Zentralafrikanische Republik: Gewalt in den Dörfern hält an | Afrika | DW | 04.02.2014
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Afrika

Zentralafrikanische Republik: Gewalt in den Dörfern hält an

Während die Hauptstadt Bangui dank der ausländischen Truppen sicherer wird, bekämpfen sich die verfeindeten Gruppen auf dem Land unvermindert weiter. Ein Ende der Gewalt in den Dörfern ist vorerst nicht absehbar.

Keiner hat auf seine Hilferufe reagiert. Gemeindepfarrer Cassien Kamatari musste mit ansehen, wie sich Rebellen und Bewohner seines Dorfes Boda mit Macheten und Gewehren massakrierten. So schildert es der Geistliche dem britischen Sender BBC. Mindestens 70 Bewohner von Boda starben - Christen wie Muslime. Boda liegt etwa 100 Kilometer östlich der Hauptstadt Bangui. Dort habe er angerufen und die ausländischen Truppen um Hilfe gebeten - vergeblich, so der Pfarrer. Die muslimisch dominierten Séléka-Milizen hätten die Straßen in der mehrheitlich von Christen bewohnten Gemeinde abgeriegelt und sie dann angegriffen, sagt er.

Die Polizei hingegen gibt an, die Dorfbewohner hätten passierende Mitglieder Séléka-Miliz angegriffen, daraufhin sei die Lage eskaliert. Wer auch immer angefangen hat - die Situation in Boda sei katastrophal, sagt Pfarrer Kamatari. Viele Bewohner seien in den Busch geflohen und harrten dort voller Angst aus.

Zentralafrikanische Republik Gewalt Bangui 03.02.2014

Französische Soldaten: Häuserkampf in Bangui

Wie in Boda sieht es derzeit in vielen ländlichen Gemeinden in der Zentralafrikanischen Republik aus: Verzweifelte Hilferufe aus Orten, in denen die Gewalt zwischen den beiden verfeindeten Gruppen offenbar ungehindert weitergeht. Bis in die entlegenen Regionen kommen die rund 5000 Soldaten der Afrikanischen Union (MISCA) und die etwa 1600 französischen Soldaten nicht - sie haben alle Hände voll damit zu tun, die Hauptstadt Bangui einigermaßen zu sichern.

Rückzug in den Norden

Das Eskalationsmuster auf dem Land scheint immer ähnlich zu sein: Mitglieder der Séléka - einem Milizen-Bündnis, das im März vergangenen Jahres Präsident François Bozizé aus dem Amt putschte - ziehen sich wieder Richtung Norden zurück. Unterwegs treffen sie auf die Anti-Balaka: Bürgerwehren die sich im Laufe des vergangenen Jahres gegen die Séléka-Milizen gegründet hatten. "Leider bekommt das dann die Zivilbevölkerung ab", sagt Sylvain Groulx von Ärzte ohne Grenzen gegenüber der DW. In ihrer Gewaltbereitschaft stehen sich beide Gruppen offenbar in nichts nach. "Wir arbeiten zum Beispiel seit Juli in einem Ort namens Bouka, dort rächen sich die Anti-Balaka seit Monaten: Die gesamte muslimische Bevölkerung ist geflohen."

Bewaffnete Rebellen (Foto: REUTERS/Emmanuel Braun)

Selbstverteidigung? Bewaffnete Anti-Balaka

Die Krise dürfe aber nicht als religiöser Konflikt oder gar als Ausbruch von Islamismus interpretiert werden, warnt Helga Dickow, Expertin für das zentrale Afrika am Arnold-Bergstresser-Institut in Freiburg. Viele Mitglieder der Seleka-Miliz stammten aus dem Norden, wo die zentralafrikanische Republik an den Tschad und den Sudan grenzt. Die Bevölkerung dort ist mehrheitlich muslimisch. "Die muslimischen Rebellen des Nordens haben gegen den christlichen Ex-Präsidenten François Bozizé geputscht - aber nicht, weil er Christ ist", so Dickow. Vielmehr gehe es ihnen darum, die bestehenden Machtverhältnisse zwischen Süden und Norden aufzubrechen.

Daher wird das bitterarme Land mit der Herausforderung zu kämpfen haben, wie die Bevölkerung im Norden künftig eingebunden werden kann. Ein Ende der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik sieht Sylvain Groulx von Ärzte ohne Grenzen vorerst nicht: Die wichtigsten Fragen seien weiterhin offen. "Wird es eine Entwaffnung und Wiedereingliederung der bewaffneten Gruppen geben? Wird es Verhandlungen geben, damit sie die Zivilbevölkerung oder die Armee nicht mehr angreifen?" Sein Fazit ist so einfach wie drastisch: "Vor der Zentralafrikanischen Republik liegen Wochen und Monate der Unsicherheit."

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