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Wirtschaft

2014 - Jahr des Aufschwungs in Deutschland?

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal so stark gewachsen wie seit drei Jahren nicht mehr. Alle Zeichen stehen auf Erholung - wären da nicht die Krise in der Ukraine und die schwächelnde Eurozone.

Ein Plus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal - so stark ist die deutsche Wirtschaft seit drei Jahren nicht mehr gewachsen. Und nicht nur das: Die Beschäftigung hat in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen, der private Konsum zieht an, und nach einer großen Zurückhaltung im vergangenen Jahr investieren deutsche Unternehmen wieder mehr.

"Wenn sich eine derartige Eigendynamik entwickelt hat, können wir für dieses Jahr konjunkturell sehr zuversichtlich sein", sagt Rolf Schneider, Konjunktur-Experte der Allianz. Für das Gesamtjahr 2014 geht er von einem Wirtschaftswachstum 2,0 Prozent aus - vielleicht sogar noch mehr. Zum Vergleich: 2013 wuchs die deutsche Wirtschaft nur um 0,4 Prozent.

Feuer in Kramatorsk Foto: Scott Olson/Getty Images

Größtes Risiko für die Wirtschaft: die Krise in der Ukraine

In Euphorie sollte man angesichts des guten Starts ins neue Jahr allerdings nicht verfallen: Die Zahlen im ersten Quartal sind stark vom vergleichsweise milden Winter begünstigt worden. Gerade beim Bau hat es weniger Ausfälle gegeben, als das sonst der Fall ist. "Deswegen sollte man da sicherlich 0,3 oder 0,4 Prozentpunkte von abziehen, sodass man dann bei einem Wachstumstempo von etwa einem halben Prozent ist", folgert Ralph Solveen, Konjunktur-Experte bei der Commerzbank. In Jahren mit kalten Wintern belebt der Bau in der Regel die Konjunktur erst im zweiten Quartal. Da wird das Wachstum nun wahrscheinlich schwächer ausfallen.

Gefahren durch Ukraine-Krise und starken Euro

Auch wenn Konsumenten und Investoren wegen niedriger Inflationsraten und rückläufiger Arbeitslosigkeit guter Dinge sind: Gesichert sind die

guten Wachstumsprognosen

noch lange nicht - es lauern zahlreiche Gefahren: "Das politische Risiko, das von der Ukraine-Krise ausgeht, ist das höchste Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung", so Allianz-Volkswirt Schneider. Denn wenn sich der Konflikt weiter zuspitzt und es zu wirtschaftlichen Sanktionen gegenüber Russland kommen sollte, würde das auch Deutschland treffen. Im Januar und Februar dieses Jahres sind die

deutschen Exporte nach Russland

bereits um 16 Prozent eingebrochen, die in die Ukraine um rund 20 Prozent.

Hinzu kommt: Der Wert des Euros steigt und steigt. Für Deutschland ist das zu verkraften, aber den

europäischen Krisenländern

macht der gestiegene Kurs schwer zu schaffen, denn der Höhenflug des Euro bedroht ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit. Das wiederum gefährdet auch die deutsche Wirtschaft: Rund 40 Prozent der deutschen Exporte gehen in Länder der Währungsunion.

Kaum Wachstum in Europa

In den meisten Euro-Ländern bleibt der Aufschwung bislang verhalten: In Portugal und Zypern schrumpfte die Wirtschaftsleistung in den ersten drei Monaten dieses Jahres um 0,7 Prozent, in Italien um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. In Frankreich, der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, stagnierte die Wirtschaft.

Konjunktur-Experte Schneider ist dennoch optimistisch: "In den letzten Monaten hat sich die Konjunktur in den europäischen Nachbarländern in der Tendenz stabilisiert, auch wenn das erste Quartal etwas enttäuschend ist." In der Tendenz nehme die Nachfrage aus südeuropäischen Ländern wieder zu - das sei auch ein positives Zeichen für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Für ein nachhaltiges Wachstum in Deutschland sei es entscheidend, dass die Investitionsbedingungen gut bleiben, so Schneider. Wenn die Produktionskapazitäten im Inland weiter ausgebaut und gefördert werden, dann könnte 2014 - aller Risiken zum Trotz - ein erfolgreiches Jahr werden.

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