„Wir müssen kreativ bleiben“ | Publikationen | DW | 16.08.2018
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Z | ZENSURUMGEHUNG (Weltzeit 2|2018)

„Wir müssen kreativ bleiben“

Die DW ist ein „Stachel“ für autoritäre Regime, so Angela Merkel zum 65-jährigen Bestehen der DW. Und für jene ein Anlass, die Inhalte der DW zu blockieren. Fragen an Guido Baumhauer, Direktor Distribution und Technik.

Deutsche Welle: Wo und wie ist die DW von Zensur betroffen?

Unabhängiger, kritischer Journalismus ist für staatliche Kontrollbehörden in unfreien Medienmärkten immer ein Dorn im Auge. Die Zensur, die wir in Ländern wie China, Iran oder Ägypten erleben, hat unterschiedliche Ausprägungsformen: Neben dem klassischen Jamming – dem gezielten Stören unserer Radio- und TV-Signale – und der offensichtlichen Internetblockade machen uns auch subtilere Zensurmethoden das Leben schwer: zum Beispiel wenn unseren Journalistinnen und Journalisten Akkreditierungen verweigert werden oder Lizenzen zur Ausstrahlung in einem Land auf sich warten lassen.

Wie reagiert die DW auf die Zensur ihrer Inhalte?

Guido Baumhauer, Direktor Distribution und Technik der DW

Guido Baumhauer, Direktor Distribution und Technik der Dw

Wir befinden uns in einem dauerhaften „Wettrüsten“ mit den staatlichen Zensurbehörden. Dabei haben wir über die Jahre eine sehr gute Expertise aufgebaut, beispielsweise indem wir Zensurumgehungstools einsetzen für unsere Online-Angebote, die in Iran und China seit Jahren blockiert werden. Ein Vorteil für die DW: Unsere Zielgruppe in Iran ist jung und sehr versiert im Umgehen von Zensur. So gehört unser Farsi-Angebot trotz Zensur zu den am häufigsten abgerufenen Inhalten der DW. Dennoch: Es ist und bleibt ein Hase-und-Igel-Spiel, bei dem mal die staatlichen Zensurbehörden, mal wir die Nase vorn haben. Wir sind gefordert, kreativ zu bleiben und Lösungen anzubieten, damit Menschen in unfreien Medienmärkten unsere Inhalte abrufen können.

Zensur und Zensurumgehung betrifft auch andere internationale Informationsanbieter …

Titelbild Weltzeit 2|2018; mit Ausgabennummer (DW)

Dieser Beitrag stammt aus dem DW-Magazin Weltzeit 2|2018 "Ich beneide Sie um diese Welt der Vielfalt"

Deshalb suchen wir den Schulterschluss vor allem mit der BBC, mit France Médias Monde und dem Broadcasting Board of Governors aus den USA: In einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe tauschen wir uns regelmäßig über die Entwicklung in unfreien Medienmärkten und über funktionierende Zensurumgehungsstrategien aus. Denn der öffentliche Druck auf die Zensoren wird umso höher, je offensiver Internetzensur von uns allen thematisiert und bekämpft wird.

Warum lohnt sich dieser anscheinend endlose Kampf? 

Für uns ist es selbstverständlich, eine klare Haltung einzunehmen und bei Gegenwind nicht einzuknicken. Der Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit ist Teil unserer DNA. Ein Beispiel ist Ägypten, wo wir zunehmend Internetzensur zu spüren bekommen: Wenn Nutzer der DW für die Möglichkeit danken, eine Welt zu sehen, die die nationalen Medien nicht mehr zeigen, dann bestärkt uns das in all unseren Mühen. Denn am Ende trägt unsere Arbeit Früchte: Wir bringen den Menschen einen Teil dessen zurück, was ihnen autoritäre Regime nehmen.

Fragen von Sarah Daman

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