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Deutschland

50 Jahre Stiftung Warentest

Sie soll ein Wegweiser sein im Warenwunderland: die Stiftung Warentest. Seit 50 Jahren vertrauen viele Deutsche auf das Urteil der Produkt-Tester. Zuletzt hat jedoch ein Schokoladen-Skandal den Ruf ramponiert.

"Acht Millionen Hausfrauen haben den Kochlöffel aus der Hand gelegt und auf elektrisch umgeschaltet." Mit diesen Worten beginnt im Jahr 1966 der groß angelegte Stabmixer-Report der Stiftung Warentest. Im Test: zehn Quirls, darunter der "Super-Robot" und der "Küchenmaxl". Leider finden die Prüfer bei allen Geräten Mängel.

Heute rühren in Deutschland auch Millionen Männer in Kochtopf und Teigschüssel. "Super-Robot" und "Küchenmaxl" sind längst nicht mehr im Handel verfügbar. Die Stiftung Warentest jedoch prüft immer noch. Rund 100.000 Produkte hat die Stiftung seit ihrer Gründung am 4.12.1964 getestet. Die Prüfer schalteten elektrische Zahnbürsten tausendfach ein- und aus, bestrahlten Wanderschuhe mit Wasserdampf oder rollten schwere Walzen über Matratzen.

Stiftung Warentest erstes Heft

Nähmaschinen und Stabmixer waren Testobjekt im ersten Heft

Verwirrende Vielfalt

Mit den Ergebnissen dieser Produkt-Tests habe man in den vergangenen 50 Jahren den Verbrauchern in Deutschland Orientierung gegeben, sagt Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus. Angesichts eines unüberschaubareren Warenangebots sei dies immer wichtiger geworden. "Wir haben auch sehr stark zur Verbesserung dieser Produkte beigetragen", so Primus gegenüber der DW. "Wenn Sie sich anschauen, welche deutschen Produkte heute einen Ruf von Weltrang haben: zum Beispiel Energie- und Wasser sparende Waschmaschinen. Das haben wir gefördert: wir haben immer den neuesten Stand der Technik getestet und viele Anbieter haben sich daran orientiert."

Als "verwirrend" groß bezeichnete das "Test"-Magazin der Stiftung schon 1966 das Angebot von zehn verschiedenen Stabmixern. Das so genannte Wirtschaftswunder hatte den Deutschen Wohlstand beschert.

Stiftung Warentest

1964: Bundeswirtschaftsminister Kurt Schmücker mit der Gründungsurkunde

Nach den kargen Nachkriegsjahren waren die Regale wieder voller Waren, in den Schaufenstern lag die Verlockung. Und über allem strahlte die Leuchtreklame. "Die Bundesregierung hält es für erforderlich, das Preisbewusstsein der Verbraucher zu stärken", hatte Bundeskanzler Adenauer deshalb 1962 im Deutschen Bundestag erklärt. Der Wettbewerb müsse gestärkt werden, dazu werde man eine "Körperschaft für neutrale Warenteste" einrichten.

Vorbild USA

Zwei Jahre später gründet Wirtschaftsminister Kurt Schmücker die Stiftung Warentest als selbständige Institution, unterstützt mit Geld vom Staat. "Es war von Anfang an aber auch vorgesehen, dass die Stiftung unternehmerisch auftritt", sagt Vorstand Primus. "Das müssen wir auch. Wir müssen relevant sein, es müssen vernünftige Tests veröffentlicht werden." Heute erwirtschafte man rund 85 % des Haushalts durch eigene Einnahmen. Haupteinnahmequelle der Stiftung Warentest ist dabei der Verkauf der Test-Hefte, rund fünf Millionen Euro jährlich zahlt der Bund.

Vorbild für die Stiftung sei die amerikanische "Consumers Union" gewesen, die schon in den 1930er Jahren Produkttests veröffentlichte, so Primus.

Stiftung Warentest

Dieses Schlauchboot hat den Test nicht bestanden

Heute gebe es auch in Holland, Portugal und anderen europäischen Ländern ähnliche Organisationen. In kaum einem anderen Land aber haben sich die Warentester so viel Einfluss erarbeitet wie in Deutschland. Jahrzehntelang vertrauten die Deutschen auf die Tests, bei vielen Produkten führte das Testurteil "sehr gut" zum Verkaufserfolg. "Wenn wir das Produkt eines kleinen oder mittelständischen Unternehmens dagegen als "mangelhaft" bewerten, dann kann das an die Existenz des Unternehmens gehen", so Primus. "Das haben wir schon im Blick."

Skandal um Schokolade

Dieser großen Verantwortung werde die Stiftung nicht immer gerecht, sagen dagegen Kritiker. "Die Stiftung Warentest kommt mit den heutigen Herausforderungen nicht zurecht", meint etwa Michael Braungart, Chemiker und Gründer des Hamburger Umweltinstituts. "Sie ist verstaubt und in die Jahre gekommen. Sie müsste reformiert werden", so Braungart weiter. So nutze die Stiftung Warentest etwa die Möglichkeiten des Internets nicht aus. "Die Kunden müssten auf einem Portal Vorschläge für neue Tests machen können." Außerdem müsse die Stiftung Warentests ihre Testverfahren im Internet komplett darlegen. "Im Moment ist es eher so, dass sie nach willkürlichen Auswahlkriterien ihre Tests zusammenstellt", so Braungart. Und weil die Stiftung auf Einnahmen aus ihren Test-Zeitschriften angewiesen sei, sorge sie künstlich für Skandale.

Dabei landet die Stiftung Warentest immer wieder vor Gericht. Zuletzt verschaffte das Testurteil "mangelhaft" für eine Nussschokolade den Juristen Arbeit. Die Schokoladen-Firma Ritter Sport hatte gegen die Stiftung Warentest geklagt.

Ritter Sport Schokolade

Mangelhafter Test? Die Schokolade sorgte für Streit

Deren Tester wollten nämlich einen künstlichen Aromastoff in den Nuss-Tafeln gefunden haben - obwohl "natürliches Aroma" draufsteht. Die Richter entschieden für Ritter Sport; die Herkunft des Aromastoffs konnte nicht abschließend geklärt werden. Warentest-Chef Primus sagt, man habe aus dem Urteil für die Zukunft gelernt, "dass wir noch genauer unsere Kriterien offenlegen, noch genauer erklären, was wir warum bewerten."

Und die Vielzahl an Produktbewertungen, die Nutzer mittlerweile ins Internet stellen? Nein, sie machten die Stiftung Warentest nicht überflüssig: "Wir sehen das als Ansporn", sagt Primus. Nicht Interessen-gesteuerte Information sei so nötig wie eh und je. Einer der Stabmixer, der 1966 besonders gut bewertet wurde, wird heute übrigens immer noch in ähnlicher Form produziert. Ganz falsch können die Quirl-Tester von damals also nicht gelegen haben.

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