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Wirtschaft

Ölschwemme drückt weiter auf Ölpreise

Ungewohnte Entlastung für die Urlaubskasse: Zum Start der Sommerferien werden Öl und Benzin billiger. Die Ölproduzenten bekommen die weltweite Ölschwemme nicht in den Griff, die Macht der Opec ist nicht mehr die alte.

Symbolbild Öl-Marktbericht der Internationalen Energieagentur (picture-alliance/dpa/Wintershall)

Verteilerkreuz einer Ölleitung der BASF-Tochter Wintershall auf dem Ölfeld As Sarah in Libyen

Niedersachsen und Bremen sind die ersten Bundesländer, in denen - schon an diesem Donnerstag - die Ferien beginnen. Die Mineralölgesellschaften werden bemüht sein, die Spritpreise hochzuhalten oder zumindest nicht so stark zu senken, wie es der Ölmarkt eigentlich möglich macht. Doch der Preisrutsch beim Öl kommt auch an den Tankstellen an: Diesel wird in den hundert größten Städten derzeit für knapp 1,08 Euro pro Liter verkauft - zehn Cent weniger als Mitte April. Die mit bis zu zehn Prozent Bio-Ethanol angereicherte Sorte E 10 fließt für 1,28 Euro je Liter in den Tank, statt für 1,37 Euro vor drei Monaten.

Die Lufthansa-Aktionäre dürfen sich zwar über saftige Kursgewinne freuen. Die sind aber guter Nachfrage, hoher Auslastung und sinkender Streikbereitschaft des Personals zu verdanken. Nicht den sinkenden Kerosinkosten. Dafür, so rechnet die Airline, werde sie dieses Jahr 5,4 Milliarden Euro ausgeben, 500 Millionen Euro mehr als 2016. Gut 70 Prozent ihres Kerosinbedarfs hat sich Lufthansa auf den Terminmärkten 2017 schon gesichert. Diese Verträge müssen auch bei sinkenden Kerosinpreisen eingehalten werden. Allerdings können die jetzt abgeschlossenen Termingeschäfte die Spritrechnung 2018 entlasten.

Libyen und Wintershall waren der Auslöser

Die Aussichten sind gut. Denn der Preisdruck am Ölmarkt dürfte noch anhalten. Öl wird weltweit billiger. Den jüngsten Preisrutsch lösten am Dienstag Meldungen aus, die libysche Ölproduktion sei auf den höchsten Stand seit vier Jahren geklettert. Nordseeöl der Marke Brent, Mitte April noch für gut 55 US-Dollar das Fass gehandelt, brach zwischenzeitlich 45,42 US-Dollar pro Barrel ein, erholte sich dann, wurde aber auch heute zum Tagestief für 45,57 US-Dollar verkauft. Nicht nur an Land sind die Lager voll. Auch die Tanker ohne Fahrziel und Liefertermin sind schwer beladen, die "schwimmenden Lager" also.

Eugen Weinberg (Eugen Weinberg)

Öl-Analyst Eugen Weinberg: Abwärtstrend könnte in den kommenden Wochen weiter anhalten

"Der Markt sieht sehr angeschlagen aus", berichtete das Bankhaus Metzler heute seinen Kunden. Die Charttechniker des Hauses, die Preisdaten der Vergangenheit in die Zukunft fortschreiben, sahen die "Unterstützung" von 46,42 US-Dollar je Fass unterboten und vermuten, nun werde der Markt die nächste Haltelinie testen. Sie liegt bei 42,70 US-Dollar. Für die nächsten vier bis sechs Wochen will solche Preise auch Eugen Weinberg, der Energiespezialist der Commerzbank, nicht ausschließen. Danach werde der Preis aber wieder steigen, auch steigen müssen, weil die Schieferölproduktion in den Vereinigten Staaten sehr teuer sei. Sie kommt mit Preisen unter 50 US-Dollar nicht aus, liegt eher bei Produktionskosten von 70 US-Dollar.

Die "neue Ära der Kooperation" sieht alt aus

Die mit Fracking ausgebeuteten Quellen lassen sich aber schnell ab- und anschalten. Das macht es dem Ölpreiskartell Opec so schwer, seine Macht auszuüben. Der Versuch im November 2016, die Ölproduktion des Kartells zu senken, ist misslungen. Sogar Russland war in die Verabredung mit eingestiegen, die tägliche Produktion um 1,8 Millionen Barrel zu kappen. Die zunächst für ein halbes Jahr terminierte Absprache wurde mittlerweile bis März 2018 verlängert. "Wir starten in eine neue Ära der Kooperation", hatte Russlands Energieminister Alexander Nowak verkündet.

USA Fracking Bohrstelle Pipeline Gas Druck Leitung Kalifornien (Getty Images/S. Platt)

Fracking-Anlage in den Lost Hills in Kalifornien, rund 230 km nordöstlich von Los Angeles

Mag sein, doch die Kooperation war zu schwach. Denn erstens versuchten Amerikas flexible Fracker jedes Fass zu liefern, das die Opec im Boden ließ. Und zweitens öffneten die beiden Opec-Länder, die an der Selbstbeschränkung nicht beteiligt sind, Libyen und Nigeria, ihre Quellen. Libyen konnte dabei die Hilfe Bundesaußenministers Sigmar Gabriel nutzen. Der hatte bei seinem jüngsten Libyen-Besuch im Machtkampf zwischen der deutschen Wintershall und der staatlichen libyschen Ölgesellschaft NOC für Wintershall ein gutes Wort eingelegt. Der Streit um Lizenzen und Geld ist zwar nicht behoben, aber es wird wieder produziert.

Für die Konjunktur eher Segen als Fluch

Außerdem hat selbst die politische Instabilität, die mit der Isolierung Katars durch seine Nachbarn einhergegangen war, die Verfügbarkeit von Öl auf den Weltmärkten nicht eingeschränkt: Wer Öl wollte, bekam es geliefert.

Widersprüchlich wirkt der niedrige Ölpreis an den Börsen: Mal wird er als Zeichen sinkender Nachfrage und damit nachlassender industrieller Aktivität interpretiert. Das drückt auf die Aktienkurse. Zugleich gilt er, so Commerzbanker Weinberg, "eher als Segen denn als Fluch" für die Konjunktur. Zumindest die Konsumkonjunktur kann ein niedriger Ölpreis anschieben. Vielleicht merken das schon die Ferienorte, wenn mal eine Runde Eis oder Schnitzel für die Familie mehr drin ist als sonst. Man hat es ja an der Tankstelle eingespart.

 

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