Zitronensaft schützt vor Noroviren | Wissen & Umwelt | DW | 29.08.2015
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Wissen & Umwelt

Zitronensaft schützt vor Noroviren

Zitronensäure bindet an ansteckende Novoviren und hindert sie möglicherweise daran, menschliche Zellen zu infizieren. Und vielleicht ist die Zitrone sogar ein wirksames Desinfektionsmittel bei einer Epidemie.

Das Norovirus ist hochansteckend, wird über kontaminierte Hände oder verunreinigte Lebensmittel übertragen und verbreitet sich bei einer Epidemie rasend schnell. Die Infektion verläuft zwar selten tödlich, bringt aber immer schmerzhafte und unangenehme Symptome mit sich. Neben den grippeähnlichen Muskel- und Gliederschmerzen kommen Durchfall und Brechreiz hinzu. Besonders kleine Kinder leiden stark unter einer Noroviren-Infektion.

Bislang gibt es keinerlei Behandlung gegen diese Erreger. "Wenn Ärzte im Krankenhaus ein Norovirus diagnostizieren, können Sie als Patient nichts tun - außer es zu ertragen", sagt Grant Hansman, Virologe am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ).

Jetzt aber haben Hansman und seine Kollegen herausgefunden, dass einfache Zitronensäure, genauer gesagt das Citrat-Molekül in der Lage ist, Zellen vor einer Infektion zu schützen, in dem es gezielt an das Virus andockt.

Zitronensaft schützt

Mithilfe einer Röntgenstruktur-Analyse konnten die Forscher zeigen, dass sich das Citrat genau an die Stelle bindet, mit der das Virus normalerweise mit den gesunden Zellen in Kontakt tritt, um sie zu infizieren. Das Citrat bildet also eine Art Schutzwand zwischen Virus und Zelle.

Schon etwas Zitronensaft am Essen oder auf den Händen könnte ausreichen, um sich zu schützen, vermutet Hansman. Und auch wenn die Infektion schon im Körper ist, könnten Zitronen helfen.

Dr. Grant Hansman (Foto: DKFZ)

Virologe Grant Hansman

Vor einigen Jahren probierte es Hansman selbst. Nach einer unangenehmen Noroviren-Attacke trank er drei Gläser frisch gepressten Limonensaft.: "Vielleicht bin ich ja voreingenommen, aber ich hatte den Eindruck, dass meine Symptome sich verbesserten. Auf jeden Fall verging der Brechreiz", versichert der Virologe.

Zitronensaft spielt seit Generationen und Jahrhunderten eine Rolle bei der Reinigung von Oberflächen und auch in der Desinfektion von Lebensmitteln - nur, dass niemand die molekularen Mechanismen dahinter kannte. So gibt es bereits mit Citrat imprägnierte Taschentücher. In vielen Ländern reinigen sich Menschen die Hände vor und nach einer Mahlzeit mit Zitronensaft oder träufeln Zitrone auf Fisch, Austern oder Muscheln.

Vorsicht beim Muschelessen!

Das empfiehlt auch Hansman: "In Muscheln reichern sich allerhand Viren an, die auch durch Kochen nicht abgetötet werden".

Hansman hofft, dass Zitronensaft auch gegen andere Magen- und Darmviren wirkt. Mit Hilfe klinischer Studien will er herauszufinden, ob Citrat in Zukunft sogar als universales Breitband-Antiviren-Medikament taugen könnte.

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