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Terror in der Türkei

39 Tote bei Angriff auf Nachtclub in Istanbul

Ein Mann schoss in einem der größten Nachtclubs im Zentrum der türkischen Großstadt um sich. Unter den Toten sind mindestens 15 Ausländer. Die Regierung spricht von einem Terroranschlag.

Nach einem blutigen Jahr 2016 ist die Türkei in der Neujahrsnacht erneut von einem schweren Anschlag erschüttert worden. Bei einem bewaffneten Angriff auf einen Nachtclub in Istanbul wurden mindestens 39 Menschen getötet und fast 70 weitere verletzt, wie Innenminister Süleyman Soylu mitteilte. Unter den Toten bei der Silvesterparty im berühmten Nachtclub "Reina" direkt am Ufer des Bosporus waren demnach auch mindestens 15 Ausländer.

Nach Angaben des Istanbuler Gouverneurs Vasip Sahin erschoss mindestens ein Angreifer am frühen Sonntagmorgen gegen 01.15 Uhr einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang des Nachtclubs, bevor er im Innern wahllos um sich schoss. Der Attentäter habe "auf die brutalste und gnadenloseste Weise auf unschuldige Menschen gezielt, die nur hergekommen waren, um Silvester zu feiern und Spaß zu haben", sagte Sahin.

Ministerpräsident Binali Yildirm dementierte Berichte, wonach der Angreifer ein Weihnachtsmannkostüm getragen haben soll. Solche Aussagen seien falsch, sagte Yildirim in Istanbul. "Wir wissen von einem bewaffneten Terroristen." 

Rund 700 Club-Gäste zum Zeitpunkt des Überfalls

Der Angreifer war zunächst flüchtig. Nach dem "Terroristen" werde in einer großangelegten Suchaktion gefahndet, sagte Soylu. Er werde hoffentlich "bald gefasst". Die Nachrichtenagentur Dogan berichtete von zwei Angreifern in Weihnachtsmannkostümen, dafür gab es zunächst jedoch keine Bestätigung. Dogan zufolge feierten und tanzten zum Zeitpunkt des Angriffs rund 700 Menschen in dem berühmten Nachtclub am Ufer des Bosporus. Augenzeugen berichteten demnach, die Angreifer hätten Arabisch gesprochen. Gouverneur Sahin sprach am Anschlagsort von einem "Terroranschlag". Zunächst bekannte sich jedoch niemand dazu.

Türkei Istanbul - Nachtclub Reina (picture-alliance/R. Hackenberg)

Eine angesagte Adresse in Istanbul: Der Club "Reina"

Polizisten riegelten den Tatort ab. Zu sehen waren Partygäste, Männer in Anzügen und Frauen in Cocktailkleidern, die im Schockzustand den Nachtclub verließen. Dem Nachrichtensender NTV zufolge sprangen während des Angriffs mehrere Menschen in Panik in den Bosporus, um sich in Sicherheit zu bringen. Der Club "Reina" im Viertel Ortaköy ist eine der vornehmsten Adressen in der Metropole und bei der Istanbuler Oberschicht sehr beliebt. Er liegt direkt am Ufer des Bosporus im Norden der Istanbuler Innenstadt, auf der europäischen Seite der Metropole. Nur wenige hundert Meter weiter hatten die offiziellen Silvesterfeierlichkeiten der Stadt stattgefunden.

Terror-Jahr auch in der Türkei 

Die deutsche Botschaft, die US-Botschaft und andere ausländische Vertretungen hatten vor Silvester zu besonderer Wachsamkeit während der Neujahrsfeiern aufgerufen. Das Auswärtige Amt in Berlin empfahl Reisenden in Istanbul nach dem Anschlag, vorerst in ihren Hotels und Unterkünften zu bleiben und die weitere Entwicklung in den Medien und den eigenen Sicherheitshinweisen zu verfolgen.

Die Türkei wird seit mehr als einem Jahr immer wieder von Anschlägen erschüttert, für die militante Kurden und die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich gemacht werden. Erst am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in der Türkei, Andrej Karlow, von einem türkischen Polizisten erschossen. Zwei Tage vorher wurden bei einem Anschlag 14 Soldaten getötet und 56 weitere Menschen verletzt. Zu dem Anschlag bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK), eine radikale Splittergruppe der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Am 10. Dezember wurden bei einem Doppelanschlag auf Polizisten nach einem Spiel des Fußballvereins Besiktas Istanbul 44 Menschen getötet. Auch zu dieser Tat bekannten sich die Freiheitsfalken. Im Juni wurden bei einem Selbstmordattentat im Istanbuler Atatürk-Flughafen 47 Menschen getötet, im August riss ein Selbstmordattentäter bei einer kurdischen Hochzeitsfeier in Gaziantep fast 60 Menschen mit in den Tod.

sti/hk (afp. dpa, rtr)

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