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Aktuell Nahost

55 Tote bei Doppelanschlag in Damaskus

Bei den blutigsten Anschlägen in Damaskus seit Beginn des Aufstandes gegen das Assad-Regime sind 55 Menschen getötet und Hunderte verletzt worden. Die internationale Gemeinschaft rief erneut zum Ende der Gewalt auf.

Nach Angaben des syrischen Innenministeriums wurden nach dem Anschlag 55 Leichen geborgen. Die Zahl der Verletzten bezifferte das Ministerium mit 372. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Die Bomben explodierten während des morgendlichen Berufsverkehrs auf einer Schnellstraße im Süden der syrischen Hauptstadt.

Betroffen waren vor allem Menschen auf dem Weg zur Arbeit und zur Schule. Laut dem syrischen Staatsfernsehen handelte es sich um Selbstmordanschläge mit Autobomben. Die Sprengladungen hätten eine Sprengkraft von "mehr als tausend Kilogramm“ gehabt, hieß es.

Foltergefängnis als Ziel vermutet

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Schwere Bombenanschläge in Damaskus

In unmittelbarer Nähe der Anschlagsorte befindet sich ein Gebäude des Militär-Geheimdienstes. Das sogenannte Palästina-Verhörzentrum ist eine der am meisten gefürchteten Einrichtungen des Sicherheitsapparates des Regimes von Präsident Baschar al-Assad. Viele politische Gefangene sollen dort gefoltert worden sein. Nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte war dieses das Ziel der Anschläge. Der Militär-Geheimdienst geht seit Monaten gegen die Protestbewegung im Land vor.

Die syrische Führung macht nicht näher bezeichnete Terroristen für die Anschläge verantwortlich. Die Opposition hingegen beschuldigt die Regierung: "Wir glauben, dass das Regime diese Taktik anwendet, um die internationalen Beobachter loszuwerden", so ein Mitglied des oppositionellen Syrischen Nationalrats.

Nationalrat fordert "internationale Intervention“

Der Leiter der UN-Beobachtermission, Robert Mood, besuchte den Ort der Explosion. Er bezeichnete den Anschlag als “konkretes Beispiel“ für die Gewalt, die die Menschen in Syrien täglich zu ertragen hätten. Das Staatsfernsehen zeigte vom Anschlagsort Bilder von verkohlten Leichen inmitten zerstörter Autos. Die Bomben hinterließen einen drei Meter großen Krater in der Straße.

In den vergangen Tagen hat unter anderem UN-Generalsekretär Ban Ki Moon von der Gefahr eines ausgewachsenen Bürgerkriegs gewarnt. Inzwischen sei der Waffenstillstand aber schlicht gescheitert, sagte Samir Naschar vom oppositionellen Syrischen Nationalrat der Nachrichtenagentur Reuters und forderte eine "internationale Intervention, um diese Politik des Todes zu stoppen“. Welche Form eine Intervention nehmen sollte, sagte Naschar allerdings nicht. Das Syrische Observatorium für Menschenrechte sprach von 849 Toten seit der Ausrufung des Waffenstillstandes vor rund einem Monat, davon 628 Zivilisten.

EU: Anschläge sind "reiner Terrorismus"

Ban und der Syrien-Sondergesandte der UN und der Arabischen Liga, Kofi Annan, verurteilten den Doppelanschlag und riefen erneut auf, die Gewalt zu beenden. "Das syrische Volk hat bereits genug gelitten", hieß es in einer Erklärung.

Krater nach einer Explosion einer Autobombe in Damaskus (Foto: Reuters)

Die Sprengladungen hatten eine Sprengkraft von mehr als tausend Kilogramm.

Auch die US-Regierung und die Europäische Union verurteilten die Anschläge und forderten das Assad-Regime auf, dem Friedensplan der UN zuzustimmen. Ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton, bezeichnete die Anschläge als "reinen Terrorismus“. Ähnlich äußerte sich Bundesaußenminister Guido Westerwelle. "Wir appellieren an alle Seiten, endlich die Waffen schweigen zu lassen, Kampfhandlungen einzustellen (und) den Terror zu unterlassen“, sagte der FDP-Politiker. Frankreich sprach von der letzten Chance, die Krise zu beenden.

Der Waffenstillstand in Syrien ist offiziell seit dem 12. April in Kraft. Trotzdem ist es seither immer wieder zu Gewalt von beiden Seiten gekommen. Die Protestbewegung gegen Präsident Assad hat sich seit ihren Anfängen im März 2011 zunehmend militarisiert und radikalisiert. Experten befürchten, dass die Bewegung von Extremisten des Terrornetzwerkes Al-Kaida unterwandert wird.

GD/qu (afp, rtr, dpa)

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