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Sport

2. WM-Tag: Powerfrauen holen doppeltes Silber

Nadine Kleinert (Kugelstoßen) und Jennifer Oeser (Siebenkampf) holen Silber und lassen sich feiern, ehe Sprinter Bolt alle in den Schatten stellt und über die 100 Meter einen Fabel-Weltrekord läuft.

Kugelstoßerin Nadine Kleinert (Quelle: dpa)

Freude nach dem Silberstoß: Nadine Kleinert

Das Stadion tobte, keinen hielt es mehr auf seinem Sitz. Was war das für ein Tag in Berlin? Der zweite Wettkampftag bei der Leichtathletik-WM ließ keine Wünsche offen. Erst gab es gleich zweimal Silber für Deutschland und dann kam er - der Showstar, Supersprinter, das Wunderkind: Usain Bolt.

Bolt ließ sich schon bei der Vorstellung der Kandidaten des 100-Metersprints mächtig feiern. Dann lief er los und es gab kein Halten mehr. Beim Überqueren der Ziellinie blickte der Jamaikaner schon Richtung Uhr und was er und die Sportwelt sahen, war schier unfassbar: 9,58 Sekunden! Usain Bolt pulverisierte seinen alten Weltrekord (9,69) und versetzte seinen schärfsten Konkurrenten, den Amerikaner Tyson Gay, der starke 9,71 Sekunden lief. Bolts Landsmann Asafa Powell wurde Dritter (9,85).

Das Finish des 100-Meter-Sprints (AP)

Den Sieg vor Augen, den Weltrekord im Blick. Usain Bolt (re.) blickt beim Zieleinlauf zur Uhr

Kleinert und Oeser behielten die Nerven

Feiern lassen durften sich kurz zuvor auch Nadine Kleinert und Jennifer Oeser. Kleinert legte bei ihrer siebten WM wie wild los: Im ersten Durchgang stieß sie die Kugel auf 20,06 Meter hinaus und stellte damit ihre persönliche Bestleistung von 2005 ein. "Große Klasse, fantastisch!", jubelte ihr Trainer Klaus Schneider auf der Tribüne.

Nadine Kleinert beim Kugelstoßen (Foto: AP)

Volle Konzentration vor dem Stoß zu Edelmetall

Doch Olympiasiegerin Valerie Vili konterte im dritten Durchgang mit 20,25 und dann mit 20,44: Das reichte zur Titelverteidigung für die 1,96 Meter große Neuseeländerin. Kleinert steigerte sich noch auf 20,20 und war mit ihrem dritten WM-Silber überglücklich. "Die Berliner sind einfach nur geil", meinte sie nachher erleichtert. Bronze gewann die Chinesin Lijao Gong mit 19,89.

Wenige Minuten zuvor hatte Jennifer Oeser erstmals nach zwölf Jahren eine WM-Medaille im Siebenkampf für Deutschland gewonnen. Im abschließenden 800-Meter-Lauf stürzte die 25-Jährige, kämpfte sich aber angetrieben vom fantastischen Publikum wieder heran und sicherte sich mit 6493 Punkten Silber. "Ich habe vorher gesagt, mich kann nur noch ein Sturz stoppen.

Jennofer Oeser landet in der Sandgrube (AP)

Machte einen super Wettkampf - auch im Sand: Jennifer Oeser

Und schwups, da lag ich. Dann bin ich aufgestanden und wieder gerannt. Die Zuschauer haben mich nach vorne geschrien. Es war der Hammer", meinte Oeser. Weltmeisterin wurde die Britin Jessica Ennis mit der Weltjahresbestleistung von 6731 Zählern, Dritte die Polin Kamila Chudzik (6471). Die zweite Deutsche Julia Mächtig kam auf Rang neun.

Russlands Olympiasiegerin Olga Kaniskina hat als erste Geherin ihren WM-Titel erfolgreich verteidigen können. Die Siegerin von Osaka triumphierte auch auf dem 20-Kilometer-Kurs am Brandenburger Tor. Nach 1:28:10 Stunden siegte sie vor der Irin Olive Loughnane (1:28:58) und der Chinesin Liu Hong (1:29:10). Die einzige deutsche Starterin, Sabine Krantz, musste vor Tausenden Besuchern auf dem Prachtboulevard "Unter den Linden" nach 48 Minuten aussteigen. Sie war zu schnell angegangen, hatte teilweise sogar in Führung gelegen und hatte schlicht keine Kraft mehr. "Wenn man sich 45 Wochen auf einen Wettbewerb vorbereitet, ist ein solches Ende eine große Enttäuschung", sagte ihr Trainer Heiko Schulze.

Sailer sprintet ins Halbfinale

Verena Sailer (li.) und Bahamas Debbie Ferguson-McKenzie im 100 m-Sprint. (Quelle: AP Photo/Michael Sohn)

Verena Sailer (li.) im Vorlauf über die 100 m

In der Konkurrenz der schnellsten Frauen der Welt hat Verena Sailer das Halbfinale über 100 m erreicht. "Das ist ein Traum, auch wenn ich nicht ganz zufrieden mit meiner Leistung bin", sagte die deutsche Jahresbeste (11,18 Sekunden) selbstkritisch: "Der Start war super, die Beschleunigung auch. Aber ich wollte hinten raus noch etwas draufpacken. Aber es ging nicht so wie ich wollte." Die deutsche Meisterin wurde in ihrem Zwischenlauf zwar nur Vierte, kam aber in 11,26 Sekunden als Schnellste der nicht direkt qualifizierten Sprinterinnen eine Runde weiter. Für Marion Wagner kam dagegen in schwachen 11,64 Sekunden erwartungsgemäß das Aus.

Hartmann verpasst 800-Meter-Halbfinale

Die Kenianerin Pamela Jelimo (re.) läuft ihrem Sieg entgegen. (Quelle: AP Photo/Anja Niedringhaus)

Pamela Jelimo (re.) läuft ihrem Sieg entgegen

Jana Hartmann hat unterdessen das 800-Meter-Halbfinale verpasst. Die 28 Jahre alte Dortmunderin scheiterte im fünften Vorlauf als Fünfte in schwachen 2:04,99 Minuten. Sie zählte damit nicht zu den fünf Zeitschnellsten, die neben den drei Erstplatzierten der sechs Vorläufe die zweite Runde erreichten. Laufsiegerin wurde Olympiasiegerin Pamela Jelimo aus Kenia in 2:03,50 Minuten. "Ich hatte leider das Pech, dass ich im langsamsten Vorlauf war", sagte Hartmann. Ausgeschieden ist auch Titelverteidigerin Janeth Jepkosgei, allerdings ungewollt. Die Kenianerin kam in Führung liegend zu Fall, offenbar behindert durch die hinter ihr laufende Südafrikanerin Caster Semenya, die das Rennen in 2:02,51 Minuten für sich entschied. Vorlauf-Schnellste war die Ukrainerin Julija Krewsun in 2:02,20 Minuten.

Mit einem Lächeln ausgeschieden ist Sorina Nwachukwu im 400-Meter-Halbfinale. Die deutsche Meisterin kam in 51,98 Sekunden in ihrem Lauf auf den sechsten Platz. Als große Favoritin geht Sanya Richards in das Finale am Dienstag.

Drei deutsche Athletinnen im Speer-Finale

Christina Obergfoell freut sich über den Finaleinzug. (Quelle: AP Photo/Michael Probst)

Christina Obergfoell freut sich über den Finaleinzug

Europameisterin Steffi Nerius musste zwar um den Einzug ins Speerwurf-Finale am Montag bangen, doch am Ende erreichte sie ihr Ziel. Mit 61,73 Meter belegte sie den sechsten Platz in der Vorentscheidung. Ihre Leverkusener Klubkameradin Linda Stahl erzielte im ersten Versuch 63,86 Meter und kam als Zweite hinter der Russin Maria Abakumowa, die mit 68,92 Meter in der Qualifikation überragte, klar weiter. Die Olympiadritte Christina Obergföll erreichte 60,74 Meter und steht damit als dritte deutsche Speerwerferin im Endkampf. "Ich habe mich ganz gut eingeworfen, aber dann hat es nicht so richtig geklappt. Ich wollte gleich eine 63 oder 64 raushauen, dann war ich verkrampft und zu. Aber ich glaube es reicht, ich bin ganz zuversichtlich fürs Finale", meinte Steffi Nerius.

Uliczka im 3000-Meter-Hindernislauf ausgeschieden

Deutschlands einziger Hindernisläufer in Berlin ist im Vorlauf ausgeschieden. Der deutsche Meister Steffen Uliczka blieb als Siebter seines Rennens in 8:37,83 Minuten auf der Strecke. Trotzdem war er von seinem ersten internationalen Einsatz begeistert: "Das ist einfach nur geil hier. Der Lauf war vielleicht nicht das, was ich wollte, aber er hat unheimlich Spaß gemacht." Überraschend ausgestiegen ist der französische Olympiazweite Mahiedine Mekhissi-Benabbad. Die beste Vorlauf-Zeit lieferte Kenias Olympiadritter Richard Kipkemboi Mateelong in 8:17,99 Minuten ab, dahinter wurde der kenianische Titelverteidiger Brimin Kiprop Kipruto Zweiter (8:18,07). Das Finale findet am Dienstag im Olympiastadion statt.

Friedek geht ohne Weite

Dreispringer Charles Friedek hat sich in seinem letzten großen Wettkampf ohne Weite verabschiedet. Zehn Jahre nach seinem WM-Sieg von Sevilla leistete sich der 37-Jährige in der Qualifikation drei Fehlversuche und verpasste damit das Finale am Dienstag.

Autor: Benjamin Wüst/Calle Kops
Redaktion: Andreas Ziemons

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