Wut und Enttäuschung in Russland | Sport | DW | 05.12.2017
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IOC-Entscheidung zu Russland

Wut und Enttäuschung in Russland

Die Sportgroßmacht Russland ist verärgert und reagiert beleidigt: Sie darf nach dem Doping-Skandal nur einzelne Sportler zu Winterspielen schicken. Aus Deutschland bekommt das IOC dagegen Beifall.

"Große Nationen fahren nicht inkognito zu Olympia!" - so reagierte der russische Senator Franz Klinzewitsch auf den Ausschluss seines Landes von den Olympischen Winterspielen in Südkorea. Nicht Russland als Mannschaft, nur einzelne, nachweislich nicht belastete Sportler sollen in Pyeongchang als "neutrale Athleten" unter der olympischen Flagge antreten dürfen. Der als Scharfmacher bekannte Außenpolitiker Klinzewitsch sah dadurch nicht nur den Zusammenhalt der Sportwelt, sondern gleich die internationale Sicherheit bedroht.

Boykott! Rücktritt von IOC-Chef Thomas Bach! Keine Beweise! - Ärgerliche Äußerungen schwirrten am Dienstagbend in Moskau nach dem Spruch des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wild durcheinander. "Diese Entscheidung kann und sollte man anfechten, denn sie bestimmt über das Schicksal einer ganzen Generation von Sportlern und Trainern", sagte Curling-Verbandschef Dmitri Swischtschew. Die staatlichen Fernsehsender in Russland reagierten prompt und kündigten an, die Winterspiele nicht zu übertragen.

Sportler unter Druck

Die Aufarbeitung des russischen Dopings bei den Winterspielen in Sotschi 2014 trifft diesmal nicht die Athleten, sondern die Funktionäre und die politische Ebene. Das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC) ist für Südkorea gesperrt, sein Präsident Alexander Schukow gehört vorerst nicht mehr zum IOC. Vertreter des Moskauer Sportministeriums sind in Pyeongchang ausgeschlossen. Fußball-Verbandschef Witali Mutko, der als einer der Drahtzieher im Doping-Skandal gilt, ist sogar für alle zukünftigen Olympischen Spiele suspendiert - lebenslang.

Sotschi 2014 - Team Russland mit Subkow (picture alliance/dpa/epa/B. Walton)

Starten Russlands Wintersportler in Südkorea?

Doch setzt der IOC-Beschluss auch die Sportler unter Druck: Sie sollen sich – so forderte es der Abgeordnete Michail Degtarjow, Vorsitzender im Sport-Ausschuss der Duma - am 12. Dezember versammeln und entscheiden, ob sie unter neutraler Flagge zu den Spielen fahren oder nicht. Moskau hat die Existenz eines Doping-Systems immer abgestritten und behauptet, es gehe um Einzelfälle. Zwar wurden in den letzten zweieinhalb Jahren die russischen Anti-Doping-Institutionen reformiert. Die Anti-Doping-Agentur RUSADA wurde unabhängiger von der Sportpolitik, wie in einem Maßnahmenplan mit der WADA vereinbart. Doch Russland verweigerte die ebenfalls vereinbarte Anerkennung der McLaren-Berichte und damit ein Eingeständnis organisierten Dopings.

Lob für IOC-Entscheidung

Während Russland sich erneut ungerecht behandelt fühlt, fielen die Reaktionen auf die IOC-Entscheidung in Deutschland positiv aus: So begrüßte die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) die Sanktionen des IOC ausdrücklich: "Die Entscheidung ist ein klares Signal für den sauberen Sport", sagte die NADA-Vorsitzende Andrea Gotzmann. "Das IOC hat umfangreiche Maßnahmen erarbeitet. Die Entscheidung stellt einen Wendepunkt mit einer deutlichen Aussage des IOC für faire Wettbewerbe dar: Doping wird nicht toleriert." 

Alfons Hörmann sprach als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nach der IOC-Entscheidung von einem "historischen Tag für den Weltsport und den deutschen Sport".

Für Whistleblower Grigori Rodschenkow, den ehemaligen Leiter des Moskauer Anti-Dopinglabors, sind die Sanktionen ein richtiger Schritt. "Die heutige Entscheidung des IOC sendet eine mächtige Botschaft, dass es staatlich gesponserten Betrug durch irgendeine Nation nicht toleriert", teilte Rodschenkows Anwalt Jim Walden in einem Statement im Namen seines Mandanten mit.

asz/ml (dpa, sid)

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