Wir müssen Bewegung sein | Deutschland evangelisch-katholisch | DW | 28.03.2022
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Deutschland evangelisch-katholisch

Wir müssen Bewegung sein

„Wenn das Wasser still bleibt, stinkt es“, sagt der Bischof. „Wir müssen in Bewegung sein, dann finden wir eine Lösung.“ In diesem Geist organisiert er wirksame Hilfe für Studierende in Syrien und im Libanon.

Bachelor Abschluss Zeremonie der IUB

Was tun, wenn einem bürgerkriegsgeschüttelten Land die Fachkräfte ausgehen durch die Flucht eines beträchtlichen Teils seiner Bewohner, aber auch, weil die Familien die Studiengebühren nicht aufbringen können? Das fragte sich der Griechisch-Orthodoxe Bischof Hanna Haykal. Und initiierte in seiner Berliner Gemeinde Sankt Georgios 2020 ein Hilfsprojekt mit dem Namen „Freunde der Studenten“. 

Es unterstützt junge Frauen und Männer und deren Familien während ihres Studiums in Syrien und im Libanon. In Syrien kann eine vier- bis fünfköpfige Familie mit fünfzig Euro im Monat auskommen, im Libanon mit hundert. Bischof Haykal konnte gut 230 Sponsoren für 300 Studenten gewinnen, die jeweils für ein Jahr oder länger diese Beträge bereitstellen. Diese Unterstützung ist umso willkommener, als augenblicklich die Familien im Libanon und in Syrien ohne Hilfe aus dem Ausland kaum überleben können. Die Währung hat stark an Wert verloren. Es gibt derzeit kaum Strom. Öl und Gas zum Heizen und Kochen sind teure Mangelware.

Wer mit seiner Familie durch das Projekt „Freunde der Studenten“ Unterstützung erfährt, ergibt sich in der Regel durch Hinweise aus Bischof Haykals Gemeinde. Zu ihr gehören auch Menschen aus dem Libanon und aus Syrien. Sie pflegen Kontakte in die Heimat. Verwandte und Bekannte weisen sie auf Frauen und Männer hin, die ihr Studium nicht aus eigener Kraft finanzieren können. Die können sich dann für die Unterstützung bewerben.  Bischof Haykal prüft über Kontakte zu den orthodoxen Gemeinden vor Ort ihr Anliegen. Im Anschluss daran kann die Hilfe ihren Weg gehen. 

 

Kampfansage

Für Bischof Haykal ist das Hilfsprojekt eine Kampfansage an Resignation und Mutlosigkeit, die gerade in Zeiten großer Not schnell um sich greifen. „Wenn das Wasser still bleibt“, sagt er, „stinkt es. Wir müssen in Bewegung sein, dann finden wir eine Lösung.“ Christen müssten Kämpfer sein, fordert er. Glauben und Mut müssten sie aufbringen und handeln, wenn es gefordert ist.

So inspiriert, wird das Projekt „Freunde der Studenten“ umgesetzt. Es gibt lange Wartelisten. Bischof Haykal und die Gemeinde Sankt Georgios versuchen für alle, die sich um Unterstützung bewerben, eine Lösung zu finden. Unter denen, die die Studenten und ihre Familien unterstützen, sind nicht nur orthodoxe Christen. Auch evangelische und katholische und Menschen ohne kirchliche Bindung helfen.

Ihnen allen gilt, was der libanesische Student Christ Trad in einem Video zum Projekt sagt: „Diese Hilfe, die ich von euch bekommen habe, werde ich doppelt zurückgeben. Sie bedeutet mir und meiner Familie sehr viel. Ich werde nicht ewig Student bleiben. Die Zeit wird kommen, in der ich diese Hilfe an Studenten zurückgeben werde, die, wie ich jetzt, auf Unterstützung angewiesen sein werden.“

 

Erinnerung an eine andere Zukunft

Das Projekt „Freunde der Studenten“ unterstützt den Nachwuchs gut ausgebildeter Fachkräfte im Libanon und in Syrien, die für den Wiederaufbau und die Verbesserung der Verhältnisse vor Ort dringend gebraucht werden. Auf diese Weise sorgt das Projekt aber auch dafür, dass in den ältesten christlich geprägten Regionen der Welt überhaupt noch Christen leben und wirken können. Denn in den letzten Jahren wurden Unzählige von ihnen aus dem Nahen Osten - insbesondere aus dem Irak und aus Syrien - vertrieben, drangsaliert und getötet.

Eine bedenkliche Entwicklung, meint Amill Gorgis, Mitglied der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Berlin, der sich wie Bischof Haikal um die Menschen in Syrien sorgt. Für ihn steht fest, dass die Anwesenheit der Christen dort für einen friedlichen Umgang der Menschen untereinander nötig ist. Deshalb mahnt er: „Der Nahe Osten ohne seine Christen wird sich mehr und mehr radikalisieren. Auch wenn die Zahl der Christen so gering ist, sind sie dort als Dialogfaktor unverzichtbar. Allein ihre Anwesenheit, dass die Menschen sehen, es gibt Menschen, die nicht Muslime sind, aber sie arbeiten, sie sind ehrlich, sie sind gute Nachbarn, verändert den Blick zu dem anderen, anders Glaubenden, anders Denkenden. Das ist wichtig.“

Auch das ist gemeint, wenn Bischof Haikal über sein Hilfsprojekt sagt: „Wir unterstützen die Studenten, damit sie studieren und im Lande bleiben.“

 

Gunnar Lammert-Türk, Berlin    

                           

Informationen über das Projekt sind erhältlich unter: https://www.facebook.com/rumorthodoxBerlin/