„Wir sind die Stimme für ganz Deutschland“ | 65 Jahre DW | 65 Jahre DW | DW | 02.05.2018
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65 Jahre DW

„Wir sind die Stimme für ganz Deutschland“

Die Deutsche Welle blickt auf 65 Jahre bewegte Geschichte zurück – und steht vor zahlreichen Herausforderungen. Intendant Peter Limbourg erläutert, warum Deutschland seine mediale Präsenz in der Welt weiter stärken muss.

Peter Limbourg (DW)

„Wir wollen stärker mit unseren europäischen Partnern kooperieren“: Intendant Peter Limbourg

DW: Worin sehen Sie heute die größte Herausforderung für ein international tätiges Medienhaus im Vergleich zu früher? 

Die Deutsche Welle hat in ihrer Geschichte schon viele Aufgaben erfüllt. Zum Beispiel, Stimme der Heimat zu sein, Stimme derjenigen, die fernab der Heimat waren und sich auf Nachrichten aus Deutschland verlassen wollten. Heute ist die DW ein internationaler Sender, der in 30 Sprachen alle Sendewege bedient, von Radio über TV bis Social Media. Natürlich liefern wir der Welt weiterhin ein umfassendes Bild davon, wofür Deutschland steht. Aber unser Programm wendet sich viel stärker als früher an Nutzer in aller Welt. Wir wollen im Dialog sein mit unserem Publikum. Da hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Wir setzen auf Koproduktionen mit Partnern und entwickeln unseren Ansatz weiter, der die Nutzer und unsere Partner einbezieht. Heute orientieren wir unser Programmangebot stark daran, was für unsere Nutzerinnen und Nutzer relevant ist. 

Kann die DW ihre Agenda unabhängig umsetzen?

Es ist unsere große Stärke, dass wir unabhängig berichten können und dass wir frei von staatlicher Einflussnahme sind. Wir sind ein Medienhaus, das in Deutschland sowohl Regierung und Opposition betrachtet, als auch alle Strömungen in der Bevölkerung einbezieht. Im Gegensatz zu vielen staatlichen Sendern sind wir eben nicht die Stimme der Regierung, sondern wir sind die Stimme für ganz Deutschland. Das unterscheidet uns deutlich. Wir machen Journalismus und keine PR. Auch in den Zielregionen, über die wir berichten, versuchen wir selbstverständlich, Regierung und Opposition gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen. 

Die Deutsche Welle wird aus Steuermitteln finanziert. Was hat der Steuerzahler, der das Angebot im Inland nicht nutzen kann, davon, dass es die DW in dieser Form gibt?

Deutschland ist international erfolgreich. Die Deutsche Wirtschaft ist in hohem Maße vom Export abhängig. Deutschland ist der Welt zugewandt und ist umso erfolgreicher, je weltoffener es ist. Ein Zeichen unserer Weltoffenheit ist, dass wir ein realistisches Bild von Deutschland und Europa zeichnen. Und dass wir unzensierte Informationen in schwierigen Regionen zur Verfügung stellen. Es ist wichtig, dass die Werte unseres Grundgesetzes, Toleranz, Freiheit, Demokratie und sozialer Ausgleich erklärt werden. Denn in vielen Ländern der Welt sind diese Werte in Gefahr. Es belastet am Ende uns alle, wenn Regionen von Krieg und Terror beherrscht werden oder wenn Hungersnöte ausbrechen, weil schlecht regiert wird. Oder wenn Menschen nur noch Propaganda ausgesetzt sind. 
Der deutsche Steuerzahler hat ein Interesse an einer friedlichen und gerechteren Entwicklung in der Welt. Die DW leistet ihren Beitrag dazu, indem sie über Medien Menschen erreicht, die Deutschland sonst nicht erreichen würde. 

„Der Bedarf an objektiver Berichterstattung ist weiterhin riesig“

Die journalistischen Aufgaben, denen sich die DW stellen muss, werden nicht geringer. Welche Argumente sprechen für eine nachhaltige bessere Ausstattung des Senders? 

Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir mit unseren Mitteln effektiv umgehen, dass wir Neues wagen und dass wir damit sehr erfolgreich sind. Nicht nur, was die Reichweite anbelangt, sondern auch, was Innovation im Programm betrifft und die konsequente Digitalisierung innerhalb der DW. Wir sind in bestimmten Regionen überaus erfolgreich, beispielsweise im arabischen Raum, in Lateinamerika und Afrika. Da können wir noch enorm viel erreichen. In unseren Angeboten auf Russisch und Ukrainisch haben wir nach der Annexion der Krim schnell und umfassend berichtet und objektive Informationen in die Region gesendet. Das sind Beispiele dafür, dass die DW ihr Handwerk versteht. Wir machen das gut und der Bedarf an objektiver Berichterstattung ist weiterhin riesig. 

Wir sind gut beraten, diesem Bedürfnis und dieser Nachfrage zu entsprechen. Deswegen glaube ich, dass wir noch viele zusätzliche Nutzer gewinnen können. Auf die großen Themen unserer Zeit – Krieg, Terror, Flucht, Migration und Propaganda – müssen wir Antworten finden. Wir tragen dazu bei und wollen hier auch stärker mit unseren europäischen Partnern wie Frankreich und Großbritannien kooperieren. In Anbetracht der Tatsache, dass Freiheit und Demokratie zunehmend bedroht werden und dass Autokratie und Diktatur auf dem Vormarsch sind, muss ein mediales Gegengewicht entstehen. 

In Ländern wie China, Iran oder einigen afrikanischen Staaten wird der Empfang von journalistischen Inhalten der DW aktiv blockiert. Ist das für Sie auch eine Form der Wertschätzung für die journalistische Arbeit, wenn Regime den Empfang behindern? 

Man kann es als Wertschätzung sehen. Aber es ist meiner Ansicht nach ein Skandal und ein Zeichen der Schwäche, dass diese Länder offenbar so wenig Selbstbewusstsein haben, dass sie kritische Stimmen verbieten. In diesen Ländern wird versucht, den Menschen Informationen über Demokratie und über Menschenrechte, über Pressefreiheit vorzuenthalten. Wir sind überzeugt, dass es sich langfristig auszahlen wird, wenn man weiter beharrlich versucht, mit objektiven Informationen in diese blockierten Märkte zu kommen. Wir sind da teilweise erfolgreich über Umgehungssoftware und lokale Maßnahmen. Ich bin allerdings der Auffassung, dass man sich bei allen Kontakten mit diesen Ländern auf allen Ebenen der deutschen Politik vergegenwärtigen muss, dass das aktive Blockieren von Informationen ganz klar als unfreundlicher Akt einzustufen ist.

Was wünscht sich die DW zum 65. Geburtstag?

Wir haben eine sehr gute Situation mit einer breiten Unterstützung in der Politik. Die Deutsche Welle wünscht sich weiterhin diese Unterstützung und berechenbare Zusagen als Ausdruck des Wohlwollens gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ihrer tollen Arbeit. 

Die Fragen stellte Christoph Jumpelt

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