Wieder Zusammenstöße in Santiago de Chile | Aktuell Amerika | DW | 05.11.2019
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Protestwelle in Lateinamerika

Wieder Zusammenstöße in Santiago de Chile

In der chilenischen Hauptstadt sind Zehntausende Demonstranten zusammengekommen, um den Rücktritt von Präsident Sebastián Piñera zu verlangen. Dabei gab es erneut Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten.

In Chile haben erneut Zehntausende Menschen gegen die Sozialpolitik der Regierung protestiert. In der Hauptstadt Santiago kam es im Anschluss an eine friedliche Demonstration zu gewaltsamen Zusammenstößen. Vermummte Teilnehmer warfen Molotow-Cocktails und errichteten brennende Straßenbarrikaden. Die Polizei setzte Tränengas, Gummigeschosse und Wasserwerfer ein. Nach Angaben der Behörden wurden mindestens sechs Polizeibeamte verletzt, darunter ein Polizist, der von einem Molotow-Cocktail im Gesicht getroffen wurde.

Bis in die Nacht hinein war das Hupen von Autos zu hören, Demonstranten nutzten zudem Pfannen und Töpfe, um Lärm zu erzeugen. Erstmals errichteten Protestteilnehmer auch Straßenbarrikaden. Aus den Städten Viña del Mar, Valparaíso und Concepción wurden Plünderungen und Fälle von Vandalismus gemeldet.

Die regierungskritischen Proteste in Chile gehen in die dritte Woche. Die Demonstranten fordern insbesondere eine Renten- und Verfassungsreform sowie tiefgreifende Reformen des ultraliberalen Wirtschaftssystems in Chile. Viele verlangen auch den Rücktritt von Präsident Piñera, der die Mitte Oktober ausgebrochenen sozialen Unruhen auch mit einer Reihe sozialer Maßnahmen und einer Kabinettsumbildung nicht beenden konnte.

Chile Proteste gegen die Regierung (Reuters/J. Silva)

Bei den Zusammenstößen setzte die Polizei auch Schlagstöcke ein

Mindestens 20 Todesopfer

Nach offiziellen Angaben kamen bei den Protesten bereits mindestens 20 Menschen zu Tode, davon fünf nach einem Einschreiten der Sicherheitskräfte. Zudem wurden nach Angaben des unabhängigen Nationalen Instituts für Menschenrechte mindestens 1659 Menschen verletzt und über 4300 Menschen verhaftet.

Die guatemaltekische Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú zeigte sich bei einem Besuch in Chile besorgt über die Gewalt der Sicherheitskräfte gegenüber Demonstranten. Sie beklagte, dass "mehr als 400 Menschen auf illegale Weise inhaftiert sind". Die UN-Menschenrechtsbeauftragte Michelle Bachelet hat bereits ein Expertenteam nach Chile entsandt, um Vorwürfen von Polizeigewalt nachzugehen. Die Gutachter werden bis zum 22. November im ganzen Land Augenzeugenberichte einholen.

Wegen der instabilen Lage in dem südamerikanischen Land wurde die UN-Klimakonferenz im Dezember von Santiago de Chile nach Madrid verlegt. Auch das für den 16. und 17. November geplante Gipfeltreffen des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (APEC) kann nicht wie geplant in der chilenischen Hauptstadt stattfinden.

Video ansehen 01:34

Chile: Spur der Verwüstung

Kräftiges Erdbeben

Unterdessen erschütterte ein schweres Erdbeben den Norden Chiles. Der Erdstoß der Stärke 6,0 ereignete sich nach Angaben der Erdbebenbehörde in der Nähe der Stadt Illapel. Nach Behördenangaben bestand keine Tsunami-Gefahr. Das Erdbeben war bis in die Hauptstadt Santiago de Chile zu spüren. Über mögliche Opfer oder Schäden durch das Erdbeben wurde zunächst nichts bekannt.

Chile gehört zu den am stärksten erdbebengefährdeten Regionen der Welt. Das südamerikanische Land liegt auf dem sogenannten Pazifischen Feuerring. Dort stoßen tektonische Platten aufeinander, sodass sich besonders häufig Erdbeben und Vulkanausbrüche ereignen.

kle/as (afp, ape, epd)

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