Wir bloggen! | Sprachbar | DW | 08.01.2014
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Sprachbar

Wir bloggen!

Wer bloggt, will sich mitteilen und mit anderen austauschen. Die Blogger-Gemeinschaft ist kaum überschaubar, anders als die Zahl der Themen. Die sprachliche Bandbreite reicht von langweilig bis amüsant und witzig.

Audio anhören 05:25

Wir bloggen! – die Folge als MP3

Im Duden tauchte es 2006 zum ersten Mal auf: das Wort bloggen. Es ist vom englischen blogging abgeleitet und bedeutet soviel wie „ein Internetlogbuch schreiben“. Nur ist das für einen Deutschen viel zu lang. Und was macht er dann: Er übernimmt das englische Wort einfach. Wer bloggt, schreibt über sich und andere, über Politik, Kultur, Sprache, Tiere, aber auch Essen und Trinken. Und das sprachlich mal mehr, mal weniger anspruchsvoll. Der Sprachkritiker Wolf Schneider vertritt sogar die Meinung, dass „drei Viertel dessen, was [in Blogs sprachlich] produziert wird, Geschwätz ist, das wenig Substanz hat.“ Für diejenigen, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren, dürfte die Sprache zweitrangig sein. Wer zum Beispiel in Berlin essen gehen will, kann sich nicht nur mit Restaurantführern durch die Stadt bewegen, sondern sich auch in Blogs informieren – wie denen der „Foodblogger“ Marcus, Patrick und Luisa.

Der Frühstück-Blogger

Ein gedeckter Frühstückstisch mit Kaffee, Brot, Wurst, Käse

Ein leckeres kontinentales Frühstück

Marcus frühstückt gerne. Für ihn gehört zu einem guten Start in den Tag ein gutes Frühstück dazu. In Berlin gibt es unzählige Möglichkeiten: türkische Sesamringe, Pancakes und Bagels – und natürlich das klassische deutsche Kontinentalfrühstück mit Brot, Brötchen, Käse- und Wurstaufschnitt, Marmelade und Ei. Bei einer derartigen Vielfalt kann man schon mal die Orientierung verlieren.

Nicht Marcus. Er testet, wo es die knackigsten Ciabatta-Brötchen gibt. Oder er warnt davor, in ein bestimmtes Café zu gehen, wo der Käse wie von vorgestern aussieht, der Schinken salzig und ein Milchkaffee zu wässrig ist. Das liest sich bei ihm dann so: Der Kaffee war so wässrig, „dass die herzkranke Großmutter vielleicht ihren Hochgenuss daran gefunden hätte, aber der unterkoffeinierte Berufsjugendliche einer schlimmen Zumutung ausgesetzt war.“

Der Bio-Blogger

Ein Fotoapparat mit zwei Cocktails im Sucher

Erst das Foto schießen, dann trinken!

Aber manchmal sagen ja auch Bilder mehr als Worte. So lautet eine wichtige Blogger-Regel: zuerst das Foto für den Blogeintrag schießen, erst dann in etwas reinbeißen oder etwas trinken. Denn wer nach Restaurantempfehlungen sucht, will sehen, was er serviert bekommt. Und das soll gut aussehen, nicht angeknabbert. Nach diesem Prinzip handelt auch der Blogger Patrick. Sein Steckenpferd: Bio-Restaurants. Für ihn, der auf Fleisch inzwischen völlig verzichtet, müssen die Speisen nachhaltig sein. In den Kochtopf seiner getesteten Restaurants sollen nur Zutaten aus der Region und Gemüse der jeweiligen Saison kommen.

Patrick bezeichnet seinen Blog als „Positivblog“. Zerreißen will er niemanden. Er schreibt höchstens mal: „Das hätte man liebevoller machen können“, oder: „Ist halt nicht mein Geschmack“. Sprachliche Kapriolen schlägt er nicht. Was ihm schmeckt, ist „irre“ oder „wahnsinnig lecker“, ein besonders gutes Restaurant wird schon mal als „Restaurantperle“ bezeichnet.

Die „Appetit“-Bloggerin

Ein Navigationsgerät im Fenster eines Autos

Manches Navigationssystem führt zum Ziel – wie mancher Foodblog

„Foodblogs“ aus Berlin über die Gastronomie in der Hauptstadt gibt es für alle Geschmacksrichtungen: Fastfood, Haute Cuisine, Alltagsküche. Für morgens, mittags, abends und zwischendurch. Sie sind wie ein „Navigationssystem“ für hungrige Mägen. Persönlich und ehrlich, immer allerdings subjektiv.

Wie der Blog von Luisa. Die Amerikanerin, die in Berlin geboren wurde und erst im Erwachsenenalter wieder in die Stadt zurückkehrte, folgt einfach nur ihren persönlichen „Gaumensehnsüchten“ – dem, worauf sie gerade Appetit hat. Wenn sie morgens aufwacht und unbedingt etwas Indisches essen will, dann macht sie das: mal Lachs, dann chinesischer Brokkoli, zwischendrin ein tschechisches Hörnchen. Sie bloggt über ihre Lieblingsrestaurants, aber auch über das, was sie selbst gerne kocht. Ihre Kriterien sind einfach: Sie schreibt, worauf sie Lust hat, das aber amüsant und witzig.

Das Typische

Und das ist das, was Blogs wie diese im Wesentlichen sprachlich ausmacht: Die Autorin oder der Autor drückt subjektive Eindrücke aus, spontan und in seinem eigenen Schreibstil. In der Regel wird eher die Umgangssprache verwendet, als literarisch anspruchsvolle Texte zu schreiben. Ist dies allerdings virtuos gemacht, haben eine Bloggerin und ein Blogger die Chance, das Unwahrscheinliche im Netz zu erreichen: gelesen zu werden.




Fragen zum Text

Der Begriff „Berufsjugendlicher“ bedeutet, dass …
1. jemand in der Jugendarbeit tätig ist.
2. jemand immer jugendlich erscheinen will.
3. Jugendliche in einen Beruf einsteigen wollen.

Spricht jemand davon, dass sie/er „unterkoffeiniert“ ist, dann ...
1. verträgt sie/er kein Koffein..
2. hat sie/er zu wenig Kaffee getrunken.
3. mag sie/er nur wässrigen Kaffee.

Mit dem Bild des Foodblogs als Navigationssystem für hungrige Mägen ist gemeint: …
1. Wer Hunger hat, sollte Foodblogs lesen und nebenbei etwas essen.
2. Foodblogs helfen jemandem bei der Suche nach einem geeigneten Platz zum Essen und Trinken.
3. Ein Foodblog ist ein Stadtplan für Menschen, die Hunger haben.


Arbeitsauftrag
Findet im Internet verschiedene Foodblogs. Erarbeitet anschließend in eurer Lerngruppe eine Kriterienliste für eine Bewertung eines Blogs. Jede Lernerin und jeder Lerner wählt sich dann einen Blog aus und bewertet ihn anhand der Liste. Hier sind drei Beispiele: morgen.monoxyd.de, bioberlin.wordpress.com, kuechenlatein.com.

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