Zwei ″Cumhuriyet″-Journalisten unter Auflagen freigelassen | Aktuell Europa | DW | 10.03.2018
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Pressefreiheit

Zwei "Cumhuriyet"-Journalisten unter Auflagen freigelassen

Während zwei "Cumhuriyet"-Journalisten nach mehr als 400 Tagen freigelassen wurden, soll der frühere Chefredakteur Can Dündar wegen Spionage angeklagt werden.

Der Chefredakteur Murat Sabuncu und der Enthüllungsjournalist Ahmet Sik (Artikelbild) der regierungskritischen türkischen Zeitung "Cumhuriyet", Murat Sabuncu und Ahmet Sik, konnten nach einem Gerichtsbeschluss das Gefängnis in Istanbul verlassen. Die Anklage gegen sie wurde aber aufrechterhalten. Zudem dürfen sie nicht das Land verlassen. Der Prozess soll kommende Woche fortgesetzt werden.

Türkei Murat Sabuncu in Istanbul (Reuters)

Murat Sabuncu (r) bei seiner Freilassung in Istanbul

Das Verfahren gegen insgesamt 17 "Cumhuriyet"-Mitarbeiter ist umstritten. Die Journalisten sind wegen Terrorverdachts angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, der verbotenen Bewegung des islamischen Predigers Fethullah Gülen anzugehören, die von Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch von Juli 2016 verantwortlich gemacht wird. Die Angeklagten, denen laut der Organisation Reporter ohne Grenzen bis zu 43 Jahre Haft drohen, weisen alle Vorwürfe zurück.

Strafe für Can Dündar zu "milde“

Unterdessen fordert das türkische Berufungsgericht eine längere Haft für den früheren "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar, der inzwischen in Deutschland lebt. Das höchste türkische Revisionsgericht hat die fünfjährige Haftstrafe wegen Geheimnisverrats gegen den früheren "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar als zu milde kassiert.

Can Dündar (Getty Images/S. Gallup)

Lebt inzwischen in Deutschland: Can Dündar (Archivbild)

Der Journalist muss nach Auffassung des Gerichts wegen "Spionage" verurteilt werden, wie die amtliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldet. In diesem Fall drohen Dündar 15 bis 20 Jahre Haft.

Dündar war im Mai 2016 unter dem Vorwurf des Geheimnisverrats zu fünf Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Grund war ein Artikel in der Wochenzeitung "Cumhuriyet" aus dem Jahr 2014. Darin ging es um mutmaßliche Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an islamistische Rebellen in Syrien. 

"Die Beweise stehen in der Zeitung“

Dündar war gegen das Urteil in Berufung gegangen. Nachdem er während des Revisionsverfahrens auf freien Fuß gesetzt worden war, reiste er im Juli 2016 nach Deutschland aus. Er äußert sich in Texten und Interviews immer wieder kritisch über die Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

In einer Stellungnahme in dem deutsch-türkischen Online-Magazin "Özgürüz" erklärte Dündar, das Berufungsgericht werde nun Beweise suchen. "Aber die Beweise sind in der Zeitung, in den Nachrichten, die wir schrieben." Dündar ist Gründer des Online-Magazins.

jmw/pg/jj/stu (dpa, afp)

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