Zu süß und zu fett: Was liegt wirklich im Osternest? | Wissen & Umwelt | DW | 29.03.2018
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Wissen & Umwelt

Zu süß und zu fett: Was liegt wirklich im Osternest?

Am Ostersonntag beginnt wieder die Suche nach den Osternestern. Doch auch wenn Kinderaugen leuchten, sollten wir uns bewusst sein, dass auch ein Schokoladenhase zwei Seiten hat. Und nur eine davon ist einfach nur süß.

Am Sonntag ist es wieder so weit. Kinder pressen sich die Nase an den Fenstern ihrer Kinderzimmer platt und versuchen mit großen Augen, ihn zu sehen, wie er durch das Gras stromert und kleine bunte Eier versteckt. So gut, dass man sie nicht gleich sieht, aber auch nicht gut genug, dass man sie erst im nächsten Jahr finden wird. Er ist ja ein Netter.

Sicherlich werden alle diese Kinder ihn auch an diesem Sonntag nicht zu Gesicht bekommen, denn er ist flink, er schlägt Haken. Er weiß sich unter dichtes Gras zu kauern. Will er vielleicht nicht gesehen werden, werden sie sich fragen. Ist er vielleicht scheu? Oder spielt er einfach sehr gern verstecken? Am Ende wird es den Kindern mit den platten Nasen und den großen Augen egal sein können, denn sie werden ihre kleinen Nester sicher entdecken und darin, neben anderen Süßigkeiten, zumindest den süßen, kleinen Bruder vom Osterhasen, den Schokoladenosterhasen.

Infografik Bestandteile Osterhase DEU

Ein Osterhase im Osternest besteht in erster Linie aus Zucker. An zweiter Stelle steht Fett.

Die süße und die andere Seite

Damit könnte die Geschichte zu Ende sein. Die Kinder schlagen sich die Bäuche voll. Aber womit sie das tun, mit der Schokolade nämlich, ist nicht ganz ohne. Denn Schokolade hat einen im übertragenen Sinne ziemlich bitteren Nachgeschmack.

Problem: Zucker

Schokohasen bestehen vor allem aus Zucker. 202 Millionen dieser zuckersüßen Hoppler haben Schokoladenproduzenten im vergangenen Jahr allein in Deutschland hergestellt, zeigt der Statistikdienst Statista.

Aber warum enthalten sie so viel Zucker, sollte nicht viel eher Schokolade im Hasen sein?

"Zucker ist schlichtweg ein preiswerter Rohstoff im Vergleich zu Kakaobohnen", sagt Mandy Hecht. Die promovierte Chemikerin ist Inhaltsstoffexpertin bei der Online-Produktdatenbank CodeCheck. Die empfohlene Höchstmenge an Zucker, die ein Kind am Tag zu sich nehmen sollte, liege bei 45 Gramm. Ein durchschnittlicher Schokoladenhase (siehe Grafik) überschreite den Wert zum Teil deutlich, so Hecht. "Besonders zuckerhaltig ist übrigens Vollmilchschokolade. Als wesentlich zuckerärmer und auch gesünder gilt dunkle Schokolade."

Billigen Zucker gibt hierzulande im Überfluss – die anderen Schokohasen-Zutaten kommen aus fernen Ländern.

Osterhasen sehen aus wie Bodybuilder (picture-alliance/dpa/P. Pleul)

Sie sehen süß aus und sind es auch, sehr süß

Problem: Kakao(butter)

Wer als Kunde den Schokohasen kauft, macht sich oft keine Gedanken darüber, woher die Rohstoffe für den süßen Snack kommen. Das Land, das mit Abstand den meisten Kakao weltweit produziert, ist die Elfenbeinküste. Rund 75 Prozent der geernteten Kakaobohnen kommen von hier.

Im Erntejahr 2016/17 wurden insgesamt rund 4,7 Milliarden Tonnen der auf riesigen Plantagen angebauten Früchte geerntet. Oft sind es Kinder, die die Kakaobohnen ernten. Konzernen ist das Problem durchaus bewusst, sie versuchen zum Teil gegenzusteuern, indem sie selbst ins Plantagengeschäft einsteigen, oder versprechen, nur noch von Plantagen zu kaufen, die ohne Kinderarbeit produzieren.

Nahaufnahme einer Palmöl-Frucht (DW/K. Döhne)

Ein weiteres Schokoladenübel - so sieht eine Frucht der Ölpalme aus. Für sie und Kakaopflanzen werden große Flächen Regenwald gerodet

Problem: Palmöl

Sowohl für Kakao, aber auch für Palmöl, das oft für Schokoladenprodukte verwendet wird, braucht man riesige Landflächen. Die werden oft auf ökologisch fragwürdige Weise gewonnen. In Peru zum Beispiel versuchen ausländische Investoren, sich im großen Stil Land anzueignen. Ist es einmal in ihrem Besitz, verschwindet der Amazonas-Regenwald. Gerodet wird dann für immer neue Anbaugebiete. Dass dabei auch gewaltsam Indigene aus ihren angestammten Gebieten vertrieben werden, nehmen die Investoren zumindest in Kauf.

Das Palmöl, das auf solchen Plantagen angebaut wird, ist am Ende auch nur ein billiger Rohstoff, der die teurere Kakaobutter ersetzt, sagt Mandy Hecht.

"Generell scheint Palmöl nicht in reinen Schokoladenprodukten, Osterhasen zum Beispiel, enthalten zu sein", so Hecht. "Die hätten sonst nicht den charakteristischen Schmelz, der nur durch einen hohen Anteil von Kakaobutter entsteht."

Kakaobutter schmelze schon bei sehr niedriger Temperatur, bei etwa 28°C. Palmöl dagegen erst bei bis zu 45 Grad. Deshalb stecke es vor allem in Produkten mit Füllungen oder in Gebäck.

Aluminium Aluminiumfolie (Imago)

Alufolie: Ihre Herstellung ist in jeder Hinsicht umweltschädlich, aber Recycling ist möglich

Problem: Verpackung

Wenn innen schon nicht alles grün und sauber ist, wie sieht es dann mit der bunten Hasenhülle aus, die so verlockend aus dem Osternest hervor blitzt?

Sie ist extrem leicht, biegsam, hält Hitze und Kälte aus und schmiegt sich in allen möglichen Farben an den Schokoladenkörper. Leider hat das Aluminium, das hier im Einsatz ist, ähnlich dubiose Seiten, wie der Stoff, den es verhüllt.

Aluminium kann nicht frei in der Natur gewonnen werden. Es tritt immer in Verbindung mit anderen Stoffen auf, vor allem mit dem Erz Bauxit. Es besteht zu 60 Prozent aus Aluminium. Die größten Vorkommen davon gibt es in Guinea und Australien, aber auch in China.

Jeder Produktionsschritt bei der Herstellung von Alufolie schädigt die Umwelt. Wie für Kakao- oder Palmölplantagen wird auch hier oft Regenwald gerodet, um an die Erze zu kommen. Bei der Produktion entsteht der Abfallstoff Rotschlamm, der Schwermetalle enthält und immer noch zu oft in Flüssen und Seen landet und dort die Ökosysteme zerstört. Außerdem ist das Verfahren zur Aluminiumgewinnung extrem energieaufwendig, es benötigt knapp 25 Mal mehr Energie als die Herstellung von Glas.

Ein Modell-Hase als Kunstprojekt, liegt auf einem Hügel (picture alliance/Photoshot/W. Qingqin)

Nun bleiben wir mal entspannt, Schokolade soll sein, aber vielleicht nicht allzu viel

Um des Schokohasens Kleider zumindest etwas ökologischer zu machen, könnte Recycling helfen. Allerdings gehen bislang nur etwa zwei Drittel aller Aluminiumreste zurück in den Kreislauf. Hier ist Potential, denn Aluminium lässt sich mit nur einem Bruchteil des Energieaufwandes bei der Neuproduktion vollständig recyceln.

Genuss ja, aber bewusst

Und nun? Lassen wir die Kinder lieber zuhause am Fenster sitzen und verbieten dem Osterhasen bunte Nester mit süßen Schokohasen zu verstecken? Natürlich nicht.

Wenn aber nicht in jedem Osternest mehrere Aluminium-umwickelte Schokoladenhasen landeten und wir beim Kauf von Schokoladenprodukten in Zukunft auf palmölfreie Produkte achteten, dann könnte das den Schokoladengenuss sicher erheblich steigern. 

Und wenn wir etwas weniger Schokolade und dafür mehr Obst oder bunt gefärbte Eier ins Nest stecken, haben alle etwas davon – sogar der Schokohase. Denn wer kriegt schon gern seine Ohren abgebissen…

Im Zeichen des Hasen:

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