Zwei Rivalen kämpfen in Tansania ums Präsidentenamt | Afrika | DW | 24.10.2015
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Afrika

Zwei Rivalen kämpfen in Tansania ums Präsidentenamt

Tansania wählt einen neuen Präsidenten. Nach drei Jahrzehnten hat die Opposition eine reelle Chance, die Macht zu übernehmen - dank eines abtrünnigen Kandidaten aus der Regierungspartei.

Insgesamt acht Präsidentschaftskandidaten, darunter eine Frau, konkurrieren um das höchste Amt im ostafrikanischen Tansania. Der entscheidende Kampf wird sich vermutlich zwischen dem Vertreter der Regierungspartei John Magufuli und dem Oppositionskandidaten Edward Lowassa abspielen. Beiden werden gute Chancen zugesprochen, das Amt von Präsident Jakaya Kikwete zu übernehmen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. Im Gegensatz zu anderen Präsidenten in Afrika hat sich Kikwete entschieden, keine weitere Amtszeit per Verfassungsänderung anzustreben.

Sowohl Magufuli als auch Lowassa waren beide ursprünglich Mitglieder der Regierungspartei Chama Cha Mapinduzi (CCM). Doch Lowassa kehrte der "Revolutionspartei" den Rücken, als die CCM nicht ihn, sondern den bisherigen Arbeitsminister Magufuli nominierte. Lowassa, ein bekannter Politiker, der früher sowohl in der CCM als auch bei der Opposition geschätzt wurde, zieht nun für die Oppositionspartei CHADEMA (Partei für Demokratie und Entwicklung) ins Rennen. Diese mit drei weiteren Oppositionsparteien ein Bündnis geschlossen und hat mit Lowassa nun nach fast drei Jahrzehnten wieder die Chance, an die Macht zu kommen.

Tansania Wahlen Kombo John Pombe Magufuli und Edward Lowassa (Foto: AP Photo/Khalfan Said)

Edward Lowassa (links) und John Magufuli

Lowassa und Magufuli haben im ganzen Land kräftig für sich geworben und unter anderem versprochen, die Korruption zu bekämpfen. "Es gibt ein paar Menschen in der Regierung, die Geld stehlen, die korrupt sind", sagte Magufuli bei einer Wahlkampfveranstaltung. "Sobald ich im Amt bin, werde ich ein Spezialgericht einsetzen, das sich um die Diebe und die Korrupten kümmert und sie sofort ins Gefängnis schickt."

Überraschende Nominierung

Magufuli ist seit 20 Jahren in der Regierung - er gilt als jemand, der hart arbeitet und zäh ist. Seine Nominierung für das Präsidentschaftsamt kam trotzdem für viele überraschend, weil er innerhalb der Partei nicht gut vernetzt ist. Einige sagen, dass es falsch war, ihn als Kandidaten aufzustellen, und dass dieser politische Fehler der Partei letztendlich den Sieg kosten könnte.

Lowassa war zu CCM-Zeiten bereits als Premierminister im Amt. Er trat jedoch 2008 - nach lediglich zwei Jahren Amtszeit - aufgrund von Korruptionsvorwürfen zurück.

In seinem Wahlkampf, den er vor allem in Tansanias großen Städten betrieb, betonte er, sich besonders auf Bildungschancen konzentrieren zu wollen. "Bildung wird von der Grundschule bis zur Universität von der Regierung gefördert werden", sagte Lowassa. "Niemand sollte mir sagen, dass wir das nicht können. Wir verschwenden viel Geld für unnötige Dinge. Lasst uns diese Mittel zum Wohle unserer Kinder einsetzen."

Junge Menschen in Tansania (Foto: Daniel Hayduk/AFP/Getty Images)

Der frühere Premierminister Lowassa hat viele Unterstützer im Land

Trotz Tansanias beeindruckendem Wirtschaftswachstum hat die Mehrheit der Bevölkerung von dem Boom nicht profitiert. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Viele Menschen haben immer noch keinen Stromanschluss; außerdem fehlen Investitionen in Gesundheit, Bildung, Landwirtschaft und Transport.

Angst vor Gewaltausschreitungen nach Wahl

Ein knapper Ausgang der Wahl oder gar der Verdacht auf ein manipuliertes Ergebnis könnte die Gefahr erhöhen, dass Gewalt im Land ausbricht - obwohl Tansania gemeinhin als friedliches Land und vorbildliche Demokratie in Afrika gilt.

Die nationale Wahlkommission sagte unterdessen, sie habe Informationen erhalten, die darauf hindeuteten, dass bestimmte politische Parteien ihre Jugendflügel in Milizen umwandeln wollten. Auch wenn diese Vorwürfe von den Parteien dementiert wurden, bleibt Analyst Attilio Tagailil skeptisch. "Die erste Partei, die eine solche Gruppe gebildet hat, war die Regierungspartei - sie haben die sogenannten Grünen Wächter. Dann folgten die anderen Parteien", so der Politologe. "Die Oppositionspartei Civic United Front (CUF) hat dann die Blauen Wächter ins Leben gerufen und CHADEMA die Roten. Diese Gruppen sind gefährlich, weil sie während der Wahlen zu Gewalt aufstacheln könnten."

Angesichts der angespannten Sicherheitslage haben sich religiöse Führer öffentlich gegen Gewalt ausgesprochen und zu friedlichen Wahlen aufgerufen.

Die halbautonome Region Sansibar wird am Sonntag ebenfalls an die Wahlurnen gebeten: Neben dem tansanischen Präsidenten und Parlament wird dort auch ein eigener Präsident und Parlament gewählt. Auch hier wird ein heißer Kampf zwischen regierender CCM und Oppositionspartei CUF erwartet.

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