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Amerika

100 Tage Obama - und kein bisschen Ruhe

58 Prozent der Amerikaner sind mit Barack Obama zufrieden. Das ergab eine Umfrage anlässlich der ersten 100 Amtstage des jungen US-Präsidenten. Doch rabenschwarze Wirtschaftsmeldungen lassen keine Zeit zum Jubeln.

US-Präsident Obama in Prag am 5. April 2009 (Foto: AP)

Herausforderung für Obama: Das Vertrauen der Menschen weltweit erhalten

2000 US-Bürger hat das Institut Quinnipiac für seine am Mittwoch (29.04.2009) veröffentlichte Erhebung befragt. Danach kann Obama vor allem bei jüngeren Wählern, Frauen, Afroamerikanern und ärmeren Bürgern punkten. Bei den Wählerinnen erreichte Obama in der Erhebung eine Zustimmung von 63 Prozent, zehn Prozentpunkte mehr als bei den Männern.

In der Altersgruppe zwischen 18 und 34 Jahren gab es bei 69 Prozent ein positives Echo, bei den älteren Wählern waren es 13 Punkte weniger. Die schwarzen US-Bürger sind laut der Quinnipiac-Studie zu 93 Prozent mit der Arbeit im Oval Office zufrieden - bei den weißen sind dies 53 Prozent. US-Bürger mit einem Jahreseinkommen von weniger als 50.000 Dollar unterstützen Obama zu 63 Prozent, wer bis zu 100.000 Dollar zur Verfügung hat, immerhin noch zu 55 Prozent.

"Intensivste Anfangsphase eines US-Präsidenten"

Kritische Töne äußerte insgesamt nur ein knappes Drittel der Befragten. Umso eindeutiger ist dann auch das Urteil der US-Meinungsforscher: Obama sei nach hundert Tagen im Amt beliebter als viele seiner Vorgänger, so das Fazit von Peter A. Brown vom Quinnipiac-Institut.

Bei soviel Zustimmung und Optimismus wollte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hintanstehen. Die deutsche Regierungschefin sprach von einer der "intensivsten Anfangsphasen", die ein US-Präsident je hingelegt habe. In vielen Bereichen seien die Weichen neu und auch sehr bestimmt gestellt worden.

Irans Atomfabrik in Isfahan (Foto: AP)

Herausforderung für Obama: den Iran am Bau von Atomwaffen hindern (hier die Atomanlage in Isfahan)

Geschenk und Kuckucksei

Im einzelnen verwies Merkel auf neue Ansätze in der Afghanistan-Politik, im Ringen mit dem Iran um dessen Atomprogramm und in der Klimapolitik. Auch seien in den ersten 100 Tagen von Obamas Amtszeit die Grundlagen dafür gelegt worden, dass Deutschland und die Europäische Union insgesamt sehr enge, freundschaftliche Beziehungen zu Washington erwarten könnten. Und natürlich gingen, so die CDU-Chefin weiter, Obama und seine neue Regierung entschieden gegen die Wirtschaftskrise vor, würden alles tun um gegenzusteuern.

Der Politikbetrieb in Washington selbst hielt für Obama anlässlich der ersten 100 Tage im Weißen Haus noch ein "Geschenk", aber auch ein dickes Kuckucksei parat. So konnte der demokratische Präsident einen wichtigen innenpolitischen Erfolg verbuchen, weil der bisherige republikanische US-Senator Arlen Specter zu den Demokraten gewechselt ist. Zugleich zeichnet sich ab, dass der ehemalige Comedy-Star Al Franken für die Demokraten einen Senatssitz im Bundesstaat Minnesota gewinnen wird, um den es seit der Wahl im November 2008 einen juristischen Streit gibt.

Längste Durststrecke seit den 70er Jahren

Mit Specter und Franken würde die Obama-Partei über die entscheidende Mehrheit von 60 Sitzen im Senat verfügen. Damit könnte sie etwa das berüchtigte "Filibuster" verhindern, mit dem sich Debatten endlos hinziehen und Abstimmungen letztendlich torpedieren lassen.

Die Freude über diesen Erfolg hielt jedoch nicht lange an. Denn das US-Handelsministerium musse bekanntmachen, dass die amerikanische Wirtschaft zu Jahresbeginn noch stärker als bislang befürchtet eingebrochen ist und mittlerweile die längste Durststrecke seit der Ölkrise in den 70er Jahren durchlebt.

Verzweifelte Börsenmakler an der Wall Street im vergangenen Jahr (Foto: AP)

Herausforderung für Obama: die Finanz- und Wirtschaftskrise bekämpfen

Rekordrückgang von Exporten und Investitionen

Wegen drastisch fallender Exporte und Investitionen sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft im ersten Quartal 2009 mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 6,1 Prozent. Damit schrumpfte die US-Wirtschaft erstmals seit den Nachwehen der Ölkrise drei Quartale in Folge. Allein die Exporte verringerten sich um 30 Prozent und damit so stark wie seit 1969 nicht mehr. Auch schreckte die Rezession die US-Firmen von Investitionen ab: Hier gab es einen Rekordrückgang von rund 38 Prozent.

"Es steht außerfrage - das ist in vielerlei Hinsicht der schwerste wirtschaftliche Schock in der Nachkriegsära" - so lautete etwa der Kommentar von Neal Soss, dem Chefvolkswirt der Bank Credit Suisse in New York. Und ebenso steht es außerfrage, dass sich Obama dieser Einschätzung verweigern könnte. Dafür ist er er viel zu sehr Realist - auch an seinem 100. Amtstag mit schönen Worten und noch schöneren Umfragewerten. (sti/wa/afp/ap/dpa/rtr)

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