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Zuckerbrot und Peitsche

27. August 2013

Während der afghanische Präsident in Pakistan Unterstützung für Friedensgespräche mit den Taliban erbittet, zeigen diese einmal mehr ihr hässliches Gesicht. Zivilisten sind - wie so oft - die Opfer.

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Talibankämpfer in der afghanischen Provinz Nangarhar (Foto: imago stock&people)
Bild: imago stock&people

Die radikalislamischen Taliban haben zwölf afghanische Zivilisten gekidnappt und exekutiert, darunter fünf Entwicklungshelfer. Das Internationale Rettungskomitee (IRC) mit Sitz in New York teilte mit, fünf seiner einheimischen Mitarbeiter seien am Sonntag in der westlichen Provinz Herat entführt und am Montag von ihren Kidnappern getötet worden. Ein sechstes Opfer war ein afghanischer Regierungsmitarbeiter, der das IRC-Team begleitete.

Leichen ins örtliche Krankenhaus gebracht

"Ihr Taxi wurde von Bewaffneten angehalten und gezwungen, zu einem anderen Ort zu fahren", erklärte das IRC. Am Montagabend hätten die Geiselnehmer die Leichen dann zu einem örtlichen Krankenhaus gebracht. Über die Hintergründe gebe es keine Informationen. Die Organisation arbeitet seit 1988 in Afghanistan. Nach dem Überfall seien die Einsätze vorübergehend gestoppt worden, hieß es in einer Erklärung. In der östlichen Provinz Paktia wurden am Montag zudem die Leichen von sechs entführten Lastwagenfahrern gefunden, wie die Behörden mitteilten.

Der afghanische Präsident Karsai und Pakistans Ministerpräsident Sharif bei ihrem Treffen am 26.08.2013 in Islamabad (Foto: AFP/Getty Images)
Versuch der Annäherung: der afghanische Präsident Karsai (l.) und Pakistans Regierungschef SharifBild: AFP/Getty Images

Afghanistans Präsident Hamid Karsai, der sich derzeit zu Gesprächen in Pakistan aufhält, verurteilte die Morde scharf. Mit der Hinrichtung unschuldiger Ingenieure und Arbeiter zeigten die radikal-islamischen Aufständischen und ihre Verbündeten, dass sie wünschten, dass "Afghanistan für immer ein abhängiges und armes Land bleibt", erklärte Karsai.

Nummer zwei der afghanischen Taliban

Der afghanische Präsident sucht in Pakistan nach Unterstützung für mögliche Friedensgespräche mit den Taliban. Tatsächlich sagten Regierung und Militärführung in Islamabad Karsai inzwischen diese Hilfe zu. Der neue Premierminister Nawaz Sharif und Armeechef Ashfaq Parvez Kayani betonten, sie wollten die radikal-islamischen Kräfte zu direkten Gesprächen mit der Führung in Kabul bewegen. Die Aufständischen lehnen das bisher ab, weil sie Karsai für einen Handlanger der USA halten.

Wie in Islamabad weiter bekannt wurde, will Pakistan auch gefangene afghanische Taliban freilassen. Es blieb jedoch unklar, ob auch Mullah Abdul Ghani Baradar frei kommen könnte. Dieser war zum Zeitpunkt seiner Festnahme in der pakistanischen Hafenstadt Karachi Anfang 2010 die Nummer zwei der afghanischen Taliban. Kabul hatte Pakistan im vergangenen Jahr um die Freilassung aller in dem Nachbarland inhaftierten Taliban gebeten. Mit dem Schritt soll ein Verhandlungsprozess mit den Aufständischen gefördert werden. "Es wird etwas dauern, bis etwas passiert. Die Pläne stecken noch ganz am Anfang", erklärte dazu ein pakistanischer Regierungsvertreter.

sti/se (afp, ape, dpa)