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Aktuell Nahost

500.000 Iraker auf der Flucht

Die islamistische Terrorgruppe ISIS setzt ihren Vormarsch im Norden des Iraks fort. In den umkämpften Gebieten fliehen die Menschen aus ihren Häusern. Der Regierung in Bagdad bleibt nur die Zuschauerrolle.

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Zur Lage im Irak: Miodrag Soric für die DW aus Washington

Nach der Eroberung der Millionenstadt Mossul und der umliegenden Provinz Ninive nehmen die radikalen Dschihadisten weitere Städte ins Visier. Aber auch in Mossul geht der Kampf weiter. Nach türkischen Regierungsangaben haben dschihadistische Kämpfer das Konsulat der Türkei in der nordirakischen Stadt gestürmt und dabei 48 Menschen als Geiseln genommen. Unter ihnen seien der türkische Konsul, Angehörige einer Spezialeinheit, Konsulatsangestellte und mehrere Kinder, sagte ein türkischer Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Die irakische Polizei hatte zuvor von etwa zwei Dutzend Geiseln gesprochen.

Nach Polizeiangaben nahmen die Rebellen inzwischen auch die zentralirakische Stadt Tikrit ein. "Ganz Tikrit ist den Händen der Kämpfer", sagte ein Polizeioberst in der Hauptstadt der Provinz Salaheddin. Dabei sollen von den Kämpfern auch hunderte Gefängnisinsassen befreit worden sein.

Aus der Stadt Baidische berichten irakische Sicherheitskräfte, dass Kämpfer der ISIS die Polizeistation und das Gerichtsgebäude in Brand gesetzt haben. Dabei seien auch Waffen beschlagnahmt worden. In der Industriestadt befinden sich die größte Ölraffinerie des Landes und ein wichtiges Kraftwerk. Den rund 250 Wachmännern der Raffinerie wurde offenbar freies Geleit versprochen. Ob die Rebellen die Anlage bereits unter Kontrolle haben, ist allerdings noch unklar.

Internationale Helfer gehen davon aus, dass seit den ersten Kämpfen um Mossul vor vier Tagen mittlerweile 500.000 Menschen auf der Flucht sind. Viele hätten ihre Wohnhäuser aus Angst vor gewalttätigen Übergriffen verlassen, berichtet die Internationale Organisation für Migration (IOM) am Mittwoch in Genf. In Mossul selbst kann das größte Klinikgebäude offenbar nicht genutzt werden, weil es in einem umkämpften Gebiet liegt. Wie die IOM berichtet, seien deshalb mehrere Moscheen zu Krankenstationen umfunktioniert worden.

Regierung verliert Kontrolle über die Stadt

Die irakische Regierung hat mittlerweile zugegeben, die Kontrolle über Mossul verloren zu haben. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, die Stadt sei der Gnade der Kämpfer ausgeliefert. Der irakische Außenminister Hoschjar Sebari bezeichnete die ISIS als "ernste und tödliche Bedrohung" für sein Land. Gleichzeitig kündigte er eine enge Kooperation Bagdads mit der Regionalregierung in Kurdistan an, um die Islamisten gemeinsam aus der Region zu vertreiben.

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat im Irak und Syrien" (ISIS) verfolgt eine ähnliche Ideologie wie das Netzwerk Al-Kaida. Bereits seit Januar halten ISIS-Kämpfer die Stadt Falludscha, außerdem kontrollieren sie Teile der Provinz Anbar westlich von Bagdad. Ziel der Gruppe ist es, die von ihr beherrschten Gebiete in Syrien und dem Irak zu verbinden und dort einen fundamentalistischen Gottesstaat zu errichten.

djo/pg (dpa, AFP, Reuters)

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