Zu wenig digitale Inhalte im Lehramtsstudium | Deutschlehrer-Info | DW | 24.05.2018
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Deutschlehrer-Info

Zu wenig digitale Inhalte im Lehramtsstudium

Das aktuelle Lehramtsstudium in Deutschland lässt sich gut ohne digitale Inhalte überstehen: Seminare zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht sind meist nicht verpflichtend. Das hat jetzt eine Studie herausgefunden.

Für zu viele angehende Lehrer ist der Erwerb digitaler Medienkompetenzen noch immer nicht verpflichtend. Eine Befragung von bundesweit 63 Hochschulen zeigt, dass die meisten Lehramtsstudenten ihr Studium erfolgreich abschließen können, ohne sich mit digitalen Medien und ihrem sinnvollen Einsatz als Unterrichtswerkzeug beschäftigt zu haben. Das fand eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung heraus.

An den meisten Hochschulen gebe es nur in einzelnen Studienfächern Pflichtkurse zu dem Thema, nicht jedoch schulform- oder fächerübergreifend. In Lehramtsstudiengängen für das Gymnasium sehen demnach beispielsweise lediglich sieben von insgesamt 60 Hochschulen in allen Fächern verpflichtende Lehrveranstaltungen zum Einsatz digitaler Medien vor. Zur medienpädagogischen Grundbildung aller Lehrer, wie sie in einer zunehmend digitaler werdenden Gesellschaft notwendig sei, sei es damit noch ein weiter Weg, kritisieren die Bildungsforscher.

Zu wenige Pflichtveranstaltungen

Nur an etwa der Hälfte der Universitäten gäbe es verpflichtende Veranstaltungen zu digitalen Inhalten in einzelnen Fächern, sagt Bianca Brinkmann, Autorin der Studie. Viele Angebote seien im Wahlpflichtbereich oder im individuellen Ergänzungsbereich angesiedelt. „Wenn ich es nicht unbedingt möchte, muss ich es nicht machen“, sagt sie.

Für Bianca Brinkmann hat die Schule die Aufgabe, „die Schülerinnen und Schüler auf die Digitalisierung vorzubereiten und auf die Teilhabe an einer zunehmend digitalisierten Welt. Das heißt, sie darf natürlich selbst kein Paralleluniversum darstellen, in dem diese Medien dann überhaupt nicht vorkommen.“ Digitale Medien böten aber auch bei aktuellen Herausforderungen wie Inklusion oder der Integration und Bildung von Geflüchteten große Chancen.

Zugang zum Internet für alle Schüler bis 2021?

Damit deutsche Schulen beim Thema Digitalisierung nicht den Anschluss verlieren, hatte sich die Kultusministerkonferenz Ende 2016 darauf verständigt, bis 2021 allen Schülern Zugang zum Internet und einer digitalen Lernumgebung zu ermöglichen. Damit eine solche technische Ausstattung auch wirksam sei, brauche es geschulte Lehrkräfte. Die Studienautoren sehen dabei auch die Bundesländer in der Pflicht, den Hochschulen strengere Vorgaben zu machen als bislang.

Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung widmet sich in der Qualitätsoffensive Lehrerbildung diesem Thema. Doch bis die aktuell studierenden in die Schulen kommen, kann es noch Jahre dauern. Deshalb sei es ebenso wichtig, die Lehrerfortbildung auf digitalem Gebiet voranzutreiben.