Zurück zum neunjährigen Gymnasium | Deutschlehrer-Info | DW | 12.07.2018
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Deutschlehrer-Info

Zurück zum neunjährigen Gymnasium

Das „Turbo-Abitur“ in Nordrhein-Westfalen wird weitgehend abgeschafft. Damit folgt NRW dem Beispiel anderer Bundesländer. Doch zu einer einheitlichen Regelung konnte man sich nicht entschließen.

Als ab dem Jahr 2003 die meisten Bundesländer die Schulzeit an Gymnasien von 9 auf 8 Jahre verkürzten, versprach man sich davon, dass die Schülerinnen und Schüler früher zu arbeiten anfangen und somit mehr Steuern und Sozialabgaben zahlen. Auch im internationalen Vergleich war eine Schulzeit von 13 Jahren, wie sie bis dahin in Deutschland üblich war, sehr lang.

Das sogenannte „Turbo-Abitur“ nach 12 Jahren Schulzeit war von Anfang an umstritten. Es gab immer wieder viel Widerstand und Protest seitens Eltern und Lehrern. Vor allem wurde kritisiert, dass die Schülerinnen und Schüler zu viel Stoff in zu kurzer Zeit lernen müssen. Seit einigen Jahren kehren nun verschiedene Bundesländer zu einem Abitur nach 9 Jahren Gymnasium zurück. Der Landtag des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Nordrhein-Westfalen besiegelte jetzt mit den Stimmen der Regierungsfraktionen von CDU und FDP die Abkehr vom achtjährigen Turbo-Abitur.

G9 in NRW ab 2019

In NRW startet die Umstellung zu G9 an öffentlichen Gymnasien im Schuljahr 2019/20 mit den Fünft- und Sechstklässlern. Das sind die derzeitigen Dritt- und Viertklässler an den Grundschulen. Der erste reguläre G9-Jahrgang macht dann 2027 Abitur. Schüler, die derzeit ein öffentliches Gymnasium besuchen, bleiben aber im G8-Modus.

Bis Ende des Jahres können sich die Gymnasien einmalig entscheiden, ob sie bei G8 bleiben. Laut Prognose von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) werden weniger als zehn Prozent der Gymnasien an G8 festhalten. In NRW gibt es insgesamt 511 öffentliche Gymnasien mit etwa 433 000 Schülern. Hinzu kommen 114 Gymnasien in freier Trägerschaft, etwa der Kirchen. Diese Schulen können frei entscheiden, ob sie G8 oder G9 wollen.  

Zentrale Prüfungen für die mittlere Reife 

Neu ist, dass an den G9-Gymnasien die Schüler künftig am Ende der zehnten Klasse zentrale Prüfungen für die Mittlere Reife ablegen müssen. An G8-Gymnasien erwerben Schüler die Mittlere Reife wie bisher durch Versetzung in die elfte Klasse. Die zweite Fremdsprache wird wieder in der siebten Klasse statt schon in der sechsten Klasse eingeführt.

Allein die Bau- und Ausstattungskosten bei der Umstellung auf das neunjährige Gymnasium werden bis 2026 auf 518 Millionen Euro geschätzt. Hinzu kommen etwa 115 Millionen Euro an jährlichen Kosten für rund 2300 zusätzliche Lehrer.

Große Unterschiede in den Bundesländern 

Die deutschen Bildungsgänge sind alles andere als einheitlich. Das zeigt ein Blick in andere Bundesländer. Bayern stellt ab dem neuen Schuljahr 2018/19 mit den Klassen 5 und 6 auf G9 um. In Baden-Württemberg läuft ein G9-Versuch an 44 Gymnasien. Niedersachsen hat die flächendeckende Rückkehr zu G9 bereits 2015/16 eingeleitet. In Hessen herrscht Wahlfreiheit zwischen G8 und G9. Schleswig-Holstein kehrt ab 2019 flächendeckend zurück zu G9.

In den östlichen Bundesländern gilt nach wie vor die zwölfjährige Schullaufbahn bis zum Abitur. In Berlin und Hamburg wird an den Gymnasien das Abitur nach acht Jahren abgelegt, ebenso in Bremen.

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