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Wirtschaft

Deutschlands Marathon zum E-Auto

Eine Million Elektroautos sollen nach dem Willen der Bundesregierung bis 2020 auf deutschen Straßen rollen. Doch das Ziel scheint reichlich hochgesteckt. Jetzt wird eben anders gezählt.

Es war Anfang Mai 2010, als die Bundeskanzlerin den symbolischen Startschuss für die "Nationale Plattform Elektromobilität" (NPE) gab. Medienwirksam stand Angela Merkel damals mit Ministern ihres Kabinetts, mit Vertretern der Industrie, der Forschung und der Wissenschaft auf einer Bühne und drückte auf einer dort aufgestellten Ladestation für Elektroautos einen Knopf. Eine Million Elektroautos, so hieß es damals, würden 2020 in Deutschland unterwegs sein. Eine Zielmarke, die so inzwischen auch die Kanzlerin nicht mehr halten will.

Mindestens 600.000 seien zu schaffen, sagte Merkel nach einem Spitzentreffen mit der NPE am Montag (01.10.12) in Berlin. "Am Rest werden wir arbeiten." Im Moment sei noch nicht absehbar, wie sich die steuerlichen Anreize auswirken würden. Es gebe auch noch zu wenige E-Auto-Modelle am Markt und man müsse abwarten, wie der Ausbau der Infrastruktur vonstattengehe.

Der Praesident des Verbands der Automobilindustrie, Matthias Wissmann (v (Foto vom 01.10.12).l.), der Praesident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (acatech), Henning Kagermann, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sitzen am Montag (01.10.12) im Kanzleramt in Berlin waehrend einer Pressekonferenz im Anschluss an ein Spitzengespraech zur Elektromobilitaet auf dem Podium. Foto: dapd

Nach dem Treffen im Kanzleramt: VDA-Chef Wissmann, NPE-Chef Kagermann und Kanzlerin Merkel vor der Presse

E-Auto ist nicht gleich E-Auto

Der Hype sei abgeklungen, räumt auch der Vorsitzende der NPE, Henning Kagermann, ein. "Wir haben immer gesagt, dass das ein Marathonlauf ist und da sollte man nicht nach den ersten hundert Metern anfangen, über Seitenstiche zu klagen." Deutschland arbeite technologieoffen und er habe für die NPE noch einmal klargestellt, dass mit den anvisierten eine Million Elektrofahrzeugen nicht nur rein batterieelektrische Fahrzeuge gemeint seien. "Wir haben auch schon vor gut einem Jahr gesagt, dass natürlich die Plug-In-, die Hybrid-Fahrzeuge und die Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerung dazugehören."

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Debatte um Zukunft des Elektroautos

Tatsächlich will auch die Bundeskanzlerin ihre Visionen inzwischen nicht mehr so ganz puristisch interpretiert sehen. "Alles, was mehrheitlich dem Batteriebereich zuzuordnen ist und noch Untermengen von Benzinansätzen hat, das wird auf die Seite der Elektromobilität gerechnet", so erklärt sie nun. "Alles, was schon Anteile von Elektromobilität hat und mehrheitlich noch mit Benzin angetrieben wird, das wird zu der anderen Kategorie gezählt." Es werde "auf Jahre und Jahrzehnte viele Varianten am Markt" geben und keiner könne heute wissen, wo sich das einspiele.

Kritiker, wie Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), haben da allerdings schon ihre Vermutungen. "In der letzten Zeit wurde immer schon angenommen, dass von den eine Million Elektrofahrzeugen, die 2020 auf der Straße sein sollen und vielleicht auch 2023 auf der Straße sein werden, dass davon 85 bis 90 Prozent Plug-In-Hybride sein werden und nicht rein batterieelektrische Autos."

Dieter Zetsche (l), Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und Jürgen Grossmann, Ex-Vorstandschef von RWE stehen an einer RWE- Stromladestation, an der ein E-smart aufgeladen wird. (Foto:dpa)+

Sieht sich mit dem E-Smart ganz vorne dabei: Daimler-Chef Zetsche (li.)

Es fehlt die Infrastruktur

Doch warum geht die Entwicklungsstrategie nicht auf? Immerhin sind bislang rund 700 Millionen Euro an Subventionen geflossen, bis 2013 soll eine weitere Milliarde Euro dazu kommen. 180 Millionen Euro Fördergelder gibt die Bundesregierung auch für die vier sogenannten Schaufensterregionen in Niedersachsen, Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg und Bayern/Sachsen aus, wo umfangreiche Tests mit einigen Hundert Fahrzeugen laufen. Sie sollen Erkenntnisse für den Start der Massenproduktion liefern, den die deutschen Hersteller ab 2017 planen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche weiß aber jetzt schon, was noch fehlt. "Wenn man bei dem Ziel bleiben will, eine Million Fahrzeuge bis 2020 zu erreichen, dann wird man an den Randbedingungen noch mehr tun müssen." Ein wichtiges Thema sei die Infrastruktur. Man müsse die Fahrzeuge laden können und das nicht nur Zuhause an der Steckdose in der Garage. Vergünstigungen beim Parken oder ähnliche Dinge wären auch zu nennen. "Es geht nicht nur um Geld, aber wahrscheinlich wäre letztendlich auch ein Kaufanreiz ein Thema, das den Absatz weiter fördern könnte", so Zetsche.

Bundesregierung lehnt Kaufprämien ab

Staatlich finanzierte Kaufprämien für Elektroautos werden beispielsweise in Frankreich und den USA gezahlt. Bis zu 7000 Euro kann ein Franzose kassieren, wenn er auf den Batterieantrieb umsteigt. In Deutschland wird es so schnell allerdings keine Prämien geben, wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer deutlich macht. "Die Erfahrungen in anderen Ländern sind nicht gerade so, dass wir ohne sorgfältige Prüfung zusätzliches Geld in die Hand nehmen sollten."

In Frankreich sei der Anteil französischer Fabrikate seit 2009 zurückgegangen, stattdessen hätten VW, Mercedes und BMW ihre Anteile steigern können. "Wir können ja auch nicht aufsplitten, dass es Kaufprämien nur für deutsche und nicht für ausländische Hersteller gibt", rechtfertigt sich Ramsauer.

Statt Kaufprämien zu zahlen, will die Bundesregierung Elektroautos steuerlich bevorteilen. Weitere Vergünstigungen sind erst einmal nicht geplant. Die Bundeskanzlerin meint aber einschränkend, dass alles von der Entwicklung der nächsten Jahre abhänge. Im Moment, so sagt sie, werde erst einmal der Garten umgegraben und es werde eingesät. Was zu tun sei, "um die Pflänzchen so hoch zu bekommen, wie wir uns das gewünscht haben", das müsse man einfach mal sehen.

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