Zwischen den Fronten - bei Demo in Berlin | Deutschland | DW | 27.05.2018
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AfD-Kundgebung

Zwischen den Fronten - bei Demo in Berlin

Berlin demonstriert. Für und gegen die AfD. Bei 30 Grad im Schatten ziehen Zehntausende durch das Regierungsviertel. Die politischen Gräben zwischen den Gruppen sind tief. Aus Berlin berichtet Linda Vierecke.

Und plötzlich dieser Moment, wo man zwischen den Fronten steht. Mitten auf der Fußgängerbrücke über die Spree. Rechts der Spree die AfD, links die Gegendemonstranten. Und unten tuckert das Ausflugsboot "Spreeperle" daher mit einer Hand voll Touristen. Willkommen in Berlin am 27. Mai.

Mit Anzug, lila Krawatte und Megafon. Die Junge Alternative, die Jugendorganisation der Rechtspopulisten, bespricht die Slogans für den Demonstrationszug. "Dresden, Cottbus, Kandel – Deutschland ist im Wandel", üben sie leise die neue Parole, die auf drei Orte in Deutschland verweist, an denen besonders stark gegen die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Merkel demonstriert wurde. "Wir wollen das heute mal ausprobieren", sagen sie. Im Demonstrationszug hören wird man den "neuen Spruch" später nicht.

Kaum Extremisten

"Merkel muss weg!" und "Widerstand" ist für die meisten hier eingängiger. Die Bühne ist kaum zu sehen, überall Deutschlandfahnen. Das Publikum: größtenteils Funktionäre der AfD, Mitglieder der Basis, viele Männer, die, wie sie sagen, einst in der CDU waren und sich dort heute nicht mehr wohlfühlen würden. Anders als bei Demonstrationen der AfD-nahen Pegida-Bewegung aus Dresden stellen sich hier viele Teilnehmer auch den Kameras und sagen offen ihre Meinung. Auch wenn sie den Medien gegenüber kritisch eingestellt sind, "Lügenpresse"-Rufe gibt es zu Beginn der Demo nicht. "Wenn einer rechtsextremistische Parolen ruft, dann sagen wir denen, dass sie aufhören sollen", sagen die Männer von der Jungen Alternative. "Alles können wir natürlich nicht verhindern", fügt einer hinzu.

Gegen die Asylpolitik

"Ich möchte keine Männer-Einwanderung, deshalb bin ich heute hier!" sagt eine sportlich gekleidete Frau von der lokalen AfD-Gruppe  aus dem brandenburgischen Ahrensfelde. "Wir wünschen uns das Land zurück, das wir vor fünf Jahren hatten. Ohne Masseneinwanderung", ergänzt ihr Begleiter.

Berlin AfD-Demonstration (picture-alliance/dpa/K. Nietfeld)

Klares Feindbild der AfD-Anhänger: Bundeskanzlerin Angela Merkel

Es ist die Kritik an der Asylpolitik, die die meisten auf die Straße treibt. Besonders laut, besonders patriotisch präsentiert sich der sächsische Landesverband. Mike Moncsek ist bei der AfD in Mittelsachsen aktiv und spricht bewusst die Journalisten an. "Ich fühle mich erinnert an DDR-Zeiten. Da wollten uns 'die da oben' auch den Mund verbieten", sagt er mit Blick auf die Gegendemonstranten. "Die AfD ist die einzige politische Kraft, die die Probleme anspricht", behauptet er und schwenkt seine Deutschlandfahne.

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Bunter Protest gegen Berliner AfD-Demo: Gespräch mit Anja Koch

Polizei hält Lager auseinander

Wer über die Brücke zu den Gegendemonstranten will, wird von der Polizei gestoppt. Am südlichen Ufer der Spree schallt es laut: "AfD in die Spree!" Statt Deutschlandfahnen gibt es hier goldene Bänder, bunte Techno-Wagen und Luftballons. Protest, der offensichtlich Spaß macht und mehr Menschen anzieht als die eigentliche AfD-Demo. Rund 5000 AfD-Anhänger zählt die Berliner Polizei an diesem Sonntag und 25.000 Gegen-Demonstranten auf 13 verschiedenen Protest-Veranstaltungen.

"Wir können den Hass doch nicht einfach so stehen lassen", erklärt eine junge Frau mit Kind ihre Motivation für den Anti-AfD-Protest. Die allermeisten Demonstranten sind friedlich. Aber laut.

Protest gegen AfD-Demonstration (Reuters/H. Hanschke)

Bunter und lauter Protest gegen die AfD auf der Spree

Am Nachmittag erreichen die AfD-Demonstranten das Brandenburger Tor, abgeschirmt von einer massiven Polizeipräsenz. Direkt an den Zäunen sammeln sich auch einige Mitglieder der Antifa. Ein vermummter junger Mann schafft es durch die Absperrung. Kurz fliegt eine Rauchbombe, Sicherheitskräfte stürzen heran. "Wenn es zu Ausschreitungen kommt, dann hilft das doch uns als AfD", sagt ein Teilnehmer am Rande.

Hinter den Zäunen, trommeln Demonstranten, skandieren: "Ganz Berlin hasst die AfD!" und "Nazis raus!". Irgendwann rufen die AfD-Sympathisanten den Gegendemonstranten auch "Nazis raus!" entgegen. Zwei Lager, die sich anschreien, dazwischen die Spree.

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