ZAR-Präsidentensprecher weist Ernennungsschreiben Beckers als ″ungültig″ zurück | Afrika | DW | 21.06.2018
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Affäre um Diplomatenstatus

ZAR-Präsidentensprecher weist Ernennungsschreiben Beckers als "ungültig" zurück

Präsident Touadéra habe Tennis-Legende Boris Becker nie zum Berater berufen. Eine solche Nominierung habe auch nicht zur Debatte gestanden, heißt es aus der Zentralafrikanischen Republik.

Die Posse um die mutmaßliche Ernennung von Ex-Tennis-Star Boris Becker zum Attaché der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) geht weiter: Der Sprecher des zentralafrikanischen Präsidenten Faustin-Archange Toudéra hat auf Anfrage der DW ein mutmaßliches Ernennungsschreiben Boris Beckers zum Attaché für Sport seines Landes als wertlos zurückgewiesen. "Das Schreiben wurde auf Basis eines falschen Dokumentes ausgestellt (der für gefälscht erklärte Reisepass, Anm. d. Red.). Es ist nicht gültig", so Albert Mokpème. "Der Botschafter in Brüssel schreibt darin von der Nominierung durch die Regierung. Er erwähnt aber kein Dekret und keinen Erlass, wer Boris Becker für den entsprechenden Posten nominiert haben sollte. Er hat also ein Schreiben ausgestellt, das keinen Wert hat."

Das Dokument war der DW durch Becker-Anwalt Christian Oliver Moser vorgelegt worden. Es sollte ein weiteres Indiz sein für die umstrittene Ernennung Beckers zum Sonderberater des zentralafrikanischen Präsidenten in Angelegenheiten rund um Sport und Kultur. Mit diesem Posten hatte der ehemalige Weltklasse-Tennisspieler zuletzt versucht, diplomatische Immunität geltend zu machen. Dies hätte ein in Großbritannien laufendes Insolvenzverfahren gegen ihn unmöglich gemacht. Schon am Montagabend aber hatte der Außenminister der Zentralafrikanischen Republik, Charles-Armel Doubane, der DW erklärt, Beckers Diplomatenpass sei eine womöglich mit einem gestohlenen Blankopass erstellte Fälschung.

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Anwalt zurückhaltend

London Boris Becker Auktion (picture-alliance/AP Photo/M. Dunham)

Becker will ein drohendes Insolvenzverfahren abwenden

Boris Beckers Anwalt Christian-Oliver Moser zeigte sich erschrocken, hielt sich aber mit einer Reaktion zurück. "Mein Mandant ist dabei, die Situation vor Ort abschließend zu klären, und wird dann eine Entscheidung treffen", sagte er der DW.

Noch am Dienstag hatte Becker in einem Interview mit dem "Top Magazin Frankfurt" - allen Vorwürfen zum Trotz - erklärt, er werde in Kürze in die ZAR fahren, denn: "Es ist eine Realität, ist ein Fakt, dass ich heute Diplomat von Zentralafrika bin." Diese Nachricht hatte Becker schon im April auf seinem Twitter-Account gepostet: "Diplomatische Ehren für mich! Ich wurde zum Attaché für Sport und kulturelle Angelegenheiten von der Zentralafrikanischen Republik ernannt", jubelte er. Auf einem Foto sieht man ihn beim Shakehands mit dem zentralafrikanischen Präsidenten, ein zweites Foto zeigt Becker an einem Schreibtisch mitsamt zentralafrikanischem Fähnlein.

"Wir haben andere Probleme"

Auf die Nachfrage, ob denn ein Dekret von Präsident Faustin-Archange Toudéra über eine Nominierung des früheren Tennis-Stars existiere, entgegnet Mokpème kurz: "Nein, ein solches Dekret existiert nicht. Der Präsident hat Boris Becker nie einen wie auch immer gearteten Titel verliehen." Es gebe darüber keinen Eintrag im Amtsblatt der ZAR, und es habe auch niemals zur Debatte gestanden, so Albert Mokpème.

Belgien Faustin Archange Touadera & Boris Becker, neuer Sport-Attaché Zentralafrikanische Republik (picture-alliance/AP Photo/Irle Moser Rechtsanwalte PartG)

Becker mit Touadéra: Ihr Verhältnis gibt Rätsel auf

Weshalb aber hat die Zentralafrikanische Republik nicht bereits im April auf die weltweite Berichterstattung über die angebliche Nominierung reagiert? Albert Mokpème reagiert gereizt: "Man muss darüber informiert sein, was die Runde macht, um reagieren zu können." Offenbar hatte das Thema in der ZAR bislang niemanden interessiert.

Eine Zukunft für die Beziehungen zwischen der ZAR und Boris Becker als Berater gibt es laut Präsidentensprecher Mokpème nicht. "Nach all dem, was jetzt passiert ist, werden Sie verstehen, dass es darum jetzt nicht mehr geht. Wir haben andere Probleme." Das letzte Wort dürfte allerdings der Präsident haben, von dem es heißt, er habe ein freundschaftliches Verhältnis zu Boris Becker.

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