Zum Mond und zurück: Die ″Mondscheinsonate″ von Beethoven | Musik | DW | 06.09.2019
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Beethovenfest

Zum Mond und zurück: Die "Mondscheinsonate" von Beethoven

Erstaunlich wenig hat die Mondscheinsonate mit dem Mond zu tun. Trotzdem ist es eines der berühmtesten Klassik-Stücke und prägt das Bonner Beethovenfest 2019. Und: Sie war tatsächlich auf dem Mond.

"Es ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit", sagte Neil Armstrong, der als erster Mensch im Juli 1969 den Mond betrat. An das Jubiläumsjahr der Mondlandung vor 50 Jahren hatte die Intendantin des Bonner Beethovenfestes, Nike Wagner, zwar nicht gedacht, als sie den "Mondschein" zum diesjährigen Motto erklärte, aber es kommt ihr sehr gelegen.

Intendantin des Beethoven Festivals - Nike Wagner (picture-alliance/dpa/O. Berg)

Intendantin Nike Wagner lässt die Mondscheinsonate in vielen Fassungen erklingen

"Der Mond ist gerade in Mode. Das ist doch wunderbar", sagt sie im DW-Interview. Namensgeber für das eingängige und publikumswirksame Motto ist ein bekanntes Klavierwerk Ludwig van Beethovens. "Bei der Mondscheinsonate können Sie im Internet nachschauen, da gibt es Millionen von Klicks. Die Mondscheinsonate verbindet jeder mit Beethoven".

Die Faszination des Mondes

Die Faszination für den Mond ist so alt wie die Menschheit. Bei den alten Griechen und Römern erscheint der Mond als Herrschersymbol. In der christlichen Ikonografie schmückt er als Sichel Marienbilder und steht für Heil und göttliche Offenbarung.

Bild von Galileo Galilei mit seinem Teleskop(Getty Images/Hulton Archive)

Der Astrophysiker Galileo Galilei sah den Mond mit seinem Teleskop ganz nah

1609 soll Galileo Galilei durch sein Teleskop zum ersten Mal die unebene Mondoberfläche erkannt haben. Zahlreiche Künstler, Musiker, Schriftsteller und Filmemacher haben das Thema "Mond" in ihren Werken aufgegriffen.

Romantische Verklärung im Mondschein und angsteinflößende Dämonen auf der Schattenseite: Der Mond hat zwei Gesichter. "Die Nacht auf dem kahlen Berge" von dem russischen Komponisten Modest Mussorgski lässt Zuhörer erschauern, auch beim Beethovenfest. Den romantischen Zauber hat der Maler Caspar David Friedrich 1819 in seinem berühmten Gemälde "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes" eingefangen. Zu sehen ist Friedrichs Gemälde in der Ausstellung "Mondsüchtig" im Albertinum in Dresden.

Gemälde Caspar David Friedrich - Zwei Männer in Betrachtung des Mondes (Gemeinfrei)

Eins der berühmtesten Bilder von Caspar David Friedrich: "Zwei Männer in Betrachtung des Mondes"

Die Mondscheinsonate heißt eigentlich anders

Mit ihrer melancholischen Stimmung gilt Beethovens Mondscheinsonate als Vorläufer der musikalischen Romantik."Beethoven hat sie nicht selber so genannt", erklärt Nike Wagner. "Er hat sie 'Quasi Una Fantasia' genannt, weil er die traditionellen Satzfolgen vertauscht hat." Normalerweise beginnt eine Sonate mit einem schnellen Satz. Für seine cis-Moll Sonate von 1801 aber wählte Beethoven zu Beginn ein gemächlicheres Tempo. "Dieses erste Adagio der Mondscheinsonate hat sich in das Gedächtnis der ganzen Welt eingeprägt, und es ist ein wunderschöner Satz, der sehr viel von träumerisch-romantischer Ich-Bezogenheit hat", so Wagner.

Gemälde das Giulietta Guicciardi zeigt(picture-alliance/akg-images/Beethoven-Haus Bonn)

Für seine Klavierschülerin Giulietta Guicciardi soll Beethoven die Mondscheinsonate geschrieben haben

Erst einige Jahre nach Beethovens Tod verband der Dichter und Musikschriftsteller Ludwig Rellstab den ersten Satz der Sonate mit einer Bootsfahrt bei Nacht auf einem See. Es war denn auch Rellstab, der den Namen "Mondscheinsonate" prägte. 

Die Nacht gehört zum Mond

Mond- und Nachtmusiken gibt es nicht erst seit der Romantik. Der Barockkomponist Antonio Vivaldi schrieb 1728 sein Nachtkonzert "La Notte" für Flöte und Orchester. Anders als in der Romantik ging es dem Komponisten nicht darum, ein Naturereignis emotional zu interpretieren, sondern die Klänge der Natur - Gewitter, Wind oder eben die dunkle Nacht - nachzuempfinden. "Die Nacht an sich, 'nux' wird sie ja im Griechischen genannt, personifiziert die Mutter von Himmel und Erde und die Tochter des Chaos" erläutert die Blockflötistin Dorothee Oberlinger, die ebenfalls beim Beethovenfest auftritt.

Dorothee Oberlinger Portraitfoto (Johannes Ritter)

Ganz im nächtlichen Grau: die Block-Flötistin Dorothee Oberlinger

Aus ihrem neuen Album "Night Music" spielt Oberlinger besagtes Nachtkonzert von Antonio Vivaldi, das tonmalerisch die düsteren Seiten der Nacht heraufbeschwört. "Es beginnt mit dem pochenden Herzen in der Flöte und den Streichern", beschreibt Dorothee Oberlinger das Stück, "dann kommen die Gespenster und verbreiten Angst." Ruhiger ist der Teil, den Vivaldi mit "Der Schlaf" überschrieben hat. Doch im Morgengrauen kehren die Gespenster zurück und verbreiten ein "musikalisches Chaos".

Vom beschaulichen Schlaflied über die Heimlichkeiten der Liebenden in der Nacht, rauschende Feste im Mondenschein bis hin zur Weihnachtsmusik hat die Flötistin Oberlinger alle Facetten der Nacht gemeinsam mit dem italienischen Ensemble Sonatori de La Gioiosa Marca eingespielt. Aufgenommen haben sie die CD übrigens bei Nacht in einer Kirche in den italienischen Weinbergen. "Wir nehmen meistens in der Nacht auf, weil die Stimmung dann sehr intim ist, und man sehr konzentriert ist", beschreibt Dorothee Oberlinger die Atmosphäre. 

Beethovens Mondscheinsonate auf dem Mond 

Die Sehnsucht nach dem Mond ist immer wieder auch verbunden mit der Sehnsucht nach einer besseren Welt. Mit der Mondlandung von Apollo 11 vor 50 Jahren war allerdings klar, dass dort kein Leben möglich ist.

Beethovens "Mondscheinsonate" war auch schon einmal auf dem Mond. Fasziniert von der Technologie, über Funk Geräusche vom Mond auf der Erde zu empfangen, schickte die Künstlerin Katie Paterson 2007 für ihr Projekt"Earth-Moon-Earth"die Töne der Mondscheinsonate als Morsezeichen verschlüsselt zum Mond. Die Signale, die von der Mondoberfläche reflektiert zur Erde zurückkamen, ließ sie decodieren und wieder in Töne umwandeln.

Die Erde von Mond aus gesehen (picture-alliance/dpa/NASA/CNP)

Von der Erde zum Mond und zurück ist die Mondscheinsonate gereist

Einige Töne der Mondscheinsonate gingen beim Echo verloren, verschwunden in den tiefen Kratern des Mondes. Ein selbst spielendes Klavier gibt die gespenstisch anmutenden Bruchstücke der Sonate wieder, was dem Stück einen sphärisch entrückten Klang verleiht.

In der Salzburger Ausstellung "Fly to the Moon" ist "Earth-Moon-Earth" auf einem Player Piano noch bis November zu sehen und zu hören. Alle anderen Versionen der Mondscheinsonate und viele weitere Mond-Musiken von Antonio Vivaldi bis Arnold Schönberg stehen auf dem Programm des Beethovenfests vom 6. bis zum 29. September.

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