Zainab Saleh: Wie Karate nigerianischen Frauen hilft | Sport | DW | 28.10.2021
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Karate

Zainab Saleh: Wie Karate nigerianischen Frauen hilft

Zainab Saleh will Mädchen und Frauen in Nigeria den Kampfsport Karate näherbringen - gegen den Widerstand mancher Kräfte in ihrem Land. Ein von ihr veranstaltetes Turnier hat schon einiges bewirkt.

Nigeria Karate | Hajiya Zainab Saleh

Zainab Saleh, Gründerin der Zainab Saleh International Female Open Karate Championship in Lagos

Seit acht Jahren treffen sich jedes Jahr im Oktober junge Frauen in Lagos zur "Zainab Saleh International Female Open Karate Championship". Es ist das einzige reine Karate-Frauenturnier in Nigeria. Die Teilnehmerinnen kommen aus allen 36 Bundesstaaten sowie aus den Nachbarländern Benin, Togo und Ghana. Für dieses Jahr hatten sich 207 Sportlerinnen angemeldet. Nachdem die Covid-19-Pandemie im letzten Jahr zur Absage des Turniers geführt hatte, wollten sie jetzt ihre Fortschritte zeigen.

"Mir ist aufgefallen, dass bei den Turnieren immer ein großes Interesse an dem männlichen Wettbewerb bestand, weil die technischen Fähigkeiten der Männer viel besser waren. Ich hielt es für wichtig, die technischen Fähigkeiten der Frauen zu fördern. Ein Mann mag stärker sein, aber eine Frau kann technisch besser sein", sagt Zainab Saleh, die dem Turnier ihren Namen gegeben hat. 

"Ich mache mir Sorgen"

Saleh stammt aus der Stadt Monguno im Bundesstaat Borno, die Schauplatz zahlreicher Kämpfe zwischen nigerianischen Regierungstruppen und der dschihadistischen Gruppe Boko Haram war. Im Jahr 2014 entführte Boko Haram 276 Mädchen aus einer Schule in Chibok. Im 262 Kilometer entfernten Monguno wurden im vergangenen September bei einem Angriff auf die Stadt, die einen Stützpunkt der Vereinten Nationen beherbergt, 18 Soldaten und viele andere Zivilisten getötet. Die Unruhen haben viele Familien in die Flucht getrieben.

Nigeria Gedenken Entführung 200 Chibok Schülerinnen

Portraits der Mädchen, die in Chibok entführt wurden

Derzeit ziehen bewaffnete Banditen durch den Nordwesten Nigerias, wo sie massenhaft Menschen entführen und Lösegeld für deren Freilassung verlangen. Nach Angaben des in Lagos ansässigen Instituts "SBM Intelligence" wurden in der ersten Hälfte des Jahres 2021 in Nigeria 2371 Menschen entführt.

"Ich mache mir Sorgen um unsere Mädchen. Ich mache mir Sorgen um unsere Frauen. Ich mache mir Sorgen um alle. Es ist einfach so traurig, was aus dem Land geworden ist", sagt Saleh. Die 51-Jährige unterstützt mit ihrer Stiftung Schulprogramme für vertriebene Kinder in der Region.

Auf den Spuren von Bruce Lee

Hajiya, wie Zainab Saleh von allen genannt wird, ist Trägerin des schwarzen Gürtels, 4. Dan - die höchste Meisterstufe im Karate ist der 10. Dan. Sie begann Karate zu trainieren, nachdem sie als Kind in den 1970er-Jahren Bruce-Lee-Filme gesehen hatte. Ihr Vater arbeitete damals als Diplomat in Mexiko. "Ich sagte zu meinem Vater: 'Ich möchte Karate trainieren wie Bruce Lee.' Also meldete er meinen Bruder und mich in einer Schule an. Er hat uns immer zum Training gebracht. Wenn er nicht konnte, brachte uns meine Mutter hin", so Saleh gegenüber der DW. Sie lernte die Grundwerte des Karate: Respekt, Konzentration und Gewaltlosigkeit. Mit Hilfe ihrer Stiftung und der Unterstützung von Familie und Freunden leitet sie die Frauen-Meisterschaft in Lagos, die zu einem Höhepunkt im nigerianischen Karate-Kalender geworden ist.

Die Athletinnen starten in den Disziplinen Kata (Demonstration technischer Fertigkeiten) und Kumite (Kampf um Punkte gegen Gegnerinnen). Godfirst Sampson, eine 19-jährige Schwarzgurt-Trägerin mit dem 1. Dan, nahm in diesem Jahr zum vierten Mal teil, unterlag aber im Finale der Klasse bis 55 Kilogramm ihrer Gegnerin aus der Republik Benin, Fridole Tobossou. Sampson hält große Stücke auf die Turnierveranstalterin Saleh: "Hajiya schafft es jedes Jahr, und sie enttäuscht uns nicht. Ich bin dankbar, dass sie eine zähe Frau ist und sich durch nichts von ihrer Vision für das Frauen-Karate abbringen lässt."

International Female Open Karate | Godfirst Sampson (l) Fridole Tobossou

Godfirst Samplson (l.) beim Frauen-Karate-Turnier in Lagos

Mädchen eine Chance geben, sich zu messen

Die Karate-Meisterschaft bietet Frauen die Möglichkeit, sich in einem Land zu messen, in dem es eher verpönt ist, dass Mädchen Sport treiben. Aber Saleh hat erlebt, dass viele ihre Meinung änderten, wenn sie das von ihr gegründete Turnier besucht hatten: "Wenn die Leute kommen und sehen, was Frauen leisten können, sagen sie, dass sie diese Sportart auch lernen wollen."

Salehs Einsatz für den Frauensport sei lobenswert, sagt Tega Onojaife, Gründerin der in Lagos ansässigen Interessenvertretung "Ladies In Sports International", der DW: "Wenn wir die Gleichstellung der Geschlechter im Sport fordern, erwarten wir Maßnahmen, die sicherzustellen, dass Frauen und Mädchen die gleichen Chancen zur Teilnahme am Sport erhalten wie Männer. Hajiya Zainab hat Jahr für Jahr dafür gearbeitet, dies zu erreichen. Das ist selten."

Suche nach Sponsoren

Karate war in diesem Jahr olympische Sportart in Tokio, wird aber bei den nächsten Spielen 2024 in Paris nicht wieder im Programm sein. Turnierveranstalterin Saleh gehört vielen Karate-Organisationen an, darunter auch dem afrikanischen Karateverband UFAK. Sie hofft, dass die Sportart 2028 wieder olympisch wird. Bis dahin sollen die nigerianischen Karate-Kämpferinnen so gut werden, dass sie auch auf der internationalen Bühne bestehen können. Nötig sei zudem mehr Geld, sagt Saleh.

Nigeria Karate | Hajiya Zainab Saleh

Zainab Saleh: Frauen können in Karate technisch genauso gut sein wie Männer

"Wie soll man sich verbessern, wenn man seine Athleten nicht zu internationalen Wettkämpfen schicken kann? Wir können unsere Fortschritte nicht mit denen anderer Länder vergleichen, wenn wir keine finanziellen Mittel für die Teilnahme an diesen Meisterschaften erhalten. Wir brauchen Sponsoren, die sich für Karate interessieren", sagt Saleh. Sie habe Momente erlebt, "in denen kleine Mädchen nach dem Gewinn von Goldmedaillen vor Freude hüpften. Das macht mir Lust weiterzumachen. Und ich wünsche mir, dass ich mehr für sie tun kann."

Der Text wurde aus dem Englischen adaptiert.

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