Witzig, freundlich, intelligent - so gelingt sozialer Aufstieg | Wissen & Umwelt | DW | 05.06.2020
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Psychologie

Witzig, freundlich, intelligent - so gelingt sozialer Aufstieg

Am Ende gewinnen ohnehin immer die, die am besten tricksen, schleimen und hintergehen? Gute Nachricht: Das stimmt nicht! Eine neue Studie zeigt, dass sich Freundlichkeit und Großzügigkeit lohnen. Und Humor erst!

Lügner und Betrüger, die gemein und hinterhältig vor allem auf ihren eigenen Vorteil aus sind, mag keiner. Das scheint auch ohne wissenschaftliche Studie eindeutig. 

Nun haben Wissenschaftler der University of Texas at Austin (UT Austin) in einer Studie bestätigt, was eine gute Nachricht für all jene sein dürfte, die noch nie viel Lust hatten, der Karriere oder des Paarungstanzes wegen zum Ekel zu mutieren: Ehrlichkeit, Freundlichkeit, Großzügigkeit und Humor werden gesellschaftlich sehr geschätzt und befördern den sozialen Aufstieg. 

Wer dazu noch intelligent ist, harte Arbeit nicht scheut und ein breit gestreutes Wissen hat, darf sich der Anerkennung seines Umfeldes sicher sein. Das gilt in Russland ebenso wie in Eritrea und den USA.

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Global anerkannt, universell gültig

Von "Rumänien bis zu den einheimischen Inselbewohnern von Guam steigen Menschen in den Augen ihrer Mitmenschen im Rang auf, wenn sie Intelligenz, Tapferkeit und Führungsqualitäten zeigen", sagt der Co-Autor der im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichten Studie Patrick Durkee.

Die Wissenschaftler um den Evolutionspsychologen und Studienleiter David Buss untersuchten 2751 Personen aus 14 Ländern und identifizierten so universell gültige Eigenschaften, die dem sozialen Status einen entscheidenden Schub versetzen können. 

Gruppe multikulturelle Kinder macht Picknick (picture-alliance/Zoonar/R. Kneschke)

Freundlichkeit und Großzügigkeit zahlen sich aus - früher oder später

Welchen Platz wir in der sozialen Rangordnung einnehmen ist aus evolutionärer Sicht keineswegs trivial. "Menschen leben in einem sozialen Gefüge, in der der relative Rang für fast alles wichtig ist - für ihren Zugang zu Ressourcen, ihre Fähigkeit, einen Partner zu finden, und sogar dafür, wie lange sie leben", sagt David Buss von der UT Austin. 

"Eigenschaften, die auf Kosten anderer gehen, wirken sich negativ auf den sozialen Status aus - ganz egal, ob sie in Russland oder Eritrea leben", ergänzt Durkee. Das gilt auch für unseren Umgang mit Sex.

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Geschlechterunterschied beim Sexualverhalten

Laut der Studie verringert promiskuitives Verhalten das soziale Ansehen. Wer also Sexualpartner wie Unterwäsche wechselt erntet mitnichten Anerkennung und Respekt. Das gilt für Männer - für Frauen gilt es allerdings noch mehr, was wohl nicht wirklich überraschend ist. 

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Umgekehrt ist es dem sozialen Rang beider Geschlechter zuträglich, wenn sie sich für eine langfristige, feste Partnerschaft entscheiden. Der Logik folgend profitieren hier Frauen mehr. Männer wie Frauen genießen außerdem großes Ansehen, wenn sie treu sind. 

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Mann oder Frau - wer lügt besser?

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Neben diesen universell gültigen, den Status boostenden Eigenschaften konnten die Forscher durchaus kulturelle Unterschiede feststellen. Humor beispielsweise ist in Polen von enormem Vorteil, während man sich in China, Südkorea und Japan zwar über ihn freut, ihn für die soziale Stellung allerdings nur als mittelwichtig erachtet. In Eritrea misst man ihm noch weniger Bedeutung bei.

Wenn sich laut der Studie Freundlichkeit lohnt und Ehrlichkeit am längsten währt, warum hält sich dann der Eindruck so hartnäckig, dass es in erster Linie die arroganten Egoisten sind, die Karriere machen? Dass Großzügigkeit eher ausgenutzt als wertgeschätzt wird?

Vielleicht, weil es genug Beispiele gibt, die suggerieren, Anerkennung und Erfolg seien nur durch maximale Skrupellosigkeit zu erreichen. Bleibt nur die Frage, inwieweit Erfolg gleichzusetzen ist mit Liebe und Respekt. 

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