deutschen Umweltminister Peter Altmaier (CDU) hält das nicht davon ab, an das große Ziel zu glauben: eine Million Elektrofahrzeuge im Jahr 2020. "Wir müssen die Fahrzeugflotten von Unternehmen in den Fokus nehmen", so Altmaier kürzlich bei der Vorstellung eines Projekts der Deutschen Post, die bis Ende des Jahres 79 Lieferwagen mit Elektroantrieb einsetzen wird.

"Die Elektroautos in Deutschland sind ganz überwiegend in Flotten, bei Unternehmen oder in Carsharing-Projekten unterwegs", sagt Stefan Bratzel, Direktor des Center for Automotive Management, einem Forschungsinstitut in Bergisch-Gladbach. "Nur ein geringer Anteil davon ist bisher bei Privatkunden gelandet."

Japan und Korea führen

Für normale Kunden sind Elektroautos noch immer mit vielen Nachteilen verbunden: Die Reichweite ist beschränkt, es gibt nur rund 2000 öffentliche Ladestationen im Land, und nicht jeder kann sein Fahrzeug in der eigenen Garage aufladen.

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Kaum Fortschritte bei Elektromobilität

Hinzu kommt der hohe Preis, ein Elektroauto kostet rund 50 Prozent mehr als ein vergleichbares Auto mit Verbrennungsmotor, so Bratzel im DW-Gespräch. "Das will kaum jemand bezahlen. Diese Preisdifferenz muss in den nächsten Jahren geschlossen werden."

"Dass heute nicht mehr Autos verkauft werden, liegt auch daran, dass es noch kein breites und überzeugendes Angebot gibt", sagt selbst Ulrich Eichhorn, der beim Verband der Automobilindustrie die Geschäfte führt. "Doch das wird sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern", so Eichhorn zur Deutschen Welle. "Bis Ende 2014 wird es ein Angebot von 16 Fahrzeugen deutscher Hersteller geben, dazu eine ganze Reihe von Elektroautos ausländischer Hersteller."

Technologisch sind noch immer die japanischen Hersteller führend, gefolgt von Südkorea, so eine neue Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der Forschungsgesellschaft Kraftfahrwesen. Demnach wird auch die weitere Entwicklung der Batterietechnik fast ausschließlich aus diesen beiden Ländern kommen, Deutschland werde hier nur eine äußerst geringe Rolle spielen, so die Studie.

"Das sehe ich ganz ähnlich", sagt Stefan Bratzel vom Autoinstitut. "Japan und Korea haben bei Batterien einen jahrelangen Vorsprung, auch durch die dortige Konsumgüter- und Elektroindustrie."

Früher Handy, heute E-Mobil

Bis Batterien leistungsfähiger und günstiger werden, seien reine Elektroautos für Privatleute allenfalls als Zweitwagen interessant, so Bratzel. Dagegen will der Automobilverband VDA mit einer neuen Studie belegen, dass Elektroautos nicht nur für Botendienste und Firmenflotten wirtschaftlich sinnvoll sind, sondern auch für Pendler.

Die Front des BMW i8, ein Plug-In-Hybridsportwagen, am Mittwoch (26.10.2011) zum Richtfest einer neuen Produktionshalle in Leipzig. Der Autobauer BMW erweitert sein Werk in Leipzig. Von 2013 an sollen hier Elektroautos mit Carbonfaser-Karosserie montiert werden. Der Konzern investiert das Werk 400 Millionen Euro und schafft neue 800 Arbeitsplätze. In Leipzig entsteht damit das weltweit erste Carbon-Presswerk. Im bestehenden Werk werden mehrere BMW 1er-Modelle und der kleine Geländewagen BMW X1 produziert. Foto: Peter Endig dpa/lsn +++(c) dpa - Bildfunk+++

BMW will den Elektro-Sportwagen i8 Anfang 2014 auf den Markt bringen

Die noch geringe Verbreitung von Elektroautos bedeute jedenfalls nicht, dass die Technologie keine Zukunft habe, glaubt Industrievertreter Eichhorn. "Wenn jemand Anfang der 1980er Jahre geschaut hätte, wie viele Mobiltelefone es gibt, dann wäre er auch nicht drauf gekommen, dass heute jeder ein Handy hat."

Ziel nicht haltbar

In Deutschland werden bis 2015 rund 700 Millionen Euro an Steuermitteln für die Förderung der Elektromobilität ausgegeben. Das Geld fließt vor allem in die Forschung und in regionale Modellprojekte, außerdem gibt es Steuernachlässe für Elektroautos. Einige Staaten, darunter Frankreich und die skandinavischen Länder, versuchen, den Absatz von Elektroautos durch Kaufprämien anzukurbeln.

Angesichts der überschuldeten öffentlichen Haushalte sei das ein fragwürdiges Konzept, so Bratzel vom Autoinstitut. "Außerdem hat diese Methode in den meisten Ländern nicht dazu geführt, dass Elektromobilität eine größere Verbreitung gefunden hat."

Die deutsche Autoindustrie hält ebenfalls nichts von Kaufprämien - vielleicht auch, weil deutsche Hersteller bisher weniger Elektromodelle anbieten als ausländische. "Man muss dafür sorgen, dass das Produkt überzeugend wird, dann verkauft es sich auch ohne Prämie", sagt VDA-Mann Eichhorn.

In Japan fuhren im vergangenen Jahr rund 24.000 Elektroautos auf den Straßen, verglichen mit rund 7000 in Deutschland. Doch der Anteil der E-Autos an den gesamten Neuzulassungen liegt auch in Japan nur im Promillebereich.

Das Ziel, in Deutschland eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße zu haben, ist bis 2020 wahrscheinlich nicht zu erreichen. Selbst der Automobilverband VDA rechnet bis dahin nur mit 600.000 E-Autos, unveränderte Rahmenbedingungen vorausgesetzt.

Wann genau das Millionenziel erreicht werde, sei aber gar nicht so wichtig, glaubt Stefan Bratzel vom Autoinstitut. Schließlich seien nationale Ziele für international operierende Hersteller nur von begrenzter Bedeutung. "Erst wenn die Absatzzahlen global stimmen, wird sich Elektromobilität wirklich durchsetzen."

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