Zahl der Todesopfer bei Erdbeben in Italien steigt weiter | Aktuell Europa | DW | 24.08.2016
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Aktuell Europa

Zahl der Todesopfer bei Erdbeben in Italien steigt weiter

Menschen unter Trümmern, eingestürzte Häuser: Mitten in der Nacht bebte die Erde in Mittelitalien. Nach Angaben der Behörden kamen mindestens 38 Menschen ums Leben. Helfer versuchen, Verschüttete zu bergen.

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Schweres Erdbeben erschüttert Zentrum Italiens

Allein in dem Ort Pescara del Tronto starben zehn Menschen, wie der Zivilschutz berichtete. Fünf Menschen kamen in der Gemeinde Amatrice um, sechs weitere in dem Ort Accumoli. Unter den Opfern sind auch mehrere Kinder. Helfer suchten in den Trümmern völlig zerstörter Häuser weiter nach Opfern. Die Lage war unübersichtlich. Die Rettungsdienste konnten einige Orte in der bergigen Gegend nur schwer erreichen.

Das Erdbeben von einer Stärke von mehr als 6 und mehrere Nachbeben hatten in der Nacht die gesamte Region zwischen Umbrien, Latium und den Marken erschüttert. Das Beben war auch in Rom und an der Adria-Küste zu spüren. Der Erdstoß mit einer Stärke von mehr als 6 hatte sein Zentrum in der Provinz Rieti. Er ließ Gebäude einstürzen, Menschen wurden unter Trümmern begraben. Ein Junge konnte am Mittwoch lebend im Ort Pescara del Tronto gerettet werden. Um andere Verschüttete kämpften die Helfer verzweifelt. Im Ort Amatrice, der mit am stärksten betroffen war, halfen Ärzte einem verletzten sechsjährigen Zwilling aus den Trümmern. Etwa 100 Menschen werden nach Behördenangaben allein in dem Dorf Arquata del Tronto noch vermisst.

In dieser Region in Mittelitalien liegt das Epizentrum des Erdbebens (Bild: dpa)

In dieser Region in Mittelitalien liegt das Epizentrum des Erdbebens

Amatrice und Accumoli schwer getroffen

Um 3.30 Uhr in der Nacht fing die Erde an zu beben. Vor allem die kleineren Ortschaften Amatrice und Accumoli wurden getroffen. "Die Hälfte des Ortes gibt es nicht mehr. Die Menschen sind unter den Trümmern", sagte der Bürgermeister von Amatrice dem Nachrichtensender RaiNews24. Straßen waren blockiert, der Strom fiel aus. Der Bürgermeister forderte Hilfe per Hubschrauber. Ein Einwohner sagte dem Sender: "Alles ist kaputt." Auch das Militär wurde zum Hilfseinsatz mobilisiert.

Das Beben hatte nach Angaben des Geophysischen Instituts Potsdam eine Stärke von 6,1 und lag in zehn Kilometern Tiefe. Die italienische Erdbebenwarte gab eine Stärke von 6 an. Das US-Erdbebeninstitut sprach von der Stärke 6,2. Die betroffene Region liegt ungefähr 150 Kilometer nordöstlich von Rom. Städte wie Perugia und Assisi sind nicht weit entfernt. Auch Touristen an der Adria-Küste meldeten sich besorgt bei den Feuerwehren.

Helfer bergen in Armatrice einen Verschütteten aus dem Schutt (Foto: Reuters)

Helfer bergen in Armatrice einen Verschütteten aus dem Schutt

Vergleich mit Beben in L'Aquila

Der Chef des Zivilschutzes, Fabrizio Curcio, sprach von einem "schweren" Beben, es sei vergleichbar mit dem in der Stadt L'Aquila im Jahr 2009. Damals kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, vor allem weil das Beben direkt die Stadt mit Zehntausenden Einwohnern traf. Das jetzige Beben sei vermutlich weniger fatal, weil die Gegend nicht so stark bevölkert ist. L'Aquila liegt nicht allzuweit von der nun betroffenen Region entfernt.

Mehrere Nachbeben folgten in der Nacht, auch in Rom schwankte gegen 4.30 Uhr erneut der Boden. Laut US-Erdbebenwarte hatte eines der Nachbeben die Stärke 5,5. Italien wird auf Grund seiner geografischen Lage immer wieder von Erdbeben erschüttert, oft auch schwerwiegenden.

Steinmeiers Hilfsangebot

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bot unterdessen Italien Unterstützung aus Deutschland an. "Die Nachrichten aus Italien über das nächtliche Erdbeben habe ich mit Erschrecken aufgenommen", wurde der Minister in einer Mitteilung zitiert. "Wir stehen in dieser Stunde in Trauer und Solidarität vereint an der Seite unserer italienischen Freunde und Partner." Außerdem bot Steinmeier Hilfe an: "Wenn gewünscht, stehen wir natürlich bereit, Unterstützung zu leisten."

Papst Franziskus hat den vom Beben betroffenen Menschen sein tiefes Mitgefühl ausgesprochen. Er finde kaum Worte, seinen großen Schmerz auszudrücken, sagte der Papst zu Beginn der wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom.

kle/sc (dpa, rtr, afp)

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