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Kultur

Abreiten und Wegfliegen

Wassersportler sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Inzwischen fliegen sie auch mal durch die Luft. "Kite-Surfer" rasen über die Meere. Gefährlich ist das schon.

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Von Hawaii nach IJmuiden

Seit jeher ist jungen Männern langweilig. Irgendetwas scheint zu fehlen. Wagemut und Nervenkitzel vielleicht. Irgendetwas auf das man mit Stolz zurückblicken kann, später wenn man sowieso alt ist. So wie der Surfkurs an der Adria 1982, der mit dem braungebrannten Lehrer, verdammt hohen Wellen und Lagerfeuerromatik am letzten Abend.

20 Meter hoch, 120 Meter weit

In 20 Jahren werden Christoph und Nils wahrscheinlich ans "Kite-Surfen" zurückdenken. Denn im Moment ist "Kite-Surfen" der definitive Sport – schnell, spektakulär und manchmal mächtig gefährlich. "Kite-Surfen" bedeutet eine Art Lenkdrachen am Himmel und eine Art Surfbrett unter den Füssen zu haben. Und dann? Dann rast man mit gut 40 Stundenkilometern über's Wasser, fliegt mitunter 20 Meter hoch und bis zu 120 Meter weit – dreht unterdessen nach Lust und Laune den Körper.

Kite-Surfing

Kite-Surfer in Aktion

"Ultimativer Funsport des neuen Milleniums" nennen das Trendforscher. "Flugsport", sagt Claus Baalmann vom Verband deutscher Windsurfing und Wassersport Schulen (vdws). "Heftig" finden Christoph und Nils den Boomsport, der 1998 von Hawaii nach Deutschland schwappte. Die Mitzwanziger aus Düsseldorf und Paderborn haben vor ein paar Jahren das "Kiten" entdeckt, als neue Alternative zum Snowboarden, Skateboardfahren oder Surfen.

A3 Richtung Amsterdam

Ihr privates Eldorado liegt im niederländischen IJmuiden, 20 Kilometer westlich von Amsterdam. Zwei Stunden fährt man von Düsseldorf aus – immer auf der A3 und später Richtung Harlem. Auf dem Dachgepäckträger klemmen die Boards, im Auto liegen Segel, Trapeze, Schlafsäcke und Neoprenanzüge. Um die 1300 Euro kostet eine komplette Ausrüstung. Natürlich könnte man die Boards auch noch mit auf die Rückbank quetschen. Da wollen die Herren aber später nächtigen: "Für's Wochenende oder ein paar Tage ist das doch perfekt."

Kite Surfing

Kite-Surfer am Strand

In IJmuiden gibt es eine handvoll Supermärkte, einen breiten Strand und meistens Wind. Manchmal scheint auch die Sonne, aber einen "Kite" kann man schließlich auch bei leichtem Regen starten. Die Wassertemperatur beträgt zwölf Grad, und draußen auf dem Meer übt sich die internationale Horde junger "Kiter" aus den Niederlanden, aus Belgien und Deutschland im "Wellen abreiten". "Unglaublich viel Kraft steckt da drin, nicht ganz ungefährlich das Ganze", sagt Christoph.

Da sind genug Idioten

Spektakuläre Unfälle und der Tod der Profi-Kiterin Silke Gorldt im vergangenen Sommer haben bei den meisten Kitern ein neues Sicherheitsbewusstsein geweckt. 5000 Kiter absolvieren inzwischen pro Jahr Kurse des vdws, um eine "International Kitesurfin Licence" und damit das nötige Know-How zu erlangen. "Diesen Befähigungsschein kann man an über 400 Surf-Schulen in 33 Ländern machen", sagt Geschäftsführer Baalmann im Gespräch mit DW-WORLD.

Einen Befähigungsschein haben Christoph und Nils nicht. Denn der ist mit Kosten für einen Kurs verbunden und auch nicht amtlich anerkannt. Geübt haben sie aber erstmal an Land. "Du musst unbedingt immer wissen wo dein Kite gerade fliegt. Da sind genug Idioten die nicht nur sich, sondern auch alle anderen gefährden." Die beiden werden noch bis zum Abend im Wasser bleiben, ein bisschen Wellenreiten und in spätestens 20 Jahren ihre Kindern mit persönlichen Heldenepen langweilen.

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