Zweitsprache hält im Alter geistig fit | Deutschlehrer-Info | DW | 01.08.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Zweitsprache hält im Alter geistig fit

Wer in jungen Jahren eine Zweitsprache erlernt hat, hat statistisch gesehen gute Chancen im Alter länger geistig fit zu bleiben als seine Mitmenschen. Das besagt eine aktuelle Studie des Forschungszentrums Jülich.

Eine Zweitsprache zu beherrschen hält laut einer neuen Studie im Alter geistig fit. Grund sei, dass das Gehirnvolumen von Lernenden zunehme, teilte das Forschungszentrum Jülich mit. Demnach ist dieser Effekt vor allem am Anfang des Lernprozesses, also beim Spracherwerb in jungen Jahren, zu sehen. Wissenschaftler aus Jülich, Aachen und Düsseldorf erforschten, wie sich bestimmte Gehirnregionen beim Lernen verändern.

Das Team aus Medizinern, Psychologen, Linguisten und Logopäden untersuchte die graue Substanz im hinteren unteren Teil des linken Stirnlappens und im unteren linken Scheitellappen. Beide Regionen seien für Sprachverstehen und Sprachproduktion wichtig und arbeiteten oft zusammen, erklärte der Forscher Stefan Heim vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin.

Das Team konnte belegen, dass die graue Substanz beider Regionen beim Lernen einer zweiten Sprache in jungen Jahren ein deutlich größeres Volumen hat. Die Forscher erklären sich diesen Effekt damit, dass sich die benachbarten Nervenzellen untereinander stärker vernetzen.

Mit zunehmendem Alter nimmt das Volumen der grauen Substanz ab – sowohl bei Einsprachigen als auch bei Mehrsprachigen. Bei Mehrsprachigen ist das Volumen der Sprachregion im Stirnlappen aber bis zu einem Alter von 60 Jahren immer etwas größer als bei Personen, die nur eine Sprache sprechen. Erst danach gleichen sich die Probandengruppen an.

Im Scheitellappen bleibt das Volumen sogar noch länger stabil: Erst ab 80 Jahren war kein Unterschied zwischen Mehrsprachigen und Einsprachigen mehr erkennbar. „Zunächst sieht es also so aus, als wenn der Vorteil durch das Erlernen einer zweiten Sprache besonders in jungen Jahren ausgeprägt ist und sich im Alter wieder angleicht", erklärte Heim. Dieser Vorteil verschwinde jedoch nicht einfach wieder.

Der Überschuss an grauer Substanz wandle sich mit der Zeit, wenn die Sprache besser beherrscht werde, in eine engere Vernetzung der Areale um, so Heim. Damit werde der Informationsaustausch zwischen den Gehirnregionen vereinfacht und sei stabiler. Dies könnte einer Erklärung dafür sein, warum Mehrsprachige im Alter häufiger geistig fit bleiben.

Für die Studie wurden 224 Menschen, die nur eine Sprache sprechen, und 175 Menschen, die zwei Sprachen fließend beherrschen, untersucht. In einer Folgestudie wollen die Forscher untersuchen, wie die beiden Sprachregionen bei Mehrsprachigen miteinander interagieren und wie sich das über die Lebenszeit wandelt.

Später soll auch die Frage geklärt werden, ob das Erlernen einer Zweit- oder Drittsprache im Rentenalter einen Vorteil für die geistige Leistungsfähigkeit bringt. "Das wäre für viele Menschen eine praktikable und einfache Methode, eine zusätzliche kognitive Reserve aufzubauen", erklärte Svenja Caspers, Direktorin des Instituts für Anatomie I der Universität Düsseldorf.

rh/wa (mit afp)

 

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links