Zwei Palästinenser bei neuen Unruhen an Gaza-Grenze erschossen | Aktuell Nahost | DW | 20.04.2018
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Naher Osten

Zwei Palästinenser bei neuen Unruhen an Gaza-Grenze erschossen

Die schlimmste Eskalation der Gewalt seit dem Gaza-Krieg 2014 ebbt auch nach Wochen nicht ab. Israel sieht sich am 70. Jahrestag seiner Staatsgründung herausgefordert durch palästinensische Massenproteste.

In der vierten Woche in Folge sind Tausende Palästinenser wieder den Aufrufen zu Massenprotesten an der Grenze zu Israel gefolgt. Zwei Palästinenser sterben durch Kugeln israelischer Soldaten, eines der Opfer war laut palästinensischem Gesundheitsministerium ein Behinderter. Die Zahl der Verletzten stieg stündlich an. Damit sind bei den Unruhen insgesamt mindestens 37 Palästinenser getötet worden, Hunderte wurden angeschossen.

Israel setzte währenddessen seine Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen des jüdischen Staats fort. Die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kam zu einer festlichen Kabinettssitzung in Tel Aviv zusammen. "Wir sind sicher, dass wir die Fähigkeit haben, uns selbst zu verteidigen", erklärte Netanjahu. Dies sei "die Essenz der Unabhängigkeit".

Flucht und Vertreibung

Die Palästinenser betrachten diese Staatsgründung als historische "Katastrophe", weil seit 1948 Hunderttausende von ihnen fliehen mussten oder vertrieben wurden. Die Israelis sind für sie eine Besatzungsmacht. Mobilisiert wird daher zu einem "Marsch der Rückkehr". Sie pochen auf ein "Recht auf Rückkehr" in das heutige israelische Staatsgebiet. Israel lehnt dies ab. Die Proteste im von der radikalislamischen Hamas beherrschten Gazastreifen sollen zunächst bis zum 15. Mai dauern.  

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet. Die Palästinenser begehen den 15. Mai als Nakba-Tag ("Tag der Katastrophe"), an dem die Vertreibung begann. Am 14. Mai wollen die USA zudem ihre neue Botschaft in Jerusalem eröffnen.

Angriff mit Drachen

Junge Palästinenser zündeten bei den Auseinandersetzung am Freitag wieder Dutzende Autoreifen an und warfen mit Brandsätzen und Steinen. Sie präparierten zudem Hunderte Lenkdrachen, die sie Richtung Israel steuerten - mit brennenden Flüssigkeiten sowie Parolen in arabisch und hebräisch. Eine der Botschaften an Israel: "Zionisten: Es gibt keinen Platz für Euch in einem palästinensischen Land".

Gaza Proteste (Getty Images/S. Khatib)

Radikale Palästinenser steuern Drachen mit Brandsätzen über die Grenze nach Israel

Bei ähnlichen Aktionen in den vergangenen Tagen hatten mehrfach Felder in Israel Feuer gefangen, wie die Zeitung "Times of Israel" berichtete. Nach Augenzeugenberichten feuerten israelische Soldaten am Freitag massiv auf die Drachen.

Die israelische Armee hatte die palästinensische Bevölkerung davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu nähern. Von einem Flugzeug aus wurden Flugblätter über dem Küstengebiet abgeworfen. "Die Terrororganisation Hamas nutzt Euch aus, um Terroranschläge zu verüben", hieß es darauf. Verbunden wurde dies mit der Drohung, man werde keine Beschädigung der israelischen Sicherheitseinrichtungen dulden.

SC/sti (APE, dpa, afp)

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