Zwei Frauen schreiben Darts-Geschichte | Sport | DW | 12.12.2018
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Darts-WM

Zwei Frauen schreiben Darts-Geschichte

Bei der an diesem Donnerstag beginnenden WM im "Ally Pally" in London gehen mit Lisa Ashton und Anastasia Dobromyslova auch zwei Frauen an den Start - eine kleine Sensation in der Männerdomäne Darts.

UK Lakeside Darts Meisterschaft | Lisa Ashton (picture-alliance/Actionplus)

Frauen-Darts-Weltmeisterin Lisa Ashton tritt erstmals im "Ally Pally" an

"Wir haben es nicht getan, um gut auszusehen", sagt Barry Hearn, Chef des Darts-Profiverbands PDC. "Es sollte keine Einschränkungen in einer Sportart geben, die auf Können basiert. Wir werden herausfinden, wie gut sie sind. Und einige dieser Mädchen können wirklich spielen." Die PDC richtet immer zum Jahresende die inzwischen schon fast legendäre Darts-WM aus. Ab diesem Donnerstag fliegen im Londoner Alexandra Palace - im Volksmund "Ally Pally" genannt - die Pfeile, am 1. Januar steigt das Finale. Erstmals sind im Feld der 96 Starter zwei Plätze für Frauen reserviert. "Wir leben in einer Zeit des Wandels", sagt Hearn, der das Image der Darts-WM als testosteronschwangere Party ändern will. Deshalb wird es auch keine "Walk-On-Girls" mehr geben, jene leicht bekleideten Mädchen, die bisher die männlichen Darts-Stars zum Wettkampf auf die Bühne des "Ally Pally" begleiteten.

Mehrfache Weltmeisterinnen

Die beiden Frauen, die bei der bevorstehenden WM in London Darts-Geschichte schreiben, sind die Britin Lisa Ashton und die Russin Anastasia Dobromyslova. Sie haben sich für das Turnier qualifiziert. Die 48 Jahre alte Ashton ist die aktuelle Frauen-Darts-Weltmeisterin, viermal hat sie diesen Titel bereits gewonnen. Auch die 34-jährige Dobromyslova war schon dreimal Weltmeisterin. Die Russin war 2009 sogar schon einmal im "Ally Pally" mit dabei, als zweite Frau nach der Kanadierin Gayl King 2001 - beide hatten jeweils eine Wild Card für das Männer-Event erhalten.

UK William Hill World Darts Meisterschaft | Rob Cross und Anastasia Dobromyslova (picture-alliance/empics/Y. Mok)

Anastasia Dobromyslova mit WM-Titelverteidiger Rob Cross aus Großbritannien

"Ich mache mir schon ein bisschen Gedanken, weil man nie voraussagen kann, wie man empfangen wird und wie man sich auf der Bühne präsentieren kann", sagt Dobromyslova. "Ich habe zwar schon mal dort gespielt, aber das ist fast zehn Jahre her. Es ist also, als würde ich wieder von vorne anfangen." Zudem war ihre Jahresbilanz bisher nicht so gut, wie sie selbst es sich vorgestellt hatte.

Jahrelang für Niederlage gegen Frau gehänselt

Bei Ashton sieht das anders aus: Die Britin hat am vergangenen Wochenende ihr neuntes Turnier in diesem Jahr gewonnen, inklusive Frauen-WM. Sie ist in Top-Form. Doch halten auch ihre Nerven? "Ich bin aufgeregt, weil es die Chance meines Lebens ist", räumt Ashton ein. "Aber es ist schon etwas ganz anderes als das, was ich sonst gewohnt bin." Sie werde versuchen, "einfach da raufzugehen und es zu genießen". Ashton trifft am Donnerstag auf Jan Dekker, der immerhin bei der WM 2011 bis ins Halbfinale kam und am Ende Dritter wurde. "Es wird richtig schwer", sagt der 28 Jahre alte Niederländer vor dem Duell der ersten K.o.-Runde mit Ashton. "Es ist ein Spiel, bei dem ich eigentlich nur verlieren kann." Dekker denkt dabei wohl an seinen Landsmann Vincent van der Voort, der 2009 beim "Grand Slam of Darts" in Wolverhampton gegen Anastasia Dobromyslova unterlag und dafür noch Jahre später von seinen männlichen Kollegen gehänselt wurde. Dobromyslova spielt am kommenden Montag gegen den 33-Jahre alten Briten Ryan Joyce um den Einzug in die zweite Runde.

Eine halbe Million Pfund für den Titel

UK | Darts WM Finale | Sieger Michael van Gerwen (picture-alliance/dpa/PA Wire/S. Paston)

WM-Top-Favorit Michael van Gerwen

Noch vor einem Jahr hatte Darts-Superstar Michael van Gerwen auf Twitter die Frage, ob eine Frau im Darts jemals einen männlichen Top-Spieler schlagen könne, kurz und knapp mit Nein beantwortet. Inzwischen äußert sich der 29 Jahre alte Niederländer, der 2014 und 2017 Weltmeister war und von den Buchmachern als Top-Favorit auf den Titel gehandelt wird, etwas differenzierter. "Warum sollte eine Frau nicht so gut sein wie ein Mann?", sagte van Gerwen kürzlich. "Ich möchte nicht gegen eine Frau verlieren, aber ich verliere auch sonst nicht gerne gegen irgendjemanden." Dem Sieger in "Ally Pally" winkt ein Preisgeld von 500.000 englischen Pfund (rund 550.000 Euro). Bereits ein Sieg in der ersten Runde wird mit 12.000 Pfund belohnt. Zum Vergleich: Genau diese Summe erhielt Lisa Ashton im vergangenen Januar für ihren Frauen-Weltmeistertitel.

"Die Männer, die in diesem Jahr bei der Weltmeisterschaft gegen die Frauen spielen, stehen unter Druck", sagt PDC-Chef Barry Hearn. "Ich möchte ihnen nichts Schlechtes wünschen, aber aus kommerzieller Sicht wäre es großartig, wenn eine Frau einen Mann auf der "Ally Pally"-Bühne schlagen würde. Es wäre ein Signal an alle Frauen da draußen, dass es für sie einen Weg an die Spitze gibt, wenn sie sich entsprechend reinhängen."

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