Wolfgang Clement ist tot | Aktuell Deutschland | DW | 27.09.2020
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Nachruf

Wolfgang Clement ist tot

Der frühere Bundeswirtschaftsminister und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist gestorben. Er wurde 80 Jahre alt.

Wolfgang Clement starb in der Nacht zu Sonntag friedlich im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Bonn, wie seine Sprecherin sagte. Erst im Sommer war bekannt geworden, dass er an Lungenkrebs litt.

Clement wurde am 7. Juli 1940 in Bochum als Sohn eines Baumeisters geboren. Weil er es unbedingt wollte, studierte er Jura, wurde dann aber Journalist bei der Zeitung "Westfälische Rundschau". Der damalige nordrhein-westfälische Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) holte ihn 1989 als Staatssekretär in seine Landesregierung. 1998 wurde Clement Ministerpräsident, 2002 wechselte er als Superminister für Wirtschaft und Arbeit in die Bundesregierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), um die Arbeitsmarktreformen Hartz I bis Hartz IV umzusetzen. Dieses Amt behielt er bis zum Ende der Schröder-Regierung 2005.

Als Clement am 7. Juli 80 Jahre alt wurde, sagte der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) der Deutschen Presse-Agentur: "Wolfgang Clement hat politisch viel bewegt, in Nordrhein-Westfalen ebenso wie auf Bundesebene." Schröder sagte weiter: "Ich habe es ihm hoch angerechnet, dass er im Jahr 2002 das Amt des Ministerpräsidenten aufgegeben und in meinem Kabinett den Posten des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit angenommen hat." Zusammen mit dem damaligen Chef des Bundeskanzleramts, Frank-Walter Steinmeier, habe er zu den wichtigen Akteuren gehört, die die Reformagenda 2010 konzipiert hätten.

2008 trat Clement nach internen Meinungsunterschieden aus der SPD aus, zuletzt unterstützte er die FDP. Deren Bundesvorsitzender Christian Lindner erklärte, "die FDP trauert um Wolfgang Clement". Dieser habe sich Zeit seines Lebens für sozialen Aufstieg, Arbeit und Wachstum eingesetzt.

Würdigungen aus SPD und CDU

Bundespräsident Steinmeier würdigte das Lebenswerk Clements und schrieb in einem Kondolenzbrief an die Witwe Karin Clement: "Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat Wolfgang Clement konsequent das Reformziel, Deutschland zukunftsfähig zu machen. Bis zuletzt war Ihr Mann ein Kämpfer für die soziale Marktwirtschaft." Der Bundespräsident bezeichnete Clement als überzeugten und überzeugenden Demokraten, der "das Zeitgeschehen mitgeprägt" habe. "Sein hohes politisches Engagement und seine offene und verbindliche Art, auf Menschen zuzugehen, werden in Erinnerung bleiben."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) erklärte zum Tod seines Amtsvorgängers, Deutschland verliere "einen großen Patrioten und Politiker, dem es nicht um Ideologie, sondern um Arbeitsplätze und Menschen ging". Als Wirtschafts- und Arbeitsminister habe Clement dazu beigetragen, "dass die zu seiner Zeit notwendigen Wirtschaftsreformen endlich gelangen".

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte seinen verstorbenen Amtsvorgänger als einflussreiche Persönlichkeit in dem Bundesland und darüber hinaus. Clement sei "eine prägende Figur Nordrhein-Westfalens und Deutschlands und vielseitiger Akteur in der Zeit der Jahrtausendwende" gewesen, erklärte Laschet. "Nordrhein-Westfalen verliert einen modernen Gestalter und pragmatischen Lenker, der das Bild unseres Landes langfristig geprägt hat."

fab/ust/kle (afp, dpa)

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