Zentralrat der Muslime: ″Wir fühlen uns im Stich gelassen″ | Deutschland | DW | 17.02.2020
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Religion

Zentralrat der Muslime: "Wir fühlen uns im Stich gelassen"

Eine mutmaßliche Terrorzelle wollte offenbar gezielt Moscheen in Deutschland angreifen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Abdassamad El Yazidi, schildert die Stimmung und die Angst unter Muslimen.

Deutsche Welle: Herr Yazidi, wie bewerten Sie die Details, die über das Wochenende zu einer rechtsextremen Terrorgruppe in Deutschland bekannt wurden?

Yazidi: Das Ganze erreicht in Deutschland eine nie dagewesene Dimension. Die Muslime sind höchst verunsichert. Sie fühlen sich im Stich gelassen. Sie überlegen, was sie machen können, um ihre Gebetsstätten zu schützen. Und was sie am meisten verunsichert und verängstigt, ist diese Gleichgültigkeit, mit der solche Schreckensmeldungen eben nicht kommentiert werden in der Gesellschaft. Dass es kein Aufrütteln gibt, keine klare, starke Solidaritätsbekundung gibt in der Form, die man sich wünscht.

Deutschland l Zentralrats der Muslime in Deutschland - ZMD Generalsekretär Abdassamad El Yazidi

Abdassamad El Yazidi

Die Politik schweigt bewusst?

Das gilt natürlich nicht für alle Medien und für alle Politiker. Aber das gilt für einen ganz großen Teil der Verantwortlichen, die - wenn sie über Islamfeindlichkeit, über Angriffe, über Muslime in Deutschland sprechen – sich immer noch genötigt fühlen, unsere Grundordnung zu bemühen, als wären die Muslime in Deutschland in ihrer Mehrheit gegen unsere Grundordnung und gegen unsere Demokratie: Während sie am meisten die Demokratie schützen und sich in der Zivilgesellschaft engagieren. In den vielen Vereinen die sie im Dienste unserer Gesellschaft als Bürger dieses Landes aktiv.

Erwarten Sie umfassenderen Schutz?

Wir kriegen als Funktionäre diesen Hass zu spüren. Virtuell über soziale Medien, über Drohbriefe. Aiman Mazyek (Vorsitzender des Zentralrates, Anm. der Red.) wird persönlich von bestimmten rassistischen Rechtsradikalen bedroht. Wir erhalten auch nicht den nötigen Schutz von der Polizei, den wir uns erhoffen, beim Schutz unserer Vertreter, aber auch unserer Gebetsstätten. Das ist leider die Situation.

Deutschland Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln

Ein Rassist tötete im März 2019 in zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch mehr als 50 betende Muslime. Danach war vor Moscheen in Berlin Polizei präsent.

Warum diese Kritik an den Muslimen?

Der Islam ist ein Vehikel geworden, mit dem Menschenhasser ihren Hass ausdrücken können, ohne dass sie dafür öffentlich großartig kritisiert werden. Die Angriffe dieser Menschen gelten aber nicht ausschließlich den Muslimen, sondern es sind Menschenfeinde, die in erster Linie die Grundwerte des Respekts, des Miteinanders, die in unserer Verfassung festgeschrieben sind, bekämpfen. Und Deutschland zurückführen wollen in eine Zeit, die wir längst hinter uns geglaubt haben.

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