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Aktuell Europa

"Ärzte ohne Grenzen" lehnen EU-Hilfsgelder ab

Die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" weigert sich Geld von der EU und den 28 Staaten anzunehmen. Deren Politik verursache viel Leid in Krisenländern und sie schotteten sich gegen Flüchtlinge ab.

Kein Geld mehr von der Europäischen Union sowie den Mitgliedsstaaten - so lautet die deutliche Botschaft der internationalen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen". Dies sei ein Protest gegen die Abschottungspolitik der EU, kündigte die Organisation in Brüssel an. Auch bei der Bundesregierung würden keine neuen Gelder beantragt.

Florian Westphal Ärzte ohne Grenzen (Foto: Barbara Sigge)

"Wir sehen jeden Tag, welches Leid die EU-Politik verursacht", sagt Florian Westphal von "Ärzte ohne Grenzen"

"Wir sehen in unseren Projekten jeden Tag, welches Leid die aktuelle EU-Politik verursacht", begründet der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen Deutschland", Florian Westphal, die Entscheidung. Täglich erlebten die Mitarbeiter "die verheerenden Auswirkungen der EU-Abschottungspolitik" für Menschen auf der Flucht, besonders für verletzliche Gruppen wie Schwangere, Kinder und unbegleitete Minderjährige.

Flüchtlingsdeal schafft neues Leid

Der verzweifelte Versuch durch das EU-Türkei-Abkommen die Flüchtlingsströme in die EU einzudämmen, hätte zur direkten Folge, dass drei Monate nach Inkrafttreten mehr als 8000 Schutzsuchende auf den griechischen Inseln festsitzen. Darunter seien Hunderte unbegleitete Minderjährige und viele Familien, die vor den Kriegen in Syrien, Irak und Afghanistan geflohen sind. Sie würden unter völlig unzureichenden Bedingungen oft monatelang in überfüllten Lagern festgehalten und müssten mit der Abschiebung in die Türkei rechnen.

Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" leistet den Angaben zufolge derzeit Hilfe für Flüchtlinge und Vertriebene in mehr als 40 Ländern, darunter in Griechenland, Serbien, Frankreich und Italien sowie auf drei Rettungsschiffen im Mittelmeer. In den vergangenen 18 Monaten haben die Teams etwa 200.000 Flüchtlinge in Europa behandelt.

Privatspenden erbeten

Mit ihrer Weigerung verzichtet "Ärzte ohne Grenzen" damit auf Finanzierungen in Höhe von derzeit rund 50 Millionen Euro jährlich. Die internationale Hilfsorganisation will nun verstärkt auf Privatspender setzen, die bereits ausschließlich die Hilfe in Europa unterstützen, nach eigenen Angaben sind das derzeit 92 Prozent.

Im Jahr 2015 erhielt die Hilfsorganisation nach eigenen Angaben 19 Millionen Euro von EU-Institutionen, 37 Millionen Euro von EU-Mitgliedstaaten sowie 6,8 Millionen Euro von Norwegen, von dem ebenfalls keine Gelder mehr angenommen werden. Für das Jahr 2016 seien Finanzierungsverträge über vier Millionen Euro für Projekte in fünf Staaten in Afrika abgeschlossen worden, die noch erfüllt wurden. Neue Mittel werde "Ärzte ohne Grenzen" beim Auswärtigem Amt nicht beantragen, betonte die Hilfsorganisation.

pab/sc (afp, epd, rtr)