Wirtschaften auf der Nulllinie | Wirtschaft | DW | 14.02.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Konjunktur

Wirtschaften auf der Nulllinie

Nun ist es amtlich: Das letzte Jahr ist nicht gut ausgegangen für die deutsche Wirtschaft – mit einem Wachstum auf der Nulllinie. Und die Aussichten für das laufende Jahr sind auch nicht rosig.

Wenigstens mit einem kleinen Wachstum hatten die Volkswirte schon gerechnet - doch daraus wurde nichts: Die deutsche Wirtschaft ist im letzten Quartal des vergangenen Jahres nicht vom Fleck gekommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stagnierte von Oktober bis Dezember im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Immerhin wurde das Wachstum im dritten Quartal leicht nach oben revidiert und fiel mit 0,2 Prozent etwas größer aus als bislang mit 0,1 Prozent angegeben. Gedämpft wurde die Konjunkturentwicklung den Angaben zufolge zum Jahresende vom Außenhandel. Deutschland führte weniger aus als im dritten Quartal.

Zwar verloren auch die privaten und die staatlichen Konsumausgaben nach einem sehr starken dritten Quartal zum Jahresende den Angaben zufolge an Dynamik. Allerdings steht der private Konsum nun für mehr als 52 Prozent der Wirtschaftsleistung. Und die Konsumneigung dürfte nach Einschätzung der Nürnberger Marktforscher vom GfK auch 2020 hoch bleiben.

Schwächephase beim Export

So ist Europas größte Volkswirtschaft nach Jahren des Booms 2019 in eine Schwächephase geraten. Übers Jahr betrug das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr noch 0,6 Prozent. Grund für die Flaute sind auch die internationalen Handelskonflikte und entsprechende Unsicherheiten bei Firmen. Das bekam vor allem die exportorientierte deutsche Industrie zu spüren. Hinzu kam der Strukturwandel in der Autoindustrie. Einzig am Bau setzte sich der Aufschwung ungebrochen fort.

Infografik Wirtschaftswachstum Deutschland 2019 Veränderung zur Vorjahr in Prozent DE

Beobachter zeigen sich ernüchtert. Die Aussichten für 2020 seien alles andere als gut, befand Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der LBBW. "Bei all dem ist erstaunlich, wie robust etwa der Arbeitsmarkt noch ist. Aber wird das lange vorhalten?" Pessimistisch ist auch Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe: "Neue Konjunkturimpulse sind nicht in Sicht. Defensive Wachstumserwartungen werden wohl immer mehr zur Realität."

Die Bundesregierung versucht dagegenzuhalten und macht bei der Konjunktur mittlerweile einen "Silberstreif am Horizont" aus, wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier jüngst sagte. "Es geht in kleinen Schritten, es geht nicht rasend schnell, aber der Weg geht nach oben." Für das laufende Jahr rechnet die Bundesregierung mit einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent und für 2021 von 1,3 Prozent. Sie ist damit deutlich zuversichtlicher als Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft wie der Industrieverband BDI: "Deutschland wird sich nur dank einer steigenden Binnennachfrage durch Bautätigkeit und privaten Verbrauch über Null-Wachstum halten", so unlängst  BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

ar/dk (dpa, rtr, afp)

 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema