Zwei türkische Akademiker stoppen Hungerstreik | Aktuell Europa | DW | 26.01.2018
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Türkei

Zwei türkische Akademiker stoppen Hungerstreik

324 Tage waren die Dozentin Nuriye Gülmen und der Lehrer Semih Özakca im Hungerstreik, um gegen die Entlassung aus dem Staatsdienst zu protestieren. Ihre Aktion haben sie beendet, weil sie nun vor Gericht ziehen können.

Türkei Hungerstreik - Nuriye Gülmen & Semih Özakca (DW/H. Köylü)

"Unser Widerstand ist nicht vorbei", sagen Nuriye Gülmen und Semih Özakca (Archivbild)

"Wir beenden unseren Hungerstreik an seinem 324. Tag. Aber unser Kampf geht weiter", sagte die türkische Literaturdozentin Nuriye Gülmen in einem Video, in dem sie sichtbar abgemagert neben dem Lehrer Semih Özakca erscheint. Die Kommission, die sich mit Entlassungen per Dekret beschäftigt, lehnte nun den Antrag der beiden auf Wiedereinstellung ab, wie die türkische Zeitung "Cumhuriyet" berichtet. Damit können die beiden vor Gericht ziehen. Sie wollten ihren Hungerstreik ursprünglich fortsetzen, bis sie ihre Arbeitsstellen zurückerhalten.

Die beiden Akademiker hatten den Hungerstreik am 9. März 2017 aus Protest gegen ihre Entlassung begonnen. Sie waren per Dekret unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in der verbotenen linksextremen Gruppierung DHKP-C aus dem Staatsdienst entlassen worden. Nachdem sie über Monate auf einem Platz im Zentrum Ankaras demonstriert hatten, wurden sie im Mai festgenommen, führten jedoch auch in der Haft ihren Hungerstreik fort.

Bedenklich abgemagert

Der 28-jährige Özakca und die 35 Jahre alte Gülmen nahmen nach eigenen Angaben nur gesalzenes und gezuckertes Wasser, Kräutertee und Vitamin B1 zu sich. Zuletzt war Gülmen von 59 Kilogramm auf nur noch 33,8 Kilogramm abgemagert, wie die Ärztekammer in Ankara mitteilte. Der Grundschullehrer Özakca wiegt nur noch 45 Kilogramm, vor dem Hungerstreik waren es noch 86.

Nach Angaben Gülmens werden die beiden nun im Krankenhaus behandelt. Anschließend wollen sie ihren "Kampf" fortsetzen. Durch ihren Hungerstreik sind die beiden Akademiker zu Symbolfiguren des Protests gegen die Massenentlassungen geworden. Özakca war im Oktober vom Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation freigesprochen worden. Gülmen wurde im Dezember in erster Instanz zu sechs Jahren Haft verurteilt, befindet sich aber für die Dauer des Berufungsprozesses auf freiem Fuß.

Während des Ausnahmezustands, der nach dem niedergeschlagenen Militärputsch vom Juli 2016 verhängt worden war, wurden mehr als 140.000 Staatsbedienstete entlassen oder suspendiert. Den meisten wird Mitgliedschaft in der verbotenen Gülen-Bewegung vorgeworfen, die für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird, doch sind auch zahlreiche linke und kurdische Journalisten, Wissenschaftler und Oppositionelle darunter. Der islamistische Prediger Fethullah Gülen, der im Exil in den USA lebt, bestreitet jede Verwicklung in die Militärrevolte.

kle/uh (dpa, afp, rtre)