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Amerika

Ein viel versprechender Anfang

Auf wohl keinen Präsidenten wurden so viele Hoffnungen gesetzt wie auf Barack Obama. Seit 100 Tagen ist er nun im Amt - und hat einen viel versprechenden Anfang hingelegt, meint Christina Bergmann in ihrem Kommentar.

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In den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit hat es Barack Obama leicht gehabt. Denn er musste vor allem eines tun: sich von seinem Vorgänger und dessen Politik absetzen. Das war keine besonders große Herausforderung. Die nationalen Umfragewerte von George W. Bush befanden sich bei dessen Ausscheiden auf einem für amerikanische Präsidenten historischen Tiefststand. Und auch international sehnte man sich nach einem US-Präsidenten, der vor allem eins ist: nicht Bush.

Christina Bergmann (Foto: DW)

Barack Obama hat dafür bereits kurz nach seinem Amtsantritt die richtigen Karten aus dem Ärmel gezogen: Er hat die Schließung des US-Gefangenenlagers Guantanamo angeordnet, Folter verboten, den Abzug der US-Truppen aus dem Irak befohlen, Russland die Hand zum Dialog ausgestreckt und ein Konjunkturpaket vorgelegt, das Investitionen in Bildung, Gesundheitswesen und eine neue Energiepolitik vorsieht. Die Aufzählung ließe sich problemlos weiter fortsetzen.

Obama beherrscht das Multitasking

Der Umfang seiner Agenda ist atemberaubend. Multitasking gehört, so viel steht nach 100 Tagen im Amt fest, zu Obamas besonderen Talenten. Er zeigt zwar hier und da Schwächen. So ist er wankelmütig in der Frage, ob sich eine Untersuchungskommission mit den Folter-Memos der Bush-Regierung beschäftigen soll. Auch die groß angekündigte überparteiliche Zusammenarbeit mit den Republikanern ist ihm bisher nicht gelungen. Doch im Großen und Ganzen bleibt er stets cool, unaufgeregt und seiner Sache treu.

Barack Obama hat zum Beginn seiner Amtszeit auch gezeigt, dass er trotz seines im Verhältnis jugendlichen Alters und seiner Unerfahrenheit in politischen Ämtern seiner Aufgabe gewachsen ist. Drei tote Piraten und ein geretteter Frachtschiff-Kapitän zeugen davon, dass Obama nicht das linke Weichei ist, als das ihn die Republikaner im Wahlkampf gerne hingestellt haben. Auch die gezielten Raketenangriffe auf pakistanisches Gebiet werden - durchaus zum Missmut vieler seiner Anhänger - unter seiner Präsidentschaft fortgesetzt.

Zustimmung von den US-Bürger

So ist klar: Obama mag Venezuelas Präsidenten Hugo Chavez die Hand schütteln und dem Iran Gespräche anbieten - wenn es um die nationale Sicherheit geht, scheut er aber keine Sekunde davor zurück, die militärische Macht der USA zu nutzen.

Und die US-Bürger schenken ihm weiter ihr Vertrauen In der jüngsten Washington Post/ABC News- Umfrage sind knapp 60 Prozent der Befragten damit zufrieden, wie der Präsident seinen Job macht. Auch im Umgang mit der internationalen Finanzkrise vertrauen ihm die US-Bürger. Und 55 Prozent betrachten die wirtschaftliche Zukunft des Landes optimistisch. Im Februar waren es nur 48 Prozent.

Die magische Zahl 100

In den ersten 100 Tagen hat Präsident Obama sein Versprechen eingelöst, eine andere Politik zu machen als sein Vorgänger. Dass er in den meisten Fällen die Wende bisher nur ankündigen konnte, liegt dabei in der Natur der Sache. Guantanamo kann nicht von einem Tag auf den anderen geschlossen werden, das gleiche gilt für den Rückzug der Soldaten aus dem Irak, eine Friedenslösung für den Nahen Osten, die Reform der Gesundheitsversorgung, die Erholung der Wirtschaft.

100 Tage an der Regierung mögen optisch ein magisches Datum sein, aber um den Erfolg oder Misserfolg dieser Präsidentschaft einzuschätzen, sind sie viel zu kurz. Erst in einigen Monaten oder Jahren wird sich zeigen, ob Barack Obama den richtigen Kurs eingeschlagen hat. Schon heute lässt sich allerdings sagen: der Anfang ist viel versprechend.


Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Anne Herrberg